Der „Hexe“ auf der Spur

 Vier Sechstklässler der Bad Berleburger Ludwig-zu-Sayn-Wittgenstein-Schule arbeiten zurzeit an einem Geschichtsprojekt: Es geht um die Spurensuche im Fall der angeblichen Hexe Margarete von Alertshausen. Foto: Holger Weber
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howe - Geschichte hautnah erleben – das durften am Donnerstag vier Sechstklässler der Bad Berleburger Ludwig-zu-Sayn-Wittgenstein-Schule. Beim Besuch im Archiv des Schlosses Wittgenstein kamen die Jungen und Mädchen sowie deren Lehrer Ernst Ulrich und Teja Radenbach aus dem Staunen nicht mehr heraus. Der Diedenshäuser Heimatforscher Klaus Homrighausen erzählte von der „Großen Margarete von Alertshausen“ – ein Thema, das elf Hauptschüler aus der sechsten und zehnten Klasse im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft „Spurensuche“ behandeln.

„Die Margarete“, erzählte Klaus Homrighausen, „war eine bedauernswerte Frau“. Sie sei naturkundig gewesen, habe das Wissen um Kräuter und Heilpflanzen von der Mutter gelernt, ebenso wie die Schwester Dorothea. Margarete habe einen Fehler gemacht. Sie habe auf eine Verstauchung Salbe geschmiert und gesagt, die Salbe müsse um Mitternacht gerührt werden. Außerdem seien mehrere Ave Marias zu beten. „Das kam den Leuten unheimlich vor.“

Bei Margarete vermischten sich Arznei- und Heilkunde mit Aberglaube und Frömmigkeit. Am 21. Juli 1629 wurde sie von fürstlichen Soldaten verhaftet und auf Schloss Wittgenstein nach Laasphe gebracht. Dort hat man sie gefoltert. „Der Scharfrichter ist gekommen und hat die Instrumente vorbereitet. Das hat Angst erzeugt.“ Die Beinschrauben seien angelegt worden, dann hätten die angeblichen „Hexen“ alles zugegeben. Im Prozess berichteten mehrere Zeugen von den Taten der Margarete von Alertshausen. Warum Margarete als Hexe verschrien war, wusste Klaus Homrighausen gestern auch zu berichten. Margarete wurde nach Alertshausen mit einem ganz armen Mann verheiratet – entsprechend ärmlich dürfte der Hof gewesen sein. Als ihr Mann verstarb, ging sie den Bund der Ehe erneut ein. Der Hof lief besser, Margarete brachte das Anwesen auf Vordermann. In der Gegend war sie wegen ihrer Kräuterkunst berühmt.

Sie fuhr bis Wallau oder Winterberg, um den Menschen zu helfen. „All das gönnten ihr die Leute nicht“, so Klaus Homrighausen. Neid und Missgunst hätten womöglich dazu geführt, der „Großen Margarete“ Hexerei anzuhängen. Dabei muss die Alertshäuserin eine fachlich hochqualifizierte Frau gewesen sein. Heute hätte sie vielleicht eine gutgehende Praxis mit unzähligen Patienten betrieben. Klaus Homrighausen: „Aus den Akten weiß ich, dass Margarete häufig Baldrianwurzeln in Leinensäcken verpackt und den Leuten um den Hals gehängt hat.“ Damals habe man das als Hexerei bezeichnet. In Wahrheit wusste Margarete, wie wohltuend die ätherischen Öle wirkten, wenn sie vom Körper erwärmt freigesetzt wurden.

Die Schüler nahmen die Berichte von Klaus Homrighausen mit offenen Mündern zur Kenntnis und erfuhren, dass Margarete von Alertshausen 1629 schuldig gesprochen wurde. Es habe Hexen gegeben, bei denen habe man die so genannte Wasserprobe durchgeführt, wusste der Heimatforscher. Die Hexen wurden in einen Sack mit Steinen gebunden, dann ließ man den Sack in die Lahn. Ging die Hexe unter, ertrank sie. Schaffte sie es, nach oben zu gelangen, tötete man sie. Schließlich war damit der Beweis erbracht, dass hier etwas mit dem Teufel zugegangen sein musste.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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