Der „Stadtschreck“ von Kreuztal

In der Kreuztaler Innenstadt treibt ein Mann Händler und Bürger in den Wahnsinn. Archivbild: js

js - Sein Name ist stadtbekannt, die Reaktionen auf seine Nennung vorhersehbar: Wer sich in den Geschäften der Kreuztaler Innenstadt umhört, bekommt immer wieder Begriffe wie „unmöglich“, „ordinär“, „gewalttätig“ und „beängstigend“ zu hören. Seit nunmehr drei Jahren gehört der dem Vernehmen nach aus Weidenau zugezogene 46-Jährige zum Stadtbild – wohl oder übel. Immer wieder belästigt der im Bereich der City lebende Mann Passanten, nicht immer soll er vollständig bekleidet sein. Eine Lösung für das Problem ist nicht in Sicht. Der „Stadtschreck“ bleibt Kreuztal erhalten; er fällt durchs Raster des Systems.

Über ein mangelndes Eingreifen der Behörden beschwert sich im Zentrum der Kindelsbergkommune niemand. Immerhin sind sie alle in Alarmbereitschaft und permanent mit diesem einen Mann beschäftigt. Nur sehr wenig Handhabe hat das Ordnungsamt, wie dessen Leiterin Andrea Neumann der SZ sagte. Es könne nur dann tätig werden, falls ein Mitarbeiter eine Person dabei ertappe, wenn sie gegen die ordnungsbehördliche Verordnung der Kommune verstoße. Sprich: Sollte sie dabei gesehen werden, dass sie an einem öffentlichen Ort uriniere oder trinke, könne ein Platzverweis erteilt werden. Das sei bei besagtem Mann auch des öfteren geschehen. Länger als 24 Stunden dauern diese Verweise aber nicht an. Die Chancen, den 46-Jährigen ordnungsrechtlich zu belangen, sind also gering.

Wenn es um Pöbeleien, Bedrohungen und Sachbeschädigung geht, ist ohnehin die Polizei gefordert. Auch bei ihr ist der Mann mehr als bekannt – dem Vernehmen nach beschäftigt er die Beamten vor Ort wie kein zweiter. Mehr als 200-mal hat sich die Polizei mit ihm auseinandersetzen müssen, seitdem er im August 2012 erstmals in Kreuztal auffällig wurde, bestätigte Georg Baum, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Siegen-Wittgenstein. 

Auch bei der Staatsanwaltschaft Siegen ist der Mann seit langem bekannt. Zahlreiche Anklagen liegen gegen ihn vor, wie Behördensprecher Johannes Daheim der SZ bestätigte. Vor einigen Monaten war so viel auf dem Kerbholz des „Stadtschrecks“ zusammengekommen, dass es vor dem Siegener Schöffengericht zu einer Verurteilung kam. Zweieinhalb Jahre Haft, so lautete das Urteil für Delikte wie Erpressung, Diebstahl, Bedrohung, Unterschlagung und das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen; mit einer Bewährung würde der 46-Jährige damit also nicht mehr wegkommen.

Rechtskraft hat dieses Urteil indes noch nicht, der Mann hat Berufung eingelegt. Derweil flattern dauerhaft weitere Meldungen bei der Staatsanwaltschaft ins Haus. In der Regel geht es aber um Delikte, die als zu geringfügig gelten, um einen Haftbefehl auszustellen. Mit manchen Problemfällen, so ist es bei allen betroffenen Behörden herauszuhören, müsse die Gesellschaft offenbar leben. Jan Schäfer

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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