Dr. Matthias Schreiber der Festredner bei der SPD Neunkirchen
"Deutsche Einheit ist ein Glück"

Dr. Matthias Schreiber (r.) hielt am Tag der Einheit eine vielbeachtete Rede bei der SPD Neunkirchen. Zu den Zuhörern gehörte u.a. Pastor Dr. Martin Schreiber (l.). Foto: mir
  • Dr. Matthias Schreiber (r.) hielt am Tag der Einheit eine vielbeachtete Rede bei der SPD Neunkirchen. Zu den Zuhörern gehörte u.a. Pastor Dr. Martin Schreiber (l.). Foto: mir
  • hochgeladen von Michael Roth (Redakteur)

mir Neunkirchen. In Kreuztal geboren und am Tag der Deutschen Einheit der Festredner bei der Feierstunde der SPD Neunkirchen: Dr. Matthias Schreiber machte im vollbesetzten Otto-Reiffenrath-Haus seine Zuhörer neugierig und nachdenklich, als Beauftragter des NRW-Landtags für Kontakte und Kirchen und Religionsgemeinschaften kein Wunder. Mehr noch, Schreiber war ein Wegbegleiter von Johannes Rau.
Schreibers Kernbotschaft in Neunkirchen: "Die Deutsche Einheit ist ein Glück." An anderer Stelle noch so ein bedeutender Satz mit Hintersinn: "Uns Deutschen ist auch mal was geglückt, endlich." Womit er anspielte auf die große historische Chance vor 30 Jahren, die beiden Teile Deutschlands wieder zusammenzuführen.
Welch ein Glück, dass mit der Einheit auch die Mauer endgültig zur Geschichte geworden sei. Den Sieg der Freiheit dürfe auch die heutige junge Generation nicht aufs Spiel setzen. Trumps Mauerbau an der Grenze zu Mexiko sei ein warnendes Beispiel. Von der Sorte gebe es noch mehr, 70 Mauerprojekte weltweit sorgten für Ausgrenzung.
Kurz ging Dr. Schreiber auf die Zustände in der früheren DDR ein. Wer sich habe taufen lassen, sei nicht zum Studium zugelassen worden, "das war schon Widerstand gegen den Staat".  Auch wenn die Einheit schon 30 Jahre hinter sich habe, "wir dürfen nicht so tun, als ob alles gelöst und erledigt wäre". Der plumpen Trennung in Ossis und Wessis dürfe niemand auf den Leim gehen.
Vielmehr müssten sich auch die Menschen im Westen anhören, was in der DDR fortschrittlicher gewesen: "Bei der Gleichstellung der Frau war man dort 30 Jahre weiter als der Westen." Frauen seien damals fest ins Arbeitsleben integriert gewesen, die Ganztagsbetreuung für Kinder habe es dort längst gegeben. 
Gebleiben sei die Sehnsucht nach Freiheit. Nach richtiger Freiheit und nicht allein der Auswahl unter 100 TV-Programmen. Zugleich richtete Dr. Schreiber einen politischen Appell an seine Zuhörer: "Die Welt darf nicht verzozen, wie das in Siegen versucht worden ist." Weitere Gefahren lauerten überall. Im Osten Europas würden Richter geprüft und gelenkt, Journalisten könnten nicht frei arbeiten, Oppositionelle würden unterdrückt, siehe Nawallny, "der ist mehr tot als lebendig gewesen". Gerade deshalb gelte es mehr denn je aufzupassen, dass dieses Land "uns nicht unter den Fingern zerrinnt".
Die Herausforderungen seien enorm: dritter Sommer mit Dürre, Klima geschädigt, Zuwanderung nicht gelöst. Dr. Schreiber: "Was ist mit unseren alten Angehörigen im Heim? Dürfen wir die bald wegen Corona nicht mehr besuchen, während 10000 Menschen in ein Fußballstadion gelassen werden?" Gerade zu dem Punkt wünscht Dr. Schreiber, der Theologe, mehr Antworten der Kirchen und der Sozialverbände.  Trotzdem gelte die Maxime: Es ist nicht alles schlechter geworden. Und genau aus dem Grund gebe es "keinen Anlass zu verabredeten Nörgeleien". 
Klar seine Botschaft an die Politik: "Seite 100 Jahren arbeiten wir gezielt gegen die Natur dieser Erde." Das müsse aufhören. Zum Verbrennungsmotor gebe es gute Alternativen, das sei lange bekannt, aber die "Industriekapitäne" müssten auch mitmachen wollen, um die Wende herabeizuführen.

Autor:

Michael Roth (Redakteur) aus Siegen

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