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Psychologie-Professor im Gespräch
Der Weg in die Normalität braucht Zeit

Prof. Dr. Tim Klucken ist psychologischer Psychotherapeut und leitet an der Universität Siegen den Lehrstuhl für Klinische Psychologie an der Fakultät II.
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sp Siegen. Die Inzidenz-Werte sinken bzw. sind auf niedrigem Niveau, Hygienekonzepte sind ausgearbeitet und mit dem Gesundheitsamt abgesprochen, Gäste und Mitarbeiter haben größtenteils einen vollen Impfschutz. Dennoch sind viele Menschen vorsichtig, wenn es darum geht, wieder in den Vor-Corona-Alltag zurückzukehren oder etwas Neues auszuprobieren – wie den Besuch einer Tagespflege.
"Die aktuelle Realität ist nicht entscheidend, sondern wie sie wahrgenommen wird."
Prof. Dr. Tim Klucken
Klinische PsychologieProf. Dr. Tim Klucken von der Universität Siegen hat hier eine Erklärung: „Angst ist eine Primäremotion, die uns davor schützen soll, mit Gefahren in Kontakt zu kommen. So eine Angst ist immer sinnvoll – in gewissem Maße.“ Denn sie sichere das Überleben.

sp Siegen. Die Inzidenz-Werte sinken bzw. sind auf niedrigem Niveau, Hygienekonzepte sind ausgearbeitet und mit dem Gesundheitsamt abgesprochen, Gäste und Mitarbeiter haben größtenteils einen vollen Impfschutz. Dennoch sind viele Menschen vorsichtig, wenn es darum geht, wieder in den Vor-Corona-Alltag zurückzukehren oder etwas Neues auszuprobieren – wie den Besuch einer Tagespflege.

"Die aktuelle Realität ist nicht entscheidend, sondern wie sie wahrgenommen wird."
Prof. Dr. Tim Klucken
Klinische Psychologie

Prof. Dr. Tim Klucken von der Universität Siegen hat hier eine Erklärung: „Angst ist eine Primäremotion, die uns davor schützen soll, mit Gefahren in Kontakt zu kommen. So eine Angst ist immer sinnvoll – in gewissem Maße.“ Denn sie sichere das Überleben. Der Psychologie-Professor sagt: „Angst ist ansteckend.“ Um zu überleben, schaue man sich das Verhalten anderer an, man beobachte sie.
Der Wissenschaftler erklärt, dass Menschen Zeit bräuchten, sich einer neuen Situation anzupassen. „Die aktuelle Realität ist nicht entscheidend, sondern wie sie wahrgenommen wird.“ Wenn potenzielle Gäste von Tagespflegeeinrichtungen beispielsweise von vielen Menschen in ihrem Umfeld mitbekommen hätten, dass sie von Corona betroffen gewesen seien, dann zähle das mehr als aktuell niedrige Inzidenz-Werte.

Masketragen und andere Gewohnheiten

Zurück zur Normalität ist also gar nicht so einfach? „Das braucht Zeit, das darf man nicht unterschätzen.“ Menschen hätten Schwierigkeiten, sich anzupassen, auf neue Situationen einzustellen. Ein gelerntes Verhalten, beispielsweise das Masketragen, wieder zu verändern, das sei mit Zeit und Anstrengung verbunden, erklärt Klucken. Aber er ist zuversichtlich, dass das gelingen kann.

Der Professor für Klinische Psychologie zeigt eine Möglichkeit auf, die dabei helfen kann: „Mit Personen sprechen, die das neue Verhalten schon gelernt haben.“ Sich mit anderen Menschen, die beispielsweise die Tagespflege bereits besuchen, unterhalten. Was ängstlichen oder vorsichtigen Menschen nicht helfe, sei, ihnen zu erklären, dass das Risiko gering sei, sich anzustecken. „Das ist den Leuten egal. Da streitet man sich eher,“ so Klucken: „Es sollte keinen Diskussionskampf geben, wie wahrscheinlich oder unwahrscheinlich etwas ist, die Leute haben trotzdem Angst.“

Was besser ist: „Man sollte danach fragen, unter welchen Voraussetzungen könnten sie sich vorstellen, das auszuprobieren.“ Das sei ein wesentlicher Punkt, den Menschen die Möglichkeit zu geben, zu testen. „Wenn man ihnen das Gefühl gibt, ein Stück weit die Kontrolle zu haben.“

Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

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