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Krankenkassen verzeichnen niedrige Krankenstände
Der gelbe Schein bleibt im Homeoffice

Homeoffice mit Tee und Wolldecke: Wer den Laptop zu Hause hat, lässt sich seltener krankschreiben.
  • Homeoffice mit Tee und Wolldecke: Wer den Laptop zu Hause hat, lässt sich seltener krankschreiben.
  • Foto: Pixabay
  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

sz/sp Siegen. Mitten in der Pandemie fehlen weniger Beschäftigte krank bei der Arbeit als in den Vorjahren. Dafür gibt es verschiedene Gründe – und einige bieten Anlass zur Sorge. Die Techniker Krankenkasse (TK) meldete für das erste Quartal mit 3,8 Prozent ausgefallener Arbeitszeit den niedrigsten Stand seit 13 Jahren.

Die AOK teilte für die Region Westfalen-Lippe mit, dass der Krankenstand bei den versicherten Arbeitnehmern in den ersten drei Monaten 2021 bei 5,7 Prozent lag und damit deutlich geringer als in den drei Monaten des Vorjahres (7,2 Prozent) ausfiel. Unter dem Krankenstand versteht man den prozentualen Anteil der Fehltage zur Sollarbeitszeit von Arbeitnehmern aufgrund einer Krankschreibung.

sz/sp Siegen. Mitten in der Pandemie fehlen weniger Beschäftigte krank bei der Arbeit als in den Vorjahren. Dafür gibt es verschiedene Gründe – und einige bieten Anlass zur Sorge. Die Techniker Krankenkasse (TK) meldete für das erste Quartal mit 3,8 Prozent ausgefallener Arbeitszeit den niedrigsten Stand seit 13 Jahren.

Die AOK teilte für die Region Westfalen-Lippe mit, dass der Krankenstand bei den versicherten Arbeitnehmern in den ersten drei Monaten 2021 bei 5,7 Prozent lag und damit deutlich geringer als in den drei Monaten des Vorjahres (7,2 Prozent) ausfiel. Unter dem Krankenstand versteht man den prozentualen Anteil der Fehltage zur Sollarbeitszeit von Arbeitnehmern aufgrund einer Krankschreibung.

33 Prozent weinige Krankmeldungen

Die Barmer gab auf SZ-Nachfrage die Zahlen für NRW an – hier ist ebenfalls ein Rückgang zu verzeichnen. Die Zahlen im Vergleich: Im Januar lag der Krankenstand bei 6,9 Prozent (2020: 11,5 Prozent), im Februar bei 6,5 Prozent (2020: 10,7 Prozent) und im März bei 7 Prozent (2020: 13,6 Prozent). Für die Region konnte die Barmer nur die Veränderungsraten mitteilen – und die liegen im NRW-Trend. Im Kreis Olpe gab es im ersten Quartal dieses Jahres 43 Prozent weniger Anspruchsberechtigte mit einem Arbeitsunfähigkeits-Fall als im ersten Quartal 2020. Im Kreis Siegen-Wittgenstein beträgt der Rückgang 33 Prozent.

Nur ein Bruchteil wegen Corona

Die Diagnose Covid-19 spielte bei den Krankschreibungen der Erwerbstätigen im Vergleich zu den anderen Diagnosen allerdings nur eine untergeordnete Rolle. Insgesamt verzeichnete die TK im ersten Quartal 1,08 Millionen Krankschreibungen, davon 9381 aufgrund von Covid-19. Und nach Angaben der Betriebskrankenkassen gingen im Monat März lediglich 0,9 Prozent der Arbeitsunfähigkeitstage auf das Konto von Covid-19. Mittlerweile bekannt ist, dass die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus sich auch auf andere ansteckende Krankheiten auswirken.

„Die Corona-Regeln führen zu weniger Atemwegserkrankungen“, sagt Andrea Hilberath, NRW-Pressesprecherin der TK. Psychische Erkrankungen nähmen allerdings zu. Auch Jens Kuschel von der AOK Nord-West bestätigt, dass die AHA-Regeln dafür sorgten, dass die Erkrankungen des Atmungssystems zurückgegangen seien: In den ersten drei Monaten 2021 gab es 7,3 Arbeitsunfähigkeitsfälle je 100 AOK-Mitglieder, im Vorjahreszeitraum lag der Wert bei 22,7 AU-Fällen je 100 Mitglieder. Kuschel weist – wie die anderen Krankenkassen – darauf hin, dass die Grippewelle in diesem Jahr quasi ausgefallen sei.

Laptop lockt im Homeoffice

Eine Umfrage der DAK-Gesundheit ergab, dass viele Beschäftigte sich im Homeoffice weniger schnell krank schreiben lassen: Im Februar gaben rund drei Viertel der Befragten im Homeoffice an, auch mal mit leichten Erkältungssymptomen arbeiten zu können – wegen derer sie sich sonst krank melden müssten. Der Gang zum Laptop fällt also teilweise leichter als der zum Arzt.
Immer wieder warnen Mediziner davor, dass Krankheiten verschleppt werden, weil der Besuch beim Arzt oder im Krankenhaus gescheut wird – auch aus Angst, sich mit dem Coronavirus anzustecken. Dabei kann das Risiko für schwere Krankheitsverläufe steigen.

"Krank arbeiten macht vor allem eines – noch mehr krank."
- Ingo Degenhardt, Geschäftsführer der DGB-Region Südwestfalen

Auch Ingo Degenhardt, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbunds Siegen-Wittgenstein und Geschäftsführer der DGB-Region Südwestfalen, äußert sich kritisch. Zwar seien die niedrigeren Krankstände sicherlich auch auf das verringerte Infektionsrisiko durch die AHA-Regeln zurückzuführen. „Aber auch vor der Pandemie sind viele Beschäftigte zur Arbeit gegangen, obwohl sie sich nicht gesund gefühlt haben. Wenn die Krankenkassen jetzt feststellen, dass die Krankenstände auf einem Rekordtief liegen, heißt das nicht unbedingt, dass weniger Beschäftigte krank waren.“

Wer den Arbeitsplatz vorübergehend zu Hause habe, der werde sich fälschlicherweise eher verpflichtet fühlen, auch krank weiter seiner Arbeit nachzugehen. „Viele nehmen so gesundheitliche Beeinträchtigungen bis hin zu chronischen Erkrankungen in Kauf. Krank arbeiten macht vor allem eines – noch mehr krank“, so Degenhardt abschließend.

Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

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