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Drei Neue, acht Altbekannte
Die Bürgermeister in Siegen-Wittgenstein über ihre Pläne

Jetzt geht's ans Eingemachte: Die Amtszeit der neuen/alten Bürgermeister im Kreis beginnt.
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In Siegen-Wittgensteins Rathäusern nehmen im November nach der Kommunalwahl vor knapp zwei Monaten drei neue und acht altbekannte Bürgermeister Platz auf den Chefsesseln. Die SZ hat mit allen gesprochen.

Die Neuen
Kyrillos Kaioglidis
mir Hilchenbach. Der neue Mann auf dem Bürgermeistersessel im Rathaus Hilchenbach ist wahrlich kein Unbekannter: Kyrillos Kaioglidis, 49 Jahre jung, seit 15 Jahren im Rathaus aktiv. Stadtmarketing, Tourismus und Wirtschaftsförderung hat er in der Zeit beackert. Offenkundig so erfolgreich, dass er die Stichwahl mit knapp 65 Prozent haushoch gewonnen hat. 
Gut möglich, dass sein freundlich-kommunikatives Wesen den weit über 4000 Hilchenbacher Menschen besonders gefallen hat, die ihn gewählt haben.

In Siegen-Wittgensteins Rathäusern nehmen im November nach der Kommunalwahl vor knapp zwei Monaten drei neue und acht altbekannte Bürgermeister Platz auf den Chefsesseln. Die SZ hat mit allen gesprochen.

Die Neuen

Kyrillos Kaioglidis

mir Hilchenbach. Der neue Mann auf dem Bürgermeistersessel im Rathaus Hilchenbach ist wahrlich kein Unbekannter: Kyrillos Kaioglidis, 49 Jahre jung, seit 15 Jahren im Rathaus aktiv. Stadtmarketing, Tourismus und Wirtschaftsförderung hat er in der Zeit beackert. Offenkundig so erfolgreich, dass er die Stichwahl mit knapp 65 Prozent haushoch gewonnen hat. 
Gut möglich, dass sein freundlich-kommunikatives Wesen den weit über 4000 Hilchenbacher Menschen besonders gefallen hat, die ihn gewählt haben. „Kyri“, wie ihn alle nennen, kommt mit jedem Menschen leicht ins Plaudern. Das öffnet Türen. Nicht jedem Zeitgenossen ist dieses Naturtalent gegeben. Auch den SZ-Redakteur empfängt er am Telefon total unbefangen. Zum gestrigen Amtsantritt hat sich der Neue nichts Besonderes gegönnt. Kein neuer Anzug, keine neue Krawatte. „Nur der Parkplatz war plötzlich ein anderer, das hat mich gewundert“, sagt der Chef im Rathaus. Oben angekommen im Bürgermeister-Büro, da haben sie (sein Stellvertreter und das Vorzimmer) ihm einen kleinen Empfang bereitet. Mit Blumen und ein paar netten, wohlgemeinten Sätzen zur Einführung. Und was ist anders als vorher? „Mehr Platz, das muss ich schon sagen, das freut mich.“
Seit der Kommunalwahl am 13. September und der folgenden Stichwahl sind ein paar Wochen ins Land gegangen. Spötter fragten im Netz, ob es den neuen Bürgermeister denn noch gebe. Nein, abgetaucht ist er keineswegs. Er hat die Zeit sinnvoll genutzt: „Ich habe in den letzten Wochen schon die eine oder andere Sache erledigt. Von daher ist das ein total gleitender Übergang von der alten zur neuen Aufgabe.“
Ein Problem hält ihn in Atem, ganz klar, zuvorderst Corona steht auf dem Themenplan von Kyrillos Kaioglidis. Erste Umstrukturierungen habe es gegeben, sagt er. Keine personellen Dinge meint er damit. Aber neue Beschilderungen im Rathaus, nur noch Rücksprachen per Termin. Alles wegen der Pandemie. „Wichtig ist mir auch und besonders die persönliche Fürsorge für das Wohlergehen der Mitarbeiter.“ Wo immer möglich, Homeoffice ist das Maß der Dinge in diesen turbulenten Coronazeiten. „Natürlich ist das Amt des Bürgermeisters etwas sehr Besonderes für mich“, sagt Kyrillos Kaioglidis. Er selbst hinterfragt, ob sich nach 15 Jahren womöglich Routine eingestellt hat. Natürlich gibt es viel zu tun, um Hilchenbach zu einem lebenswerten, nachhaltigen Städtchen auszubauen.
Ob der Rat der kleinen Stadt am 18. November überhaupt erstmals tagen kann? Kaioglidis ist sich nicht sicher: „Wir prüfen noch alles sehr genau. Ich hoffe, die Sitzung wird wohl stattfinden können.“

