Die Akten des W.

Rayk Wieland schlug am Sonntag im Lÿz vor, „dass wir uns küssen“, und unterhielt mit der Aufarbeitung einer Jugend in der DDR sein Publikum sehr gut. Foto: cak
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cak Siegen. „Sie kennen es bestimmt alle: Wenn man einen längeren Witz erzählen möchte, dann versaut man oft die Pointe.“ Mit diesem Satz beginnt Rayk Wieland seine Lesung im Medien- und Kulturhaus Lÿz in Siegen. Dieses Missgeschick unterläuft ihm am Sonntagabend nicht. Die Auszüge, die der 1965 geborene Autor und TV-Journalist aus „Ich schlage vor, dass wir uns küssen“ liest, kommen beim Publikum gut an.

In seinem Buch geht es um den Protagonisten unter dem Kürzel W., der auf eine ironische Art und Weise mit seiner Jugend in der DDR unter Stasi und Co. abrechnet. Die Stasi, vertreten durch Oberst Schnatz, gerät hierbei ins Kreuzfeuer. Diese nämlich nahm, wie W. Jahre später feststellen musste, zu dieser Zeit seinen Briefverkehr mit seiner Jugendliebe Liane aus München präzise unter die Lupe. Begriffe wie die von W. erfundene Gruppe 61, die im Geheimen für eine Verlängerung der Zeit eintritt, die er mit seiner Freundin teilen kann und nur aus ihm, einem Meerschwein und einer Stehlampe besteht, geraten bei den Stasi-Spitzeln besonders ins Visier. Doch insbesondere die skurrilen Interpretationen der Staatssicherheit bringen das Publikum zum Lachen. So wird aus einem „Liebste, wie gerne wäre ich bei dir“ auch schnell mal ein Westfluchtverdacht. Oder eine Erwähnung des Begriffes „Die Mauer zwischen uns“ zur „Kritik an den Grenzsicherungen gegen den imperialistischen Feind aus dem Westen“.

Rayk Wieland begeistert in seiner Lesung im Rahmen der Themenwoche „20 Jahre Mauerfall“, einer Kooperation von Kultur-Siegen und der Universität Siegen, das Publikum mit einer mal ganz anderen Betrachtung der DDR. Sein Protagonist W., der unverkennbare Ähnlichkeit mit dem Autoren selbst hat, bringt in seinen Erzählungen die Vergangenheit wieder ein Stück näher. Und so unterhaltsam manche Pointe auch sein mochte, lag es wohl auch an der Skurrilität des Beschriebenen und der oft fehlenden Vorstellungskraft dafür, dass dies einst bitterer Ernst für viele Ostdeutsche gewesen ist. Auch wenn das Ziel des Buches eindeutig die Unterhaltung des Lesers bzw. Zuhörers zu sein scheint, lässt es einen durchaus nochmal nachdenken. Über das, was war. Jedoch auf eine ganz andere Art und Weise. Eine Rayk-Wieland-Weise eben.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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