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Rektor Burckhart im SZ-Interview
Die Bürger-Uni wird Realität

Eine Ballung der Universität auf dem Haardter Berg war für Rektor Prof. Dr. Holger Burckhart nur zweite Wahl. Stattdessen kommt die Uni in die Stadt - wie gewünscht.
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  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

ch Siegen. Neue Campus-Standorte in der City, neue Fahrrad- und Fußwege, dazu Grünflächen und ein Verkehrskonzept aus einem Guss, von dem das komplette Oberzentrum profitieren soll – der Umzug der Universität mit zwei weiteren Fakultäten in die Siegener Innenstadt nimmt Formen an. Heute Abend können die Bürger der Krönchenstadt per Zoom-Konferenz über das Mega-Projekt und über die Impulse für Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur und studentisches Leben mit den Akteuren diskutieren. Die SZ sprach vorab mit Rektor Prof. Dr. Holger Burckhart, von Hause aus Philosoph. Ein Gespräch über die Vision der Bürgeruni, die Gebäude für Gebäude Realität wird.

Herr Prof. Dr.

ch Siegen. Neue Campus-Standorte in der City, neue Fahrrad- und Fußwege, dazu Grünflächen und ein Verkehrskonzept aus einem Guss, von dem das komplette Oberzentrum profitieren soll – der Umzug der Universität mit zwei weiteren Fakultäten in die Siegener Innenstadt nimmt Formen an. Heute Abend können die Bürger der Krönchenstadt per Zoom-Konferenz über das Mega-Projekt und über die Impulse für Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur und studentisches Leben mit den Akteuren diskutieren. Die SZ sprach vorab mit Rektor Prof. Dr. Holger Burckhart, von Hause aus Philosoph. Ein Gespräch über die Vision der Bürgeruni, die Gebäude für Gebäude Realität wird.

Herr Prof. Dr. Holger Burckhart, es wird konkret, der Umzug der philosophischen Fakultät und der Fakultät „Bildung Architektur und Künste” ist längst keine Absichtserklärung mehr, sondern wird realisiert. Hatte oder hat die Pandemie da Auswirkungen auf das Projekt Umzug? Kommt es zu Verzögerungen?
Nein. Die Planungen und Fertigstellungen sind im Zeitplan, nur die Nutzung lässt sich auf sich warten. Es wäre schön, wenn sich unser neues Hörsaalzentrum und die Mensa am Unteren Schloss endlich mit Leben füllen würden und wir auch den Bürgern nicht nur online zeigen könnten, was sich am Campus im Herzen der Stadt Siegen getan hat. Dieses Projekt zeigt, dass die Hochschule kein Selbstzweck ist – sie ist für die Gesellschaft, für die Menschen und für die Region da.

Identifikation stärken

Ist das die Kernbotschaft der Zoom-Konferenz am Donnerstag?
Klar. Es ging und geht um die Identifikation der Region mit „ihrer” Universität. So wie die Siegener und die Menschen im Umland schon immer großes Interesse an der Stadt und ihrer Entwicklung gezeigt haben, ist seit 1972 auch das Interesse an der Hochschule und damit auch die Identifikation mit ihr nach und nach gewachsen. Das gilt nicht nur für die Unternehmen, die bei uns ihren Nachwuchs rekrutieren, oder das Lebensumfeld der Beschäftigten der Uni oder den Bürgermeister oder große Teile der Kreis- und Kommunalpolitik, sondern seit dem Regionale-2013-Projekt „Siegen – zu neuen Ufern” bzw. spätestens seit dem Umzug der Fakultät III (Wirtschaftswissenschaften, Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsrecht) auf den Campus „Unteres Schloss” im Jahr 2016 für die Breite der Bevölkerung.

"Das ist bundesweit einmalig"

Der Abriss der Betonplatte über der Sieg als Initialzündung für eine universitäre Innovation außerhalb von Forschung und Lehre?
Genau. Es war NRW-Bauminister Michael Groschek, der uns Akteure 2016 beim großen Stadtfest zum Abschluss des Siegufer-Umbaus und zum Einzug der Uni ins Unteres Schloss dafür gelobt hat, dass die Entwicklungen von Stadt und Uni Hand in Hand gehen. „Das ist bundesweit einmalig”, hat er wortwörtlich gesagt. Dieser Satz hat mich damals vor allem in einem bestätigt: Die Vision vom Umzug der Uni in die Innenstadt ist es wert, in die Realität umgesetzt zu werden. Die zunächst alternativ angedachte Konzentration der kompletten Hochschule auf dem Haardter Berg war für mich von Beginn an nur der zweitbeste Weg. Diese Vision habe ich seit 2013 den Entscheidungsträgern in Düsseldorf und beim Bau- und Liegenschaftsbetrieb als bisherigem Eigentümer der Uni-Gebäude bei jeder Wahl vorgetragen, verteidigt und vorangetrieben.

Und sie waren und sind nach wie vor einig, der Landtag und die Landesregierung stehen hinter uns: Der Umzug ist für die Zukunft von Innenstadt und Uni sinnvoll – und er rechnet sich, weil die Hölderlin- und Paul-Bonatz-Gebäude sowie der Emmy-Noether-Campus alt und bald abgeschrieben sind. Das nennt man, zwei Fliege mit einer Klappe schlagen …

… wann haben Sie den Arm gehoben, um zum Schlag auszuholen?
Eigentlich von Anfang meiner ersten Amtszeit an. Seit 2009 arbeite ich gemeinsam mit vielen anderen daran, die Universität Siegen forschungsstärker, exzellenter und internationaler zu machen. Das ist uns als der kleinsten Universität in NRW schon ganz gut gelungen; beim Drittmittelvolumen und bei den Studierendenzahlen wurden große Fortschritte erzielt, im NRW-weiten Ranking der Deutschen Forschungsgesellschaft liegen wir auf Platz 7, die weltweite Wissenschaftscommunity hat uns auf dem Schirm. Dazu haben wir die Lebenswissenschaften als fünfte Fakultät eingestielt, und forschen in regionalen Projekten vor der eigenen Haustür.

Zugleich war ich von der Bürgeruniversität Köln an die Siegener Hochschule gewechselt, an einen Trabanten draußen vor der Stadt. Den wollen aber weder die Studenten und die Professoren und auch nicht die Bürger. Die Idee der Bürgeruni war also schon im Kopf, sie musste nur ausgebrütet, entwickelt werden. Der Platz am Campus „Unteres Schloss“ z. B. ist daher für mich der zentrale Ausdruck dessen, dass die Universität und die Bürger sich verständigen, in den konkreten Dialog treten. Hier wird gelehrt und gelernt, aber auch bei einer Party gefeiert und der Weihnachtsmarkt ausgerichtet. Von diesen Plätzen werden wir künftig noch mehr haben.

Eingriff in die Stadt

Wie wird dieser Dialog künftig fortgesetzt?
Es bleibt dabei: Es ist ganz wichtig, alle mitzunehmen. Die große Lösung im Herzen der Stadt greift bis zum Jahr 2030 tief in die Stadtentwicklung ein. Denn immerhin entwickelt die Uni gemeinsam mit Investoren Immobilien für 7000 bis 8000 zusätzliche Studenten in der Stadt, dazu 60 bis 80 Professuren und ihren 300 bis 500 Mitarbeitern. Das Mitnehmen geschieht mehrfach. Das Bürgerforum wird fortgesetzt. In regelmäßigen Abständen, alle sechs Monate, laden Bürgermeister und Rektor die Bevölkerung ein. Darüber hinaus sind wir im Internet mit entsprechenden Baufortschritts-Portalen und in den sozialen Medien aktiv. Wir werden live vom Bagger aus berichten.

Eine Ballung der Universität auf dem Haardter Berg war für Rektor Prof. Dr. Holger Burckhart nur zweite Wahl. Stattdessen kommt die Uni in die Stadt - wie gewünscht.
Rekot Prof. Dr. Holger Burckhart.
Autor:

Christian Hoffmann (Redakteur) aus Siegen

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