Karin M. hat im Evangelischen Hospiz ein neues Zuhause auf Zeit gefunden
„Der Tod macht mir keine Angst“

In Ruhe Abschied nehmen: Dafür findet Karin M. im Ev. Hospiz Siegerland den richtigen Platz.
  • In Ruhe Abschied nehmen: Dafür findet Karin M. im Ev. Hospiz Siegerland den richtigen Platz.
  • Foto: Diakonie
  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

sz Siegen.  „Es ist schön zu wissen, dass am Ende viele gute Menschen für mich da sind.“ Mit gerade 40 Jahren verlor sie ihren Ehemann. Sie zog zwei Kinder groß, bewies sich im Beruf und meisterte im Alter ihr Leben allein. Unabhängig. Karin M. (Name geändert) hat in ihrem Leben schon viele Kämpfe ausgefochten. Und auch vor ihrem letzten Gegner zeigt sie keine Furcht: „Der Tod macht mir keine Angst. Ich schließe einfach die Augen – und bin weg.“
Seit einem Monat ist die 72-Jährige ein Gast des Ev. Hospizes Siegerland. An der Siegener Wichernstraße hat sie ein Zuhause gefunden: „Hier herrscht Frieden.“ Es war nur ein kleiner Sturz, der Karin M. den Boden unter den Füßen weg riss – und ihr Leben in den Grundfesten erschütterte. Ein Jahr ist es her, dass sich die Seniorin das Becken brach. „Danach war ich in so vielen Kliniken, dass ich mich schon gar nicht mehr erinnere, wo ich überall lag“, sagt sie. Unzählige Untersuchungen folgten auf die Erstversorgung der Fraktur. „Und irgendwann erhielt ich die Schockdiagnose“, sagt Karin. Brustkrebs! Mit Metastasen.

„Wie sage ich es nur den Kinder?"

Das Erste, was ihr durch den Kopf ging? „Wie sage ich es nur den Kindern, dass sie es auch gut verkraften“, erinnert sich die Seniorin. Ihre Augen füllen sich mit Tränen. Die beiden Töchter – heute 48 und 35 Jahre alt – sind es, die die Brauersdorferin immer angetrieben haben. Das war schon vor gut 30 Jahren so, als der geliebte Ehemann urplötzlich aus dem Leben gerissen wurde. „Es war das Herz“, aber Karin M. verzweifelte nicht: „Das konnte ich mir nicht leisten.“ Sie traf sogar noch einmal einen neuen Partner. Doch mit ihm fand sie kein Glück, zog einen schmerzhaften Schlussstrich, reichte die Scheidung ein und hat den Mann seitdem nie mehr gesprochen. „Auch das ist gut so.“
Einen Anker fand Karin M. bei den Kindern – und an ihrem Arbeitsplatz, dem Diakonie Klinikum Jung-Stilling. 34 Jahre lang war sie hier beschäftigt. Zunächst im Reinigungsdienst, dann in der ehemaligen Wäscherei und nach einer Umschulung zur Klinikhelferin auf verschiedenen Stationen. „Wir waren immer ein gutes Team, eine feste Einheit“, erinnert sich die 72-Jährige an ihre Krankenhaus-Zeit.
Aus einigen Kollegen wurden Freunde. Beste Freunde. Mit einer Kollegin wohnte Karin M. sogar in einem Haus. Jetzt, im Hospiz, kommt sie regelmäßig zu Besuch. Die Damen schwelgen dann in alten Zeiten. Erinnerungen sind es, die Karin M. glücklich machen. In ihrem Zimmer im Hospiz hängen Dutzende Bilder. Sie zeigen sie und ihren ersten Mann in jungen Jahren oder bilden sie an dem Tag ab, an dem sie in den Ruhestand ging. Und dann strahlen Karin M. aus den Rahmen die Enkelkinder an, vier an der Zahl. „Sie wissen, dass die Oma krank ist. Das macht sie traurig“, sagt die Seniorin.
So oft es geht, kommt die Familie zu Besuch. Aber beide Töchter leben im Ruhrgebiet, nicht gerade um die Ecke. „Dort im Pott gefällt es mir nicht“, sagt Karin M.. „Ihr“ Siegerland, das wollte sie nicht verlassen, obwohl die Töchter sie mitnehmen wollten, als sie älter wurde. Aber: „Dafür ist Brauersdorf einfach zu schön.“

"Hier erhalte ich alle Hilfe, die ich brauche"

Umso schwerer ist ihr die Entscheidung zum Umzug ins Hospiz gefallen: „Ich wusste ja nicht, was kommt. Da hatte ich gemischte Gefühle, ja sogar etwas Angst.“ Zwei, drei Tage dauerte dieser Zustand an: „Jetzt kann ich gar nicht beschreiben, wie gut es mir hier geht. Es ist einfach schön zu wissen, dass am Ende viele gute Menschen für mich da sind.“
Einer von ihnen ist Burkhard Kölsch, der Leiter der Einrichtung an der Wichernstraße. Karin M. kennt ihn seit Jahrzehnten aus ihrer gemeinsamen Zeit im Krankenhaus. Sie unterhält sich gerne mit ihm und den Mitarbeitern: „Alle sind so nett, so fürsorglich. Hier erhalte ich alle Hilfe, die ich brauche, um in Ruhe Abschied zu nehmen.“

Autor:

SZ Redaktion aus Siegen

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