Hannes Gieseler

sp Wilnsdorf. Mit einem breiten Lächeln öffnet er die Tür zu seinem Büro im Wilnsdorfer Rathaus. Hannes Gieseler wirkt entspannt. Die Aufregung merkt man ihm nicht an, aber sie war vor allem vor Beginn seines Amtsantritts da: „Ich habe mich gefühlt wie ein Kind vor der Einschulung.“
Er sei freundlich und mit einem Blumenstrauß vom Verwaltungsvorstand empfangen worden, sagt der SPDler, der von seiner Partei, den Grünen und BfWuFDP bei der Wahl zum Bürgermeister unterstützt wurde. Um 9 Uhr hat er gestern seinen ersten Tag als Rathauschef begonnen. Eigentlich ist der zweifache Vater Frühaufsteher – vor allem, wenn sein eineinhalbjähriger Sohn die Nacht für beendet erklärt. Dann könnte es sein, dass man Gieseler schon etwas früher am Morgen in seinem Büro antrifft. Verändert hat er den Raum übrigens noch nicht: „Ich habe hier nichts gemacht, nichts personalisiert, außer die Heizung etwas hoch gestellt.“
Apropos personalisiert: In seinem Posteingang liegen bereits über 70 Mails, und auch ein ganzer Stapel persönlich an ihn adressierte Post ist schon im Rathaus angekommen. Das meiste seien Glückwünsche, sagt der 36-Jährige, aber auch das ein oder andere Inhaltliche sei schon dabei gewesen. Jetzt will er aber „erst einmal reinkommen“. Vor dem Beginn seiner Arbeit hat er sich vorbereitet. Er hat Gespräche mit politischen Akteuren und Fraktionen geführt und auch mit Bürgermeisterkollegen, die ihm ein paar Tipps mit auf den Weg geben konnten.
Gieseler wäre gerne von Büro zu Büro gegangen, um alle Mitarbeiter persönlich zu begrüßen, sie kennenzulernen und sich mit ihrer Arbeit vertraut zu machen. In Zeiten von Corona hält er das aber genauso wie ein großes Treffen mit allen für wenig sinnvoll. Stattdessen gibt es eine kurze Videobotschaft. Die Corona-Pandemie prägt auch seinen ersten Arbeitstag. Um 14 Uhr tagt der Krisenstab. Eine Flut von Terminen wird auf den neuen Bürgermeister allerdings nicht zukommen, auch das ist dem Virus geschuldet. Ein bisschen froh darüber ist er, dass es jetzt „keinen großen Ansturm“ gibt. Auch im Rathaus lässt er es vorerst langsam angehen: „Ich will so wenig Unruhe wie möglich ins Haus holen.“ Dass es Veränderungen geben könnte, will er aber nicht völlig ausschließen.
Hannes Giesler war am 13. September mit 5615 Stimmen zum Bürgermeister gewählt worden und löste damit die bisherige Amtsinhaberin Christa Schuppler (parteilos) ab, die von der CDU unterstützt worden war.

Dirk Terlinden

bw Bad Laasphe. Dirk Terlinden muss sich umgewöhnen. Aus dem großen Leverkusener Rathaus wechselt der 52-Jährige in die kleine und durchaus überschaubare Bad Laaspher Stadtverwaltung und ist nun die Nummer 1 statt die Nummer 5 oder 6 in der Hierarchie im Rathaus. Dass alle Augen auf ihn gerichtet sind, weiß der neue Bürgermeister der Lahnstadt jedoch schon aus dem Wahlkampf, wie er verrät. „Aber ich habe mich ja ganz bewusst für diesen Schritt entschieden.“ Für eine Rückkehr in seine alte Heimat.
Der gebürtige Feudinger ist sich somit des Vertrauensvorschusses bewusst, den die Wähler ihm am 13. September gewährt haben. 4361 Laaspher haben ihr Kreuz bei Terlinden gemacht, nur 1827 Bürger gaben ihre Stimme dem bisherigen Rathaus-Chef Dr. Torsten Spillmann. So ruhen die Hoffnungen einer deutlichen Mehrheit der Bad Laaspher darauf, dass der von CDU, FDP und den Grünen nominierte Terlinden für einen deutlichen Politik- und Stilwechsel im Rathaus steht.
Sein erster Arbeitstag („Er war normal anstrengend.“) diente nicht nur dem Kennenlernen und dem Zurechtfinden in den ungewohnten Strukturen einer kleinstädtischen Verwaltung, sondern umfasste für Terlinden direkt eine Besprechung zu der neuen Corona-Schutzverordnung. Da wegen der Pandemie auch keine Außentermine anstanden, verzichtete der neue Bürgermeister auf eine Krawatte. Überhaupt steht der Start ganz im Zeichen der Corona-Beschränkungen.
Auf sein neues Amt hat sich Dirk Terlinden in den vergangenen Wochen vorbereiten können, drei Wochen hatte der bisherige Fachbereichsleiter für Oberbürgermeister, Rat und Bezirke der Stadt Leverkusen noch Urlaub, bevor er sich am Montagmorgen in Bad Laasphe auf dem Chefsessel niederlassen konnte. „Ich habe mich gut darauf einstellen können“, berichtet er und weiß, dass diese Pause wichtig gewesen ist. „Wenn ich freitags noch in Leverkusen im Dienst gewesen wäre und dann montags hier, das wäre sicherlich deutlich schwieriger gewesen.“ Nun gilt es, sich an die neuen Wege zu gewöhnen und sich die neue Handynummer zu merken, nachdem der Diplom-Verwaltungswirt die vergangenen 20 Jahre immer die gleiche dienstliche Nummer hatte.
Mit der Rückkehr in die alte Heimat ist Terlinden künftig übrigens weiter weg von seinem Verein – dem 1. FC Köln. Freilich schaue er sich derzeit keinen Fußball mehr an, weil es ohne Zuschauer im Stadion einfach nicht mehr dasselbe sei: „Das gefällt mir nicht mehr.“ Wie der „Effzeh“ gespielt hat, verfolgt er aber – auch aus der Ferne.

Die Altbekannten

Bernd Fuhrmann

Stadt Bad Berleburg
Partei: parteilos
Alter: 54 Jahre
Wohnort: Bad Berleburg
Vierte Amtszeit
Ziele: Mit allen Einwohnern gut durch die Pandemie kommen; Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie „Meine Heimat 2030“: vorausschauend handeln, Stadt im Sinne folgender Generationen weiterentwickeln.

Christoph Ewers

Gemeinde Burbach
Partei: CDU
Alter: 58 Jahre
Wohnort: Würgendorf
Vierte Amtszeit
Ziele: Investitionen in Bildung, Infrastruktur, Erhaltung und Schaffung von Arbeitsplätzen, Klima- und Umweltschutz und Digitalisierung; Förderung der Gemeinschaft in Familie, im Dorf, in Beruf und Politik.

Henning Gronau

Gemeinde Erndtebrück
Partei: SPD
Alter: 36 Jahre
Wohnort: Erndtebrück
Zweite Amtszeit
Ziele: Schaffung von Wohnraum; Zusammenhalt durch Förderung von Vereinen, Dörfern und Tradition bewahren; Umweltschutz weiter fördern; weitere Stärkung der Feuerwehr muss „selbstverständlich sein“.

Nicole Reschke

Stadt Freudenberg
Partei: SPD
Alter: 41 Jahre
Wohnort: Plittershagen
Zweite Amtszeit
Ziele: Dorf- und Stadtentwicklung fortführen; Ehrenamt stärken; Wohnbauflächen bedarfsgerecht ausweisen; Digitale Infrastruktur der Schulen ausbauen; Radwege anlegen, „vorhandene sicherer machen“.

Walter Kiß

Stadt Kreuztal
Partei: SPD
Alter: 59 Jahre
Wohnort: Ferndorf
Dritte Amtszeit
Ziele: Städtebauliche Entwicklung weiterführen; bezahlbaren Wohnraum schaffen; Klimaschutz (Stärkung Radverkehr und regenerative Energien); Neue Wohn- und Arbeitsformen auf Bender-Areal etablieren.

Paul Wagener

Stadt Netphen
Partei: parteilos
Alter: 58 Jahre
Wohnort: Brauersdorf
Dritte Amtszeit
Ziele: Erschließung und Vermarktung Gewerbegebiet „Im Bruch“; Weiterentwicklung Freizeitpark; Schuldigitalisierung; bedarfsgerechte Ausweisung von Bauland; Weiterentwicklung des Einkaufszentrums.

Dr. Bernhard Baumann

Gemeinde Neunkirchen
Partei: parteilos
Alter: 46 Jahre
Wohnort: Neunkirchen
Dritte Amtszeit
Ziele: Gemeinde weiterentwickeln; Zusammenhalt stärken; Fokus auf soliden Finanzen, Familienfreundlichkeit, starker Wirtschaft; Umbau Ortsmitte; Stärkung der Jugendarbeit Verbesserung der Mobilität.

Steffen Mues

Stadt Siegen
Partei: CDU
Alter: 55 Jahre
Wohnort: Siegen
Dritte Amtszeit
Ziele: Siegen „weiterhin für alle Bevölkerungsgruppen attraktiv“ gestalten („Uni in die Stadt“, Klima- und Naturschutz, Entwicklung zur „Smart City“); Mobilitätsformen nebeneinander stellen – kein „Ranking“.

Autor:

SZ Redaktion aus Siegen

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