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Prof. Dr. Schuhen und Prof. Dr. Witzke im Gespräch
Deutschland verschläft die Digitalisierung

Prof. Dr. Ingo Witzke ist Geschäftsführender Direktor Mathematikdidaktik. Er will beispielsweise mit dem Projekt „DigiMath4Edu“ im Matheunterricht den Umgang mit digitalen Medien erlebbar machen.
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  • Prof. Dr. Ingo Witzke ist Geschäftsführender Direktor Mathematikdidaktik. Er will beispielsweise mit dem Projekt „DigiMath4Edu“ im Matheunterricht den Umgang mit digitalen Medien erlebbar machen.
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Es gibt Zeugnisse – und zwar nicht nur für die Schüler. Die SZ hat pünktlich zum Beginn des 2. Halbjahrs auf das letzte zurückgeschaut und mit Experten, Lehrern und Eltern übers Homeschooling gesprochen. Was war gut, was schlecht? Wie verändert die Corona-Krise Lernen und Leben? Und was wird von diesem Schuljahr ernsthaft übrigbleiben?

sabe Siegen. „Alle mal die Mikros aus!“ Das ist das erste, was Grundschullehrerin Jessica Merugu ihren Schülern aus der 3b eintrichtern musste. „Und erst dann wieder an, wenn gesprochen wird.“ Sonst stürzt bei 26 Kindern die Verbindung ab. Man kennt das. Aus eigenen Konferenzen, aus Chats mit Freunden. Saft sparen, damit Sendung möglich ist. Deutschland hängt nicht nur bei der Digitalisierung der Schulen zurück. Da aber besonders.

Es gibt Zeugnisse – und zwar nicht nur für die Schüler. Die SZ hat pünktlich zum Beginn des 2. Halbjahrs auf das letzte zurückgeschaut und mit Experten, Lehrern und Eltern übers Homeschooling gesprochen. Was war gut, was schlecht? Wie verändert die Corona-Krise Lernen und Leben? Und was wird von diesem Schuljahr ernsthaft übrigbleiben?

sabe Siegen. „Alle mal die Mikros aus!“ Das ist das erste, was Grundschullehrerin Jessica Merugu ihren Schülern aus der 3b eintrichtern musste. „Und erst dann wieder an, wenn gesprochen wird.“ Sonst stürzt bei 26 Kindern die Verbindung ab. Man kennt das. Aus eigenen Konferenzen, aus Chats mit Freunden. Saft sparen, damit Sendung möglich ist. Deutschland hängt nicht nur bei der Digitalisierung der Schulen zurück. Da aber besonders. Das ist kein Geheimnis, seit Corona sowieso nicht mehr.
Bei der digitalen Ausstattung sind die Schulen in Deutschland nach Auffassung der Lehrer trotz der Pandemie kaum vorangekommen. So geht es aus einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der Robert Bosch Stiftung hervor. 61 Prozent gaben an, dass sie weniger gut oder schlecht auf den Fernunterricht vorbereitet seien. Im Vergleich zum April (66 Prozent) ist dieser Wert nur wenig gesunken. Die Digitalisierung: der deutsche Dämon?

"Die Zeit hätte besser genutzt werden können"

„Die Zeit hätte besser genutzt werden können“, zieht auch Prof. Dr. Ingo Witzke, Geschäftsführender Direktor Mathematikdidaktik, der mit Projekten wie „DigiMath4Edu“ im Matheunterricht den Umgang mit digitalen Medien erlebbar machen möchte, sein Fazit. Witzke ist nicht nur Experte, sondern auch Elternteil. Genau wie Prof. Dr. Michael Schuhen. Auch der forscht an der Uni Siegen zum Thema digitales Lernen, sitzt gerade im Homeoffice und die Kinder nebenan im Homeschooling.
Jetzt, im zweiten Lockdown, stört Witzke die Konzeptlosigkeit. Das verlassen auf Individualleistungen von Lehrern und Schülern. „Viel ist noch immer einfach Reaktion. Es muss gerade irgendwie Unterricht stattfinden.“ Prof. Dr. Michael Schuhen beobachtet ähnliches. Der Staat schaffe es nicht, klare Regeln zu kommunizieren. Eindeutige Vorgaben von politischer Seite, wie das Homeschooling auszusehen habe, gäbe es faktisch keine. Man sollte, könnte, möchte doch vielleicht zweimal in der Woche eine Videokonferenz schalten, stehe vor: Man macht es so und so! Lehre im Konjunktiv könne nicht funktionieren. „Ein klares Konzept braucht Führung!“

Immerhin: Im zweiten Lockdown tut sich was

Trotzdem, glaubt er, habe sich – zumindest für Rheinland-Pfalz gesprochen – mit dem zweiten Lockdown viel getan. Es gäbe vielerorts Schulclouds, Schulcampus- oder Grundschulapps und damit digitalen Unterricht, der nicht nur Beschäftigungstherapie, sondern durchaus auch Lernformat sei. Durch die Tools würden digitale Elemente aufgebaut und mehr genutzt. „Man kann schon sagen, dass es eine Struktur gibt“, sagt er auch mit Blick auf die Erfahrungen, die seine Kinder gerade machen. In NRW habe man es verpasst, sich auf ein System zu einigen.

Lehrer müssen digital ausgebildet werden

Wie es da besser gehen könnte? Abgesehen von dem zu regelnden Ausstattungsproblem von Endgeräten –„es braucht einfach die Basics zum Homeschooling“– In die digitale Ausbildung von Lehrern investieren, meint Witzke. Und: Eltern mehr mitnehmen. „Eigentlich bräuchten wir auch ein Elterncoaching. Support-Probleme beseitigen“, heißt für Witzke: Vernetzungsangebote nutzen, die Unis mehr miteinbeziehen. Sein Beispiel „DigiMath4Edu“: Im Konzept gibt es sogenannte Unterrichtsexperten. Geschulte Studierende helfen beim Einsatz neuer digitaler Medien, die dann konkret und spezifisch – so wie es sich viele Lehrende wünschen würden – helfen können: „Wie übermittle ich am Montagmorgen der Klasse 8 im digitalen Unterricht den Satz des Pythagoras?“

Prof. Dr. Ingo Witzke ist Geschäftsführender Direktor Mathematikdidaktik. Er will beispielsweise mit dem Projekt „DigiMath4Edu“ im Matheunterricht den Umgang mit digitalen Medien erlebbar machen.
Prof. Dr. Michael Schuhen von der Uni Siegen forscht unter anderem zum Thema digitales Lernen.
Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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