Die Katzenplage vom Krängel

 Norbert Klaes hat sich um das Problem gekümmert – Unterstützung kam vor allem von Kerstin Löbnitz vom Tierschutzverein Karibu. Und auch Horst Reimann weiß, wie man mit einer Katzenfalle umgeht. Foto: damo  Suchbild: Wie viele Katzen haben sich auf diesem Bild versteckt? Viel zu viele, lautet die Antwort der Anlieger vom Krängel in Friesenhagen. Sie hatten zuletzt mit einer regelrechten Katzenplage zu kämpfen. Foto: privat
  • Norbert Klaes hat sich um das Problem gekümmert – Unterstützung kam vor allem von Kerstin Löbnitz vom Tierschutzverein Karibu. Und auch Horst Reimann weiß, wie man mit einer Katzenfalle umgeht. Foto: damo Suchbild: Wie viele Katzen haben sich auf diesem Bild versteckt? Viel zu viele, lautet die Antwort der Anlieger vom Krängel in Friesenhagen. Sie hatten zuletzt mit einer regelrechten Katzenplage zu kämpfen. Foto: privat
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damo - Katzen, Katzen, überall Katzen, auf den Autos, in den Vorgärten, auf der Straße, nichts als Katzen: Was sich in den letzten Monaten im Krängel in Friesenhagen abgespielt hat, erinnert ein bisschen an Goethes Zauberlehrling: „Herr, die Not ist groß! Die ich rief, die Geister werd ich nun nicht los.“ Denn das Problem war hausgemacht. Nur dass am Krängel kein Zauberspruch wirkte, sondern handelsübliches Katzenfutter. Damit jedenfalls hat das Übel begonnen.

Einer der Anwohner, ein Halter von drei Hauskatzen (die Namen der Nachbarn sind der Redaktion bekannt), hatte angefangen, die Futterreste vors Haus zu stellen: „Warum sollte ich das wegschmeißen?“ Es kam, wie es kommen musste: Aus einer streunenden Katze wurden zwei, dann drei, dann ganz, ganz viele. „Das geht sehr schnell“, erklärt Kerstin Löbnitz vom Tierschutzverein Karibu. „Verwilderte Katzen gibt’s überall, und wenn man ihnen Futter hinstellt, kommen sie wieder. Und sie kommen nicht alleine.“ Damit nicht genug: Die Katzen haben sich munter fortgepflanzt, und so dauerte es nicht lange, bis sie in der Friesenhagener Wohnstraße das Kommando übernommen haben.

Und zwar mit allen unangenehmen Begleiterscheinungen: „Letztes Jahr liefen bis zu 30 Katzen um unsere Häuser herum. Überall war stinkender Katzenkot, wirklich ekelhaft“, sagt ein Nachbar des Katzenfütterers. In der Einfahrt, vor der Garage, vor der Haustür – überall hatten die Katzen ihre Spuren hinterlassen. „Es war unerträglich, man wollte gar nicht mehr raus in den Garten gehen.“

Natürlich haben er und einige weitere Nachbarn den Katzenfütterer zur Rede gestellt – aber erfolglos: „Der hat einfach weitergemacht.“ Früher sei man befreundet gewesen, aber davon sei nichts geblieben. Zu groß sei der Frust gewesen.

Der wurde nicht kleiner, als der verärgerte Nachbar bemerkte, dass von den Behörden keine Hilfe zu erwarten war. „Ich habe beim Veterinäramt in Altenkirchen und beim Kirchener Ordnungsamt angerufen – aber keiner war zuständig. Das war zum Verzweifeln. Wir Nachbarn waren alle mit dem Nerven am Ende“, ärgert er sich im Gespräch mit der SZ.

Dieses Problem ist auch Horst Reimann bekannt. Er ist nicht nur Beigeordneter der Ortsgemeinde, sondern auch Vorsitzender des Tierschutzvereins Siegen, und so kennt er die rechtlichen Rahmenbedingungen genau: „Da fehlt eine klare Regelung“, meint er, „niemand ist zuständig“. Und das Hauptproblem sei nicht einmal das Füttern: „Das ist natürlich falsch verstandene Tierliebe. Aber man könnte verhindern, dass eine Geschichte wie diese hier so eine Dramatik annimmt: indem man dafür sorgt, dass die Katzen kastriert werden.“ Allerdings: Dieser tierärztliche Eingriff kostet Geld – und für das Bezahlen ist nach den Buchstaben des Gesetzes auch keine Behörde zuständig.

Auch nicht die Ortsgemeinde – die sich aber dennoch der Katzenplage annahm. Als er auf die Probleme angesprochen wurde, hat sich Ortsbürgermeister Norbert Klaes erst einmal schlau gemacht: „Rein rechtlich ist es so, dass der, der die Tiere füttert, zum Besitzer wird. Und dann könnten die Nachbarn mit einer Privatklage gegen ihn vorgehen. Aber mir war klar: Das kann nicht die Lösung sein.“ Denn eine Klage wäre teuer geworden – und sie hätte vor allem Zeit in Anspruch genommen. „Bis dahin wären es 100 Katzen gewesen“, sagt Reimann. Also handelte Klaes selbst, telefonierte mit Ämtern und Tierschutzvereinen – und bekam Unterstützung vom Ordnungsamt und schließlich auch noch vom Verein Karibu. „Und das hat wirklich geholfen“, sagt der Ortsbürgermeister. Denn Kerstin Löbnitz sprang in die Bresche – obwohl der Verein eigentlich nur im Unterkreis aktiv ist.

Aber sie kam nach Friesenhagen, und sie hatte etliche Katzenfallen im Kofferraum. Und die funktionierten perfekt: Binnen eines Tages waren 17 Katzen in die Falle gegangen; insgesamt wurden knapp 30 Stück erwischt. Sie alle nahