Die Flöte „tat tuten“

anne Weidenau. Unter dem Motto „Classics – Up To Date (II)“ luden die Musikstudenten der Universität Siegen und ihre Gäste am Donnerstagabend zum Konzert in den Musiksaal ein. Aber eigentlich war es ja gar kein Konzert, wie Prof. Martin Herchenröder augenzwinkernd richtigstellte, sondern eine „universitäre Lehrveranstaltung mit konzertantem Beigeschmack“. Denn an diesem Abend wurden Werke präsentiert, die Studenten im Arrangement-Seminar umgeschrieben hatten. Heraus kamen so manche zum Schmunzeln bringende Interpretationen, aber auch interessante Instrumentierungen, die mal für musikalischen Witz sorgten und mal einem Werk einen ganz neuen Charakter verliehen.

Mit dem „Fluch des Siegerlandes in drei Sätzen“ (Christian Becher, Martin Hommer, Philipp Weber, Johannes Weisgerber) wurde der musikalische Abend im mehr als voll besetzen Saal eröffnet. Die Bearbeitung der bekannten Filmmusik zu „Fluch der Karibik“ (Klaus Badelt) spielte reizvoll mit Rhythmen und Stilen, da gab es sogar „fast eine richtige Fuge“ im Mittelteil. Vom Film ging es zur Oper mit einem Arrangement des Jägerchores aus dem „Freischütz“. Der charmante „Jägerwalzer“ von Maren Schäfer, Miriam Wiegelmann und Katharina Rygus schuf einen Hauch von Salonatmosphäre.

Schmunzeln durfte man dann beim nächsten Titel, den „Schmer(zen)“ (Rena Nothnagel, Johanna Weber), einer Anlehnung an Richard Wagners Wesendonck-Lieder. Statt Singstimme übernahmen Violine, Klarinette, Akkordeon und Cello die Interpretation des melancholisch-schönen Textes. Andersherum verhielt es sich bei dem Arrangement von Felix Mendelssohn Bartholdys „Duett ohne Worte“. Die Studenten Tabea Goerke, Sara Bulle-Beimdieke und Anne Fritzen hatten ihrem „Duett mit Worten“ kurzerhand Heinz Erhardts Gedicht „Der Fischer“, nun eine Anlehnung an Goethe, unterlegt. Köstlich war diese Kombination aus ernster Musik und heiterem Text. Die Flöte „tat tuten“, und auch falsche Töne „pfoffen“ eindringlich. Das Schmunzeln ging aber auch bei den „Holy Halls“, einer Bearbeitung von Mozarts Arie „In diesen heiligen Hallen“ aus der „Zauberflöte“, weiter. Claudius Brenner und Christoph Lorber verliehen der Arie einen ganz neuartigen Groove. Und das Beatles-Arrangement „I’ll Follow The Sun For Jazz Combo“ von Ferdinand Schuch, Florian Schuch, Viktoria Büscher und Juliane Willius bekam gleichfalls einen neuen, mitreißenden Jazz-Charakter.

Etwas aus dem Rahmen fiel die Komposition „Quintessenz“ von Daniel Ochoa Valdez. Der mexikanische Gaststudent hat ein Werk geschaffen, das Prof. Martin Herchenröder als „Zwölftontechnik mit einem gewissen mexikanischen Drive“ beschrieb. Viele immer wiederkehrende Motive und der feurige Klang der Musik faszinierten die Zuhörer.

Im zweiten Teil des Konzerts ging es mit größeren Besetzungen weiter. Ganz praxisnah hatten die Musikstudenten und zukünftigen Lehrer Stücke für das Schulorchester des „Evaus“ (Leitung: Christian Löbbecke) geschrieben. Thema waren hier weihnachtliche Orgelwerke. Und so kam mit den Bearbeitungen von „In dulci jubilo“ (Anne Buckstegge, Carina Klein) und „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ (Anna Heidrich, Melanie Lerchenstein) schon ein bisschen Weihnachtsstimmung in der Uni auf. Und auch das „Andante religioso“ aus der Sonate für Orgel B-Dur von Felix Mendelssohn Bartholdy, arrangiert von Christian Seiffarth und Jan Philipp Peters, war festlich.Dass eine andere Instrumentierung die Wirkung eines Stückes auf interessante Weise verändern kann, zeigte Christian Kossens Arrangement des Prélude cis-Moll von Sergej Rachmaninoff. Statt Klavier gab es hier ein Bläserensemble zu hören, und so veränderten sich Klang, Dynamik und Ausdruck zu einer ganz eigenen, anregenden Interpretation. Für einen wahren „Knaller“ zum Abschluss sorgte dann der Konzertmarsch „Morgenrot“. Sebastian Bätzing und Frederik Linn hatten das Lied aus der Arbeiterbewegung für ein Blasorchester umgeschrieben und sorgten mit dem Werk für lautstarke Blasmusik nicht ohne musikalischen Witz.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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