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Schulstart mit entzerrtem Unterricht, Corona-Abstrichen und reichlich Ungewissheit
Der große Test

Coronatests für Lehrer sind freiwillig. Einige Schulen – hier die Grundschule An Dreslers Park in Kreuztal – bekommen dafür einen Hausbesuch.
  • Coronatests für Lehrer sind freiwillig. Einige Schulen – hier die Grundschule An Dreslers Park in Kreuztal – bekommen dafür einen Hausbesuch.
  • Foto: Jan Schäfer
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

ch/js Siegen/Olpe. Am Mittwoch, nach sechseinhalb Wochen Sommerferien und mehrmonatigem Corona-Schmalspur-Unterricht, ist es so weit: Die Schule startet neu unter Pandemie-Bedingungen. Da werden einige ins Schwitzen geraten: die einen angesichts der hohen, sommerlichen Temperaturen in den Klassenzimmern, die anderen wegen der steigenden Infektionszahlen und der wachsenden Angst vor dem nächsten Shutdown. Vor allem bei den Eltern, die zum Teil erst am Montag auf den Homepages der Schulen und in Lehrer-E-Mails über die neue Normalität im Unterricht informiert wurden, ist die Ungewissheit groß.
Vorbereitung seit zwei WochenSeit gut zwei Wochen laufen die Vorbereitungen auf den Schulstart.

ch/js Siegen/Olpe. Am Mittwoch, nach sechseinhalb Wochen Sommerferien und mehrmonatigem Corona-Schmalspur-Unterricht, ist es so weit: Die Schule startet neu unter Pandemie-Bedingungen. Da werden einige ins Schwitzen geraten: die einen angesichts der hohen, sommerlichen Temperaturen in den Klassenzimmern, die anderen wegen der steigenden Infektionszahlen und der wachsenden Angst vor dem nächsten Shutdown. Vor allem bei den Eltern, die zum Teil erst am Montag auf den Homepages der Schulen und in Lehrer-E-Mails über die neue Normalität im Unterricht informiert wurden, ist die Ungewissheit groß.

Vorbereitung seit zwei Wochen

Seit gut zwei Wochen laufen die Vorbereitungen auf den Schulstart. Eine schon fast komfortable Zeitspanne für die Lehrer, die es mitten in der Pandemie gewohnt sind, meist sehr kurzfristig neue Corona-Regelungen des Schulministeriums in Düsseldorf umsetzen zu müssen.
Wie eine kleine Umfrage der SZ bei den heimischen Schulen zeigt, geben sich die Schulleitungen hier entspannt: Sie haben schon zwei Wochen vor den Ferien geübt, mit dem Mund-Nasen-Schutz umzugehen.

Abstands- und Hygieneregeln werden umgesetzt

„Gestaffelter Unterrichtsbeginn, getrennte und zeitversetzte Pausen auf dem Pausenhof und auf dem Spielplatz und dazu die bekannten und von den Mädchen und Jungen allen Unkenrufen zum trotz super umgesetzten Abstands- und Hygieneregeln machen mich hoffnungsvoll, dass wir den Start und die nächsten Wochen gut hinbekommen“, sagt etwa Judith Wied von der Siegener Giersberggrundschule. Ihr 19-köpfiges Kollegium ist komplett, die OGS-Betreuung in zusätzlichen Räumen und festen Gruppen geklärt und das Vertrauen in die Vernunft aller – „Wer möchte schon den großen Rückschritt?“ – vorhanden.

Freiwillige Coronatests alle 14 Tage

Der große Test kann also beginnen. Dabei möchte sich Wied zur großen Testung nicht äußern. Bis Mitte Oktober können sich Lehrer und Schulbeschäftigte alle 14 Tage freiwillig auf das Coronavirus testen lassen. Über Sinn und Unsinn der Momentaufnahme aus dem Labor streitet die Fachwelt, das Schweigen der Schulleiterin am Hörer spricht Bände.

Das digitale Klassenzimmer

Wied beendet das Telefonat, sie muss zurück zur Fortbildung: Das digitale Klassenzimmer steht auf dem Stundenplan, die Giersbergschule bereitet sich auf den Unterricht von morgen vor. „Um den gut hinzubekommen, müssen wir erst einmal per Befragung in Erfahrung bringen, wie weit die Elternhäuser sind, wie sie ausgestattet sind.“ Das wird dauern, bis zu den Herbstferien.

Hitzefrei Der NRW-Städtetag unterstützt grundsätzlich die Maskenpflicht zum Schuljahresbeginn, fordert aber praxistaugliche Erleichterungen. An heißen Sommertagen brauche man dann großzügigere Hitzefrei-Entscheidungen, sagte der Vorsitzende des Städtetags, Pit Clausen. Auch die Landesschülervertretung fordert, dass Hitzefrei in Zeiten coronabedingter Maskenpflicht nun auch für Oberstufenschüler gelten müsste. Die Hitze setze schließlich nicht nur Schülern der Sekundarstufe I zu, argumentieren sie. Bislang sieht der Hitzefrei-Erlass der Landesregierung hitzefrei für die Oberstufe nicht vor. In Grundschulen und in der Sekundarstufe I entscheiden die Schulleiter über die Befreiung. Im Erlass heißt es: „Als Anhaltspunkt ist von einer Raumtemperatur von mehr als 27 Grad Celsius auszugehen. Beträgt die Raumtemperatur weniger als 25 Grad Celsius, darf Hitzefrei nicht erteilt werden.“ Zum morgigen Schulstart gilt in NRW Maskenpflicht in allen Schulgebäuden und auf dem Gelände – in weiterführenden und berufsbildenden Schulen sogar im Unterricht. Unterricht mit Maske sei in jedem Fall besser als gar keine Schule, unterstrich Clausen. „Wir sind in den Städten auf den Schulstart gut vorbereitet. Die Schulträger haben sich um den Infektionsschutz gekümmert.“ Es fehle aber eine gemeinsame digitale Strategie von Land und Kommunen. „Bei der Vermittlung digitaler Kompetenzen darf nicht jede Schule ihre eigene Suppe kochen.“ Es sei gut, dass das Land Laptops und Tablets finanziere, die pädagogischen Vorgaben und technischen Standards für die verschiedenen Schulformen seien aber immer noch nicht definiert.

Unterricht nach Stundenplan

Ausgesprochen komplex fallen die vorbereitenden Maßnahmen an den weiterführenden Schulen aus. „Der Schulbetrieb mit allen Schülern ist doch eine andere Hausnummer als der mit reduzierter Zahl“, erklärt Christian Scheerer, Leiter der Clara-Schumann-Gesamtschule (CSG) Kreuztal. An die 900 Personen kommen zusammen, wenn ab Mittwoch der Unterricht wieder eingeläutet wird. „Das ist eine Menge Mensch auf wenig Raum.“ Viel Organisation sei zu leisten für dieses „große Experiment“. Einbahnregelungen, getrennte Ein- und Ausgänge – diese Maßnahmen gehören auch zum Hygienekonzept der CSG. Flure werden, so gut es geht, bestimmten Jahrgangsstufen zugeordnet, damit sich die Lerngruppen möglichst wenig durchmischen. Es müsse genau protokolliert werden, wann welcher Schüler wo gesessen hat. Im Großen und Ganzen werde Unterricht nach Stundenplan stattfinden, so Scheerer.

Kein Gesang, wenig Sport

Ausnahmen bestätigen die Regel: Die Vokalklassen – Aushängeschilder der Schule – dürfen nicht singen. Der Sportunterricht ist eingeschränkt, im Hauswirtschaftsunterricht bleibt die Küche kalt. Besonders schwierig stellt es sich der Schulleiter vor, dass die Schüler nun allesamt auch während des Unterrichts Masken tragen müssen. Das sei „sehr herausfordernd“. Besonders herausfordernd fürs Kollegium indes wird es sein, sich auch darauf einzustellen, dass es einen weiteren Shutdown geben könnte. Distanzunterricht sei daher ein Hauptthema der Fachkonferenzen. Die Erfahrungen aus dem Frühjahr helfen den Pädagogen: „Diesmal werden wir nicht ganz so überrollt.“

Getrennte Pausen

Mit ihren insgesamt 1100 Schülern hat auch die St.-Franziskus-Schule in Olpe (Gymnasium und Realschule) alle Hände voll zu tun, ihr Hygienekonzept umzusetzen, berichtet stellv. Schulleiter Björn Donadell. Die zwingende Desinfektion von Kontaktflächen nach jedem Schülerwechsel gehört zu den Vorgaben, die besonders viel Aufwand bedeuten. In den Pausen wird jahrgangsgetrennt verschnauft – auch wenn die Schüler vor und nach der Schule sich munter in Bussen mischen. Der Distanzunterricht habe bereits im Frühjahr gut funktioniert. In den Ferien haben Arbeitsgruppen Standards definiert, derzeit werden Lehrer in Schulungen fit gemacht für den Unterricht über digitale Wege.
Was die Coronatests angeht, so gibt es sowohl an der CSG als auch an der Franziskusschule Hausbesuche. Viele der Kollegen möchten das Angebot nutzen.

Autor:

Redaktion Siegen aus Siegen

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