Der stolze Kanadier

Dominiert seit vier Jahrzehnten die rasant wachsende Skyline: der CN Tower. Fotos: Jan Schäfer Edge Walker über dem Rogers Centre - eine Übung nur für Schwindelfreie.Roundhouse Park, Rogers Centre und das Main-Pod des CN Tower von oben. Blick vom Sky-Pod senkrecht in die Tiefe. Hoch hinaus ragt der CN Tower. Daneben das Rogers Centre. Das Logo des CN Tower. Der 553 Meter hohe Turm ist auch im Dunkeln ein Hingucker - hier in den kanadischen Farben illuminiert.Angängen ab Abgrund: der Edge Walk. Blick durch den Glasboden. Der Glasboden bereitet Nervenkitzel 447 Meter hoch: das Sky-Pod. Angängen ab Abgrund: der Edge Walk auf dem Turmkorb. Der senkrechte Blick nach unten: Das Aquarium of Canada und der Vorplatz des Rogers Centre durch den Glasboden fotografiert.
  • Dominiert seit vier Jahrzehnten die rasant wachsende Skyline: der CN Tower. Fotos: Jan Schäfer Edge Walker über dem Rogers Centre - eine Übung nur für Schwindelfreie.Roundhouse Park, Rogers Centre und das Main-Pod des CN Tower von oben. Blick vom Sky-Pod senkrecht in die Tiefe. Hoch hinaus ragt der CN Tower. Daneben das Rogers Centre. Das Logo des CN Tower. Der 553 Meter hohe Turm ist auch im Dunkeln ein Hingucker - hier in den kanadischen Farben illuminiert.Angängen ab Abgrund: der Edge Walk. Blick durch den Glasboden. Der Glasboden bereitet Nervenkitzel 447 Meter hoch: das Sky-Pod. Angängen ab Abgrund: der Edge Walk auf dem Turmkorb. Der senkrechte Blick nach unten: Das Aquarium of Canada und der Vorplatz des Rogers Centre durch den Glasboden fotografiert.
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js - 553 Meter und 33 Zentimeter ragt seine Antennenspitze in den Himmel – drei Jahrzehnte lang galt der CN Tower in Toronto damit als das höchste freistehende Bauwerk der Welt. Vor neun Jahren rang ihm der Burj Khalifa in Dubai den Titel ab. Seiner Faszination hat dieser Verlust aber keinen Abbruch getan; nach wie vor ist die stattliche Landmarke die Ikone Kanadas – architektonisch gelungen und auch aus heutiger Sicht ein beachtliches Beispiel herausragender Ingenieurskunst. 1,6 Millionen Besucher aus aller Herren Länder überzeugen sich davon Jahr für Jahr.

Es war nicht ein Stärkebeweis für die Industrie des Landes allein, der den Koloss von Kanada in bis dahin unerreichte Bauhöhen trieb – es bestand auch eine klare Notwendigkeit. In den Sechzigerjahren, als die ehemals flache Stadt am Ontariosee zu einer an Bedeutung gewinnenden Metropole mit vertikaler Ausrichtung heranwuchs, sorgte die Wolkenkratzerkulisse für massive Signalstörungen beim Fernseh- und Radioempfang. Canadian National Railway, die eine der beiden großen kanadischen Eisenbahngesellschaften, ließ den nach ihren Initialen benannten Turm gemeinsam mit der staatlichen Rundfunkgesellschaft zwischen den Gleisen ihres Rangierbahnhofs errichten.

40 Monate nahm der Bau in Anspruch. 1537 schwindelfreie Arbeiter übertrugen die Baupläne in die Realität. Das Main-Pod, der siebenstöckige Turmkorb, dem von Anfang an nicht nur technische, sondern auch touristische Aufgaben zugewiesen wurden, wurde am Boden montiert und später in luftige Höhen gehievt. Deutlich höher noch, ans Ende des Betonschafts, setzten die Bauherren eine weitere Aussichtsebene: das 447 Meter hohe Sky-Pod, das bei entsprechender Wetterlage bis zu 160 Kilometer weit und damit über die Niagarafälle bis in den US-Staat New York blicken lässt. Ein Streben nach Rekorden war es, das für diesen Nachtrag in den Bauplänen sorgte.

Vier Jahrzehnte sind ins Land gegangen, seitdem der CN Tower – oder aber „la tour CN“, wie er im zweisprachigen Kanada gleichermaßen heißt – für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Am 1. Oktober 1976, genau vor 40 Jahren, fand die offizielle Eröffnungszeremonie statt, bei der Premierminister Pierre Trudeau – der Vater des jetzigen Amtsinabers Justin – eine Zeitkapsel versiegelte. Und auch wenn sich der CN Tower geschlagen geben musste in Sachen Höhenrekord: Seine magnetische Wirkung hat im 21. Jahrhundert nicht nachgelassen. Was der (deutlich niedrigere) Eiffelturm für Paris ist, ist der schlanke Gigant für Toronto.

Ausruhen auf den Ausmaßen des unter den „Sieben Weltwundern der Modernen Welt“ gelisteten Turms wollten sich die Verantwortlichen nie. Immer wieder wurden neue Attraktionen geschaffen; der Glasboden etwa, der seit 1994 senkrechte Blicke in die Tiefe ermöglicht und der trotz seiner enormen Tragkraft seine ersten Besucher dermaßen einschüchterte, dass er in Teilen wieder abgedeckt wurde. Oder aber der neueste Nervenkitzel über den Dächern von Downtown: Seit fünf Jahren lockt der „Edge Walk“, der Gang an der Kante also, besonders Wagemutige auf den Turmkorb. An einem Seil gesichert umrunden Kleingruppen das Main-Pod 356 Meter über dem Boden. Wer sicht traut, lässt los und lehnt sich vorwärts und rückwärts über den Abgrund. Nicht jedermanns Sache, ganz klar. Dennoch gehören die in roter Signalkleidung leuchtenden „Edge Walker“ inzwischen fest ins Stadtbild.

Wie wichtig der CN Tower auch für die Torontonians selbst ist, zeigt sich nicht zuletzt im Restaurant „360“, das sich alle 72 Minuten einmal um die Turmachse dreht und einen fantastischen Rundumblick bei preisgekröntem Essen bietet. Wer seine Stadt zeigen möchte, der lädt hierhin ein. Ob privat oder geschäftlich. Und siehe da, hier oben hält der Turm dann doch noch seinen letzten Rekord. 9000 Flaschen lagern im höchsten „Weinkeller“ der Welt. 351 Meter über dem Boden.

Jan Schäfer

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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