Der Tanz der Elemente

Magdalena Kaiser-Pieper stellt ihre ehemaligen Galerieräume für die Arbeiten von Susanne Knaack, E. A. Langenberg und Axel Schenk zur Verfügung. Der Bildhauer E. A. Langenberg zeigt wunderbar filigrane und ausdrucksstarke Plastiken.  Foto: gmz
  • Magdalena Kaiser-Pieper stellt ihre ehemaligen Galerieräume für die Arbeiten von Susanne Knaack, E. A. Langenberg und Axel Schenk zur Verfügung. Der Bildhauer E. A. Langenberg zeigt wunderbar filigrane und ausdrucksstarke Plastiken. Foto: gmz
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gmz Siegen. So unterschiedlich die drei Künstler auch sind, die derzeit bei Magdalena Kaiser im Siegener Häutebachweg ausstellen, so harmonisch ergänzen sich die Bilder und Plastiken von Susanne Knaack, E. A. Langenberg und Axel Schenk in den Räumen der ehemaligen Galerie. Die drei Künstler, die früher, zu Galeriezeiten, häufig dort ausgestellt haben, haben sich jetzt noch einmal zusammengefunden, um gemeinsam ihre Arbeiten in Siegen zu präsentieren. Morgen, Sonntag, 16 Uhr, wird die Ausstellung eröffnet (bis 14. März, mittwochs bis samstags 16 bis 19 Uhr). Unterschiedlicher könnten die drei Künstler kaum sein: Susanne Knaack zeigt ihre ruhigen, aber in sich sehr bewegten Seestücke, die durch ihre strenge schwarz-weiße Farbgebung und den dynamischen Bildaufbau bestechen. E. A. Langenberg lässt seine liebenswürdig skurrilen, fragilen und äußerst humorvollen Plastiken tanzen (u. a. wunderbar präsentiert auf Pedestalen vor einer großen Fläche). Axel Schenk zeigt sehr erdnahe Strukturen und ebenfalls tanzende Icons und Ikonen der Gegenwart und der Vergangenheit, die aus einer fast plastischen hellen Farbschicht hervortreten.

Und doch, trotz der Unterschiede in Thema, Gestaltung und Arbeitsweise ergänzen sich die Arbeiten. E. A. Langenbergs kleine Menschen, die immer in Kontakt mit großformatigen Tieren oder Dingen stehen, kommentieren „die Welt“, expressiv übersteigert ins Humorvolle oder fast Absurde. Eine kleine Sisyphos-Figur, die erschöpft (faszinierend, welch zerbrechliche und gleichzeitig detailreiche und ausdrucksstarke Arbeiten das Bronze-Überschmelzverfahren ermöglicht) auf einer steinernen Bergkante sitzt, kümmert sich nicht um die riesige Scheibe, die hinter ihr den Berg hinunterzustürzen droht. Noch rollt sie ja nicht, scheint die Figur zu sagen. Eine andere Plastik zeigt einen gutmütig aussehenden, etwas ungeschlacht wirkenden Riesen mit Hut, auf dessen Schulter ein kleines, vogelähnliches Männchen sitzt, das grüßend den Hut zieht. Der Zwerg auf den Schultern des Riesen grüßt – ein ironischer Kommentar zu einer ursprünglich anerkennenden Haltung, die schnell zur Pose verkam?

Der winzige, aber in Bewegung und Körperspannung faszinierend dargestellte Surfer auf einer großen, schwarzen Welle nimmt Kontakt auf zu Susanne Knaacks Schütt-Meerlandschaften, die sich aus dem Prozess des Farbauftrags ergeben. In ihren Arbeiten steht nicht der Bildgegenstand als Thema im Vordergrund, sondern die Methode. Die Künstlerin schüttet die schwarze und weiße Farbe auf die Leinwand, lässt ihrem Formwillen durch Drehungen der Leinwand ihren Lauf – und überrascht den Betrachter mit immer neuen Wellenbergen, Bergauftürmungen, Strudeln, glatten Flächen, die gerade nur so dem treibenden Chaos der Bewegung entkommen sind, Horizonten, die bei genauem Hinsehen auch Land sein könnten (und umgekehrt). Die schwarz-weiße Bewegung wird zur Landschaft, zur Meerlandschaft oder zur Ahnung einer ungezähmten Berglandschaft, die sich dem menschlichen Zugriff entzieht, aber in ihrer Dynamik fasziniert. Die Vorstellung allein belebt nämlich!

Axel Schenk lässt, wie auch E. A. Langenberg, die Welt tanzen. Auf opaquem, bewegtem Weiß, das durch seine Schichtungen einen plastischen Eindruck hinterlässt, schimmern Eindrücke der Welt, Wahrzeichen der Kulturgeschichte, Bekanntes aus dem Alltag und Ungewöhnliches durch diese „Nebelwand“. Zitate, Andeutungen tauchen auf, ordnen sich beim Betrachten, entwickeln Beziehungen, ergeben einen Sinn, wenn man will. Der Vogel auf der Kirchturmspitze, die Säulenhalle oder Tempelfront, die leicht zerfransten Zwiebeltürme – die Welt besteht aus (nicht nur religiösen) Versatzstücken. Die ordnende Auswahl trifft auch hier der Betrachter. Und kommt doch an den unterliegenden Strukturen, die Axel Schenk in seinen erdfarben-schnee bedeckten Arbeiten zeigt, keinesfalls vorbei!

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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