Die Alm „beerdigt“

 Eine Beerdigung erster Klasse erhielt am Freitag die „alte“ Alm. Mountainbiker und weitere Stammgäste verabschiedeten ein Stück liebgewonnener Tradition. Wie es dort weitergeht und wann, muss erst noch entschieden werden. Foto: rai
  • Eine Beerdigung erster Klasse erhielt am Freitag die „alte“ Alm. Mountainbiker und weitere Stammgäste verabschiedeten ein Stück liebgewonnener Tradition. Wie es dort weitergeht und wann, muss erst noch entschieden werden. Foto: rai
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rai - Über die Auseinandersetzungen zwischen Pächter und Besitzern des Ausflugslokals „Die Alm“ bei Dauersberg hat die Siegener Zeitung mehrfach berichtet. Am Freitag kam es einmal mehr zu einer öffentlichkeitswirksamen Aktion an einem der beliebtesten Ausflugsziele der Region. Stammgäste hatten sich das ausgedacht:

Der „Trauermarsch“ von Frédéric Chopin erklang, als vier schwarzgekleidete Männer mit Zylinder den Holzsarg trugen, dahinter die Kranzträger, die Klageweiber – eine Trauergemeinde von mehr als 60 Menschen folgte: „Die Alm“ wurde am Freitagabend symbolisch zu Grabe getragen. „Fahrradfahrer und liebe Stammgäste“, hieß es, inszenierten die „Beerdigung der Alm“.

Dem Trauermarsch voran wurde ein Holzkreuz getragen, auf dem zu lesen war: „Hier ruht in Frieden Die Alm, * 2004 † 2016“. Gleich dahinter kam der Schnitter daher, in schwarzer Kutte, die Sense über der Schulter. Die Trauernden hatten Grablichter dabei, einige Fackeln brannten. Ein Mann hielt eine Urne, am Arm einer Frau – Trauerflor. Sein T-Shirt mit Alm-Logo hatte jemand mit einem schwarzen Kreuz überklebt. Die Klageweiber waren im feinsten Schwarz herausgeputzt.

Im atmosphärischen Licht des Sonnenuntergangs kam die Trauergesellschaft an der „Alm“ an und überraschte hier gleichermaßen die Gäste und das (Noch-)Pächterehepaar Heidi und Stefan Acher. Der Trauerzug zog natürlich alle Blicke auf sich; auf der Wiese an der Terrasse wurde der Sarg mit Blumenbouquet abgesetzt. Auf dem Holz war angeschlagen: „Hier ruhen unsere Geldsäcke“, dazu das Alm-Logo und eine Trauerschleife. Der Kranz wurde niedergelegt, die Schleife mit „Wir nehmen traurig Abschied von der Alm“ zurechtgezupft.

Als die Grablichter und Fackeln neben dem im Boden steckenden Kreuz vor dem Sarg drapiert waren, standen schon die Klageweiber parat und heulten mit großer Geste in die Spitzentaschentücher. Eine von ihnen hielt die Totenklage und begrüßte die lieben Trauergäste, Freunde und nahe Angehörige, Stefan und Heidi, an der „bald sterbenden Alm“.

„Du, liebe Alm, hast uns zu sportlichen Höchstleistungen angespornt, indem du uns auch die letzten Höhenmeter mit dem Gedanken an ein kühles Weizen hast überwinden lassen.“: In der Trauerrede wurde noch einmal erinnert, was man auf der Alm erlebt hat: „Du warst in unserer Region seltenes Highlight der Gemütlichkeit.“ Die Rede gab immer wieder Anlass für Schmunzler und Lacher – nur die Klageweiber behielten ihre Trauermiene. Für die Rednerin stand fest: „Mit dir, liebe Alm, stirbt die herzbefreiende Fernsicht, die bei uns Schluchtenbewohnern so beliebt war“. Und weiter: „Dem aufkeimenden Westerwälder Tourismus wurde jäh eine Attraktion entrissen.“

Zur Trauer gehörte auch der Dank, der Heidi und Stefan Acher galt, „die uns mit dir, liebe Alm, ein Ziel und Halt im Leben gegeben haben“. Man dankte für Spaß und das Band der Freundschaft. Das zeige, dass den Menschen die Alm wichtig sei.

Zuletzt sprach Heidi Acher noch kurz zu den Versammelten. Die Gäste hätten zu dem speziellen Ambiente beigetragen, sagte sie. Auch für sie sei das Erscheinen der Trauergemeinde eine Überraschung gewesen. Gänsehaut habe man bekommen. Stefan Acher berichtete, dass man Ende Mai komplett weg sei. Voraussichtlich am Pfingstmontag werden Achers zum letzten Mal die Alm öffnen und ihre Gäste bewirten. Im Laufe des Sommers wollen sie dann den Dorfkrug in Dauersberg eröffnen. Wie es an der Alm weitergeht und unter welchen Voraussetzungen, weiß niemand. Der Wille dazu scheint da, allerdings ist auch die Frage der baulichen Schritte ebenso unklar wie die Frage der Genehmigung.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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