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Von "Pionierbäumen" und "Zuckerwasser"
Der Waldumbau aus Imkersicht

Andreas Schlosser, 1. Vorsitzender des Kreisimkervereins Siegerland, bei der Arbeit mit seinen Bienen. Ob es dieses Jahr eine große Waldtracht gibt, hängt von verschiedenen Faktoren ab.
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  • Andreas Schlosser, 1. Vorsitzender des Kreisimkervereins Siegerland, bei der Arbeit mit seinen Bienen. Ob es dieses Jahr eine große Waldtracht gibt, hängt von verschiedenen Faktoren ab.
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goeb Siegen/Olpe. Die Imker freuen sich schon auf die Blüte des Salbei-Gamanders. Das ausdauernde Kraut, das für den Menschen unscheinbar aussieht, schafft es im Sommer auf Kniehöhe und zeigt kleine, weiß-grünliche, nektarreiche Blüten. Die Bienen jedenfalls fliegen drauf. Auch andere Lichtkeimer wittern nun Morgenluft. Wegen des Fichtensterbens und der Kahlschläge überall erwarten Förster, Waldbesitzer und eben die Imker einen entsprechend starken Aufwuchs sogenannter Pionierpflanzenarten.

Die Samen der Pioniere stecken überall im Boden an den früheren Wald- und Wegrändern und keimen im bis dato relativ feuchten Frühjahr gut.

goeb Siegen/Olpe. Die Imker freuen sich schon auf die Blüte des Salbei-Gamanders. Das ausdauernde Kraut, das für den Menschen unscheinbar aussieht, schafft es im Sommer auf Kniehöhe und zeigt kleine, weiß-grünliche, nektarreiche Blüten. Die Bienen jedenfalls fliegen drauf. Auch andere Lichtkeimer wittern nun Morgenluft. Wegen des Fichtensterbens und der Kahlschläge überall erwarten Förster, Waldbesitzer und eben die Imker einen entsprechend starken Aufwuchs sogenannter Pionierpflanzenarten.

Die Samen der Pioniere stecken überall im Boden an den früheren Wald- und Wegrändern und keimen im bis dato relativ feuchten Frühjahr gut. Für die Bienen sind die neu entstandenen Kahlschläge in Deutschland, deren Größe Vereinspräsident Georg Schirmbeck vom Deutschen Forstwirtschaftsrat jetzt mit 280 000 Hektar bezifferte (dreifache Größe des Bodensees) ein Eldorado.

"Für die Artenvielfalt ein Segen"

Andreas Schlosser, 1. Vorsitzender des Kreisimkervereins Siegerland, verfolgt den Waldumbau mit Interesse. „Für die Waldbauern tut es mir leid“, schickt er voran. „Für die Artenvielfalt ist es aber ein Segen.“

Die Imker können der Veränderung positive Aspekte abgewinnen. Auf den Kahlschlägen siedeln sich zunächst krautige Pflanzen an, Himbeere und Brombeere, ebenfalls wichtige Bienenpflanzen, benötigen ein weiteres Jahr, um Fuß zu fassen. „Das sind Spätblüher, und man sollte ihre Funktion auch für die Wildinsekten nicht unterschätzen“, ergänzt Schlosser. Auch die Baumpioniere tragen dazu bei. Die Hasel etwa, laut Schlosser ein früher Pollenversorger, oder die Weide als Nektarlieferant.

Die Masse an Honig, der im Siegerland eine besonders dunkle Farbe und ein eigenes Aroma besitzt, wie Vergleiche immer wieder zeigen, bringen die krautigen Pflanzen im Wald aber nicht. 500 Gramm pro Volk am Tag kommen zusammen, schätzt Schlosser. „Aber bei der Waldtracht wächst die Menge auf 3 bis 4 Kilo am Tag.“

Bäume triefen vor "Zuckerwasser"

Waldtracht, was ist das genau? Alle fünf bis sechs Jahre – statistisch gesehen – saugen sich Massen an Fichtenrindenläusen an den hellgrünen weichen Fichtentrieben im Mai fest und sondern dabei einen süßen Saft ab.

„Die Bäume triefen regelrecht vor Zuckerwasser“, verdeutlicht Schlosser das Schauspiel. Aber: Es kommt nicht nur auf die Rindenlausart an, auch das Wetter muss mitspielen. Wenn der April kalt ist und es im Mai warm wird, könnte es was geben mit der Waldtracht. 2011 und 2019 waren solche Jahre.

So ein Bienen-Eldorado spricht sich herum in Deutschland und lockt zuweilen Berufsimker an. „Zuletzt hatten wir hier einen Großimker aus Bayern mit 500 Völkern“, berichtet Sven Peterseim, Bienenweidenberater aus Olpe. Er ist Schulungsreferent vom Landesverband Westfälischer und Lippischer Imker. „Der hat abgesahnt. Da blieb für die Kleinen nicht viel übrig.“ Rechtlich können die lokalen Imker dagegen nichts machen.

Wissenschaft für sich

Die Waldtracht ist ein hochkomplexes Thema. „Im Siegerländer Honig ist immer ein bisschen Waldtracht mit dabei“, erklärt der Vorsitzende. Je nachdem, welches Tierchen auf den Maitrieben sitzt, hat das Einfluss auf den Zucker. „Wenn es zum Beispiel ein Mehrfachzucker ist, den die Tiere ausscheiden“, philosophiert der Fachmann, „dann gibt es Probleme“. Probleme welcher Art? „Dann produzieren die Bienen sogenannten Zementhonig. Der ist knüppelhart und lässt sich nicht schleudern“, verdeutlicht Schlosser zum Abschluss des Gesprächs. Die Imkerei ist wirklich eine Wissenschaft für sich.

Andreas Schlosser, 1. Vorsitzender des Kreisimkervereins Siegerland, bei der Arbeit mit seinen Bienen. Ob es dieses Jahr eine große Waldtracht gibt, hängt von verschiedenen Faktoren ab.
In dunklen Fichtenwäldern wachsen nur wenige für Bienen relevante Pflanzen. Aus Bienensicht sind Fichtenmonokulturen wie hier auf der Kalteiche dann interessant, wenn es zur Waldtracht kommt. Die Kahlschläge werden jetzt von Lichtkeimern besiedelt und damit für die Bienen wieder attraktiv. Für Waldbesitzer bedeutet der Niedergang der Nadelbäume natürlich einen enormen Schaden.
Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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