Die heitere Königin

ars Siegen. Den Freunden der Orgel gilt sie als Königin unter den Instrumenten; meistens gravitätisch und hoheitsvoll in der Kirche zu hören, entlockten ihr drei junge Organisten in St. Michael Siegen heitere, burschikose und übermütige Töne – passend zur närrischen Jahreszeit. Insgesamt 18 Werke und Werkchen von 14 verschiedenen Komponisten, wobei die Spanne von Claude Debussy bis zu Disney-Filmmusiken reichte, wurden einzig durch den Spaß an der Freude zusammengehalten, einmal den Ernst abzuschütteln.

Gabriel Isenberg, Bianca Behle und Markus Häuser wechselten sich an der Orgel ab, fanden den launigen Ton und bekamen nach jedem Stück verdientermaßen Applaus. Lustvoll wurden groteske Klänge herausgearbeitet, die Orgel brummte und ächzte, agierte als Flötenuhr und produzierte Kirmesmusik und Walzerseligkeit.

Nicht eigentlich heiter, aber heidnisch-vital und beeindruckend erklangen „Der Zug der Trolle“ und „In der Halle des Bergkönigs“ von Edvard Grieg. Die Bearbeitung für die Orgel trieb plastisch das Ungestüme und Wilde hervor, wirkte wie eine Originalversion, was nicht von allen erklungenen Bearbeitungen gesagt werden kann. Wilfried Hillers „Die zerstreute Brillenschlange“ auf einen Text von Michael Ende machte als szenische Aufführung mit einem orientalisch gewandeten Erzähler (Wolfgang Wagener), einer als Schlangenbeschwörerin kostümierten Klarinettistin (Mareike Häuser) und Markus Häuser am Harmonium mit lang gezogenen Liegetönen den stärksten und nachhaltigsten Eindruck.

Die zerstreute Giftnatter mit den gravierenden Sehproblemen schnappte sich den eigenen Schwanz und würgte sich selbst herunter, bis zum bitteren Ende, bis es dunkel wurde. Die Klarinette wurde Stück um Stück kleiner, bis Mareike Häuser nur noch auf dem Mundstück blies und die letzten Töne erstarben. War das komisch, war das heiter? Wer oder was frisst und zerlegt sich selbst? Schauen wir nur zu oder sind wir auch beteiligt? Wie bei den Rosenmontagszügen manch ein Motivwagen zum gar nicht närrischen Nachdenken anregt, fehlte auch dem schönen Konzert an der diesmal heiteren Königin nicht der Tiefgang.

Nach diesem vierten Konzert unter dem Motto „Die heitere Königin“ bleibt nur zu hoffen und zu wünschen, dass es im nächsten Jahr zu einem fünften kommen wird.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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