Der Mann ist Rock ’n’ Roll

Torsten Straeter weiß mit Werwölfen und Worten Bescheid. Der Dortmunder entschied am Samstagabend den NRW-Poetry-Slam im Siegener Lÿz für sich.  Foto: rach
  • Torsten Straeter weiß mit Werwölfen und Worten Bescheid. Der Dortmunder entschied am Samstagabend den NRW-Poetry-Slam im Siegener Lÿz für sich. Foto: rach
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zel Siegen. „Ich wollte nie in Siegen siegen, aber Ihr könnt euch Geilenkirchen nennen“: Dankesworte eines Champions. Gerade eben hatte Torsten Straeter alias Straeter den NRW-Poetry-Slam gewonnen mit einem Text darüber, wie Drogen ihn zum Schreiben gebracht haben: Schakale auf dem Balkon – wer traut sich raus, um Bier zu holen? Der „Godfather of Poetry Slam“, wie Moderator Sushi da Slamfish ihn nannte, ist mit 43 wirklich Rock ’n’ Roll, wie er in seiner umjubelten Zugabe selbst feststellte.

Den Mann könnte man sich auf einer Kleinkunstbühne vorstellen. Er ist so lässig wie cool, so komisch wie freundlich und schreibt mit Humor über Horror, zum Beispiel über Werwölfe, die tagsüber ganz normale Wölfe sind und sich nachts in Leute verwandeln. „Schwachsinn wie dieser ist Rock ’n’ Roll.“ Da geht noch was! Mit seinen zumeist deutlich jüngeren Slam-Kollegen kommt Straeter gut klar – oder, wie er sagt, „die mit mir“. Gegen elf von ihnen setzte sich Straeter am Samstagabend im Schauplatz Lÿz durch, die zwölf waren am Freitag in den Vorrunden aus 50 Teilnehmern aus ganz NRW von der Publikumsjury ins Finale gewählt worden. Auch am Samstag waren zunächst wieder acht Zuschauer zur Jury bestimmt worden, die die Fünf-Minuten-Vorträge auf einer Skala von 1 bis 10 bewerteten. Eine 6 war schon niedrig und wurde vom Volk bebuht, jede 10 euphorisch bejubelt. DJ Cutoon heizte die Stimmung zusätzlich an, die Moderatoren Olaf n. Schwanke und Sushi taten das Übrige.

Viel Schönes war zu hören: viel Prosa, zumeist schnell und gut abgelesen aus Kladden und von zerfledderten Zetteln. Manche Teilnehmer reflektierten die deutsche Sprache, das Genre Poetry-Slam-Text und seine Entstehung, manche beobachten einfach die absurde Umwelt und beschrieben den Wahnsinn mit Witz und wahren Worten. Ins Reich der Phantasie entführte „unsichtbar“ Michael Heide mit seinem Text über einen ausgedachten Freund eines Kindes, der sich später im Leben in einen bösen Traum verwandelt. Der Marian aus Münster bestach mit Zopfbart und einem Gedicht von der Glatze, und auch Anke Fuchs aus Köln bewies einiges poetisches Geschick im Verein mit viel Gefühl bei ihrem „Brief an die Welt“, den sie auswendig kann.

Vier von zwölf durften dann nochmal ran: Anke Fuchs, Tobi Kunze (der Titelverteidiger), Straeter und Christian Ritter. Letzterer hatte bei KulturPur den Highlander-Poetry-Slam gewonnen und vertritt Siegen – wiewohl aus Würzburg – beim National. Applausintensität und -länge bemaßen die Güte der zweiten Texte mit dem Ergebnis: Straeter ist der Horst Slammer von Siegen. Kniefall der freundlichen Konkurrenten und Applaus.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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