Der Islam bietet den reinsten Monotheismus

Judentum und Christentum sind mehr auf dem Weg dahin / Vortrag von Prof. Dr. Hoppe

ewi Siegen. Unterscheiden sich die drei monotheistischen Weltreligionen – Judentum, Christentum und Islam – letztlich nur historisch-zufällig in ihrer Wegweisung zum selben Gott, oder gehört der jeweilige Weg zu einem je bestimmten Gottesgedanken? Schienen die Auskünfte der Theologen und Islamologen in den früheren Vorträgen von Forum Siegen keine Zweifel aufkommen zu lassen, dass der Blick auf den gemeinsamen Gott die Unterschiede der Religionen eher unwesentlich werden lässt, warf der abschließende Vortrag von Prof. Dr. Rudolf Hoppe, Neutestamentler an der Universität Bonn, doch Fragen auf. »Gott, Welt und Mensch in der Sicht monotheistischer Religionen« lautete sein Thema, das sich auf zwei Problemkreise beschränkte: den Schöpfungsglauben und den Monotheismus.

Das Thema Schöpfung steht freilich in der hebräischen Lehre zunächst gar nicht im Mittelpunkt. Den bildet vielmehr der Gedanke, von Gott aus der ägyptischen Bedrohung gerettet worden und auf dem Weg ins Gelobte Land zu sein. Erst im 6. Jahrhundert vor Christus entstanden die Schöpfungsgeschichten. Sie sind so konzipiert, dass eine Bewegung bleibt hin zu einem neuen Himmel und einer neuen Erde (Jes. 65, 17 f). Diese Bewegungsrichtung bleibt im Neuen Testament erhalten. So ist laut Paulus Gott der Vater, »aus dem alles ist und wir auf ihn hin«. Die Richtung verläuft von der Schöpfung zur Vollendung. Wir sind auf dem Weg und ausgerichtet auf Gott, der sich seiner Schöpfung verpflichtet weiß. Auch die Schöpfung bedarf der Erlösung. Den Schluss, so Hoppe, bildet die Johannesoffenbarung, die wieder vom neuen Himmel und der neuen Erde spricht. Sein gegenwärtiges Dasein soll der Mensch im Blick auf diese Zukunft bewältigen.

Im Koran kommt der Schöpfungsglaube deutlich stärker zur Geltung, wobei es auch hier vor allem um den Menschen geht. Er soll wissen, wem er sich verdankt und zu wem er zurückkehrt. Anders als im Judentum und im Christentum ereignet sich jedoch nach dem Koran die Schöpfung ständig. Allah hält seine Schöpfungstätigkeit bei. Es gibt keinen »Gott-losen Lebensraum«. Jedes Ereignis ist gottgewollt. Die lineare Erwartungs- und Hoffnungshaltung von Judentum und Christentum tritt demgegenüber zurück. Der islamische Schöpfungsglaube, so der Referent, hat in der Rückführung auf den Willen Allahs seine Stärke, der Preis ist der Verzicht auf die volle Autonomie des einzelnen Menschen.

Auch mit Bezug auf den Monotheismus bestehen Unterschiede. Für die Juden hatte nämlich zunächst die Existenz anderer Götter nicht in Zweifel gestanden, wenn auch der von Moses verkündete Gott den Ausschlag gab. Erste Ansätze für den hebräischen Monotheismus seien im 8. Jahrhundert vor Christus im Nordreich entstanden (Hosea 13, 4). Im 6. Jahrhundert vor Christus habe sich der Monotheismus dann voll durchgesetzt.

Für das Christentum ging es später darum, Theologie und Christologie zu verbinden, ohne die monotheistische Tradition aufzugeben. Indem Jesus nur die Herrschaft des einen Gottes erfahrbar machen will und auf alle Hoheitstitel verzichtet, behält die Theologie die Vorherrschaft vor der Christologie. Ausschlaggebend ist, dass Christus letztlich die Herrschaft an Gott übergibt und sich ihm unterordnet. Sowohl im Judentum als auch im Christentum ist deshalb laut Hoppe der Monotheismus ein unabgeschlossener Prozess. Im Koran steht dagegen die Einzigkeit Gottes von der Eröffnungssure an fest. Die Einzigkeit und Bedingungslosigkeit Gottes kann auf jeden Entwicklungsgedanken verzichten. Dieser Gott fordert das moralische Verhalten des Menschen; daher, so der Referent, das hohe Niveau der islamischen Ethik.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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