Des Sanges Schauspiel

Der Stuttgarter Kammerchor unter der Leitung von Frieder Bernius gab in der Michaelskirche ein mitreißendes Konzert. Foto: gmz
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gmz Siegen. Der Kammerchor Stuttgart unter der Leitung von Frieder Bernius gab am Samstagabend in der St. Michaelskirche in Siegen ein Konzert, auf Einladung des ICV, des Internationalen Chorleiterverbandes. Der ICV unter dem Vorsitz des heimischen Chorleiters Matthias Merzhäuser hat am Samstag ein Seminar für Chorleiter angeboten, mit Frieder Bernius als Referent. Das Konzert würde, so Matthias Merzhäuser in seiner Begrüßung, sicher „unvergesslich“ sein. Damit hat er einen sehr hohen Anspruch formuliert. Der Auftritt der maximal 25 Sänger, in wechselnden Besetzungen (was durch verschiedene „Aufstellungen“ des Chores auch optisch verdeutlicht wurde), zeigte aber, dass die Charakterisierung als „außergewöhnlich“ zutreffend ist!

Bestechend war vor allem der glasklare, harmonische und ungemein dichte, geschlossene Klang des Chores, der sich durch dynamisch ausgefeilte Variabilität und geschmeidige Gestaltungskraft auszeichnete (auch wenn es hier und da kleinere Abstimmungsunsicherheiten gab). Frieder Bernius dirigierte seine Sänger hochkonzentriert, in die Musik versunken, und doch äußerst aufmerksam – der Chor reagierte auf kleinste Zeichen. Die Sänger wussten ihre Stimmen als Instrument einzusetzen, das bei Johann Nepomuk Davids „Kume, kum, Geselle min“ beispielsweise den Text wirkungsvoll im „Orgelklang“ der Stimmen aufgehen ließen.

In der modern anmutenden Komposition „Le Cantique de Cantiques“ von Jean-Yves Daniel-Lesur stellten die zwölf wunderbar aufeinander abgestimmten Einzelstimmen die leicht atonalen Harmonien so zusammen, dass sie den „süßen Worten“ des Hohenliedes die nötige Herbheit verliehen, um (angesichts einer im Allgemeinen sprachlich kitschbelasteten Umgebung) unmittelbar glaubhaft zu wirken. Eine gelungene moderne Fassung für den alten Text!

Romantische Fülle und melancholische Versonnenheit zeichnete die Interpretation von Fanny Hensels „Nachtreigen“ aus, von der auch die begeistert mit stehenden Ovationen erklatschte Zugabe „Abendlich“ stammte. Die poetische Natur- und Lebensstimmung in Felix Mendelssohn Bartholdys „Abschied vom Walde“ (Text: Eichendorff), von den Sängern mit eindrücklicher Zartheit interpretiert, ergänzte den schönen Sommerabend um eine nachdenkliche Dimension: „Des Lebens Schauspiel sehen“ und doch wissen, was das Zentrum des eigenen Lebens ist. Hier trug der Gesang dazu bei!

Der erste Teil des klassisch in geistliche und „weltliche“ Lieder unterteilten Programms begann mit der inhaltlich wie musikalisch sinnfälligen Zusammenstellung Mendelssohn Bartholdys Psalmvertonungen von „Warum toben die Heiden“ über „Hebe Deine Augen auf“ zu „Richte mich, Gott“: Die interpretatorische Kraft der Stimmen zeichnete die emotionale Verfasstheit „des Menschen“ auf berührende Weise nach. Auch die Psalmvertonungen Otto Nicolais, „Herr, ich habe lieb“, „Jauchzet dem Herrn“ und „Herr, auf Dich traue ich“, mit ihren abwechslungsreichen Klangwelten lebten von der anrührenden Kraft der Darstellung. Ganz großartig war auch Krysztof Penderckis „Stabat Mater für drei gemischte Chöre a cappella“, bei dem es den Sängern gelang, vielstimmig und beinahe gequält die Situation der Mutter Jesu am Kreuz ihres Sohnes zu skizzieren. Mit drängender Intensität steigerten sie die Bitte um Hilfe in ein fast nonverbal anmutendes Flehen und ließen dann die individuelle Hinwendung zur göttlichen Hilfe in ein gemeinsames, kraftvolles „Gloria“ münden. Packend: Musik und Vortrag!

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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