Die Einkaufstadt Siegen hat nur eine Zukunft

SZ-Diskussion:

Eine Hochschulrektorin, ein Chefredakteur und ein Sparkassenvorstand zu Altstadt-Alternativen

ch Siegen. Streit- und Fruchtbares gab es gestern Abend in der City-Galerie: Im Rahmen der großen Präsentation, bei der sich die SZ dieser Tage in der Siegener Einkaufsmeile den Besuchern vorstellt, diskutierten Wilfried Groos, Vorstandsmitglied der Sparkasse Siegen, und die Rektorin der heimischen Hochschule – Prof. Dr. Theodora Hantos – über »Die Zukunft der Siegener Oberstadt«, so der Veranstaltungstitel. Auf der Eventbühne im Untergeschoss der City-Galerie entwickelte das Duo unter der Moderation von SZ-Chefredakteur Dr. Eberhard Winterhager Visionen. Das Fazit: Die aktuelle Lage der Oberstadt – Groos: »Der Begriff Altstadt ist angemessener – gründet auf einem veränderten Konsumverhalten der Verbraucher. Und wenn das Stadtviertel zwischen Oberen und Unterem Schloss es schaffe, die Wünsche dieser Verbraucher heute zu ermitteln und umzusetzen, gewinne die Altstadt und damit insgesamt das Oberzentrum Siegen mit seinem Einzugsbereich für etwa 600000 Menschen an Attraktivität massiv hinzu.

Greift also, wie so oft, schlicht und einfach das ökonomische Gesetz von Angebot und Nachrage? Ja und Nein, das wäre zu simpel und Schwarz-Weiß-Malerei auch nicht angebracht, wie Wilfried Groos betonte. Und doch richtete Winterhager gerade an das Sparkassen-Vorstandsmitglied die Frage, ob nicht gerade das Engagement seines Kreditinstitutes mit dem geplanten Sieg-Carré gegenüber dem Siegener Hauptbahnhof in der Unterstadt (die SZ berichtete ausführlich) der Altstadt »Schaden zufüge«? Nein. Die Sparkasse wolle zum einen mit dem geplanten Neubau in erster Linie Fläche für rund 250 Verwaltungsmitarbeiter schaffen, die bisher an anderen Orten außerhalb des großen Kundenzentrums in der Morleystraße untergebracht seien. Und zum anderen »investieren wir in ein Projekt mit städtebaulichen Akzent, das auf das Zusammenspiel von Unter- und Oberstadt keine Auswirkung haben wird«, so Groos.

Die Einkaufstadt Siegen als Einheit müsse auf die veränderten Rahmenbedingungen für die Einzelhandelsbranche reagieren und sich wesentliche Fragen stellen: Wo und wie wird für den großflächigen Einzelhandel die so notwendige Erreichbarkeit gegeben? Wo und wie haben der mittelständische Facheinzelhandel oder auch die Gastronomie eine Chance?

Also doch: Angebot und Nachfrage! Und die passen sich nach Groos Ansicht allmählich an. Die fallenden Mietpreise in Oberstadtlagen – von einst fast 50 e auf aktuell rund 8 e je Quadratmeter Ladenfläche – geben auch neuen und unkonventionellen Einzelhändlern eine Chance. Die Leerstände in der Altstadt wurden laut Gesellschaft für Stadtmarketing um rund 40 Prozent reduziert, 28 neue Geschäfte wurde in den letzten Monaten unterhalb des Krönchens gegründet.

Symbol für notwendiges Umdenken – da waren sich Winterhager und Groos einig – sei die Kerber-Immobilie am Rathausplatz. So drehen sich die derzeitigen Planspiele um kleinflächige, vielfältige Alternativen hinter historischer Fassade. Ob denn nicht die Universitäts-Verwaltung in das repräsentative Gebäude ziehen wolle, fragte der SZ-Chefredakteur Hochschulrektorin Hantos. Der Gedanke gefalle, so die Professorin. Nur: Das Geld fehle.

Auch die Mittel für andere Vorhaben der Campus-Universität, die abseits vom Stadtzentrum auf dem Haardterberg sitzt, sind nicht vorhanden. »Doch die Pläne liegen griffbereit in der Schublade«, sagte Theodora Hantos. Pläne für einen Fachbereich Architektur, der im Unteren Schloss produk- und kreativ sein könnte.

Gedankenskizzen für studentisches Wohnen und Arbeiten, verstreut über die Altstadt, um die so unterschiedlichen Menschen unterschiedlichen Alters miteinander im Alltag in Berührung und ins Gespräch zu bringen. »Stadtteile müssen sich spezialisieren«, davon ist die Universitätsrektorin überzeugt. Jedes Viertel müsse seine Stärken aufbauen und als Ergänzung dem Ganzen zur Verfügung stellen. Denn die Zukunft des Oberzentrums Siegen sei nur als Einheit denkbar. Hantos: »Wir brauchen eine funktionierende Altstadt genauso wie die City-Galerie!«.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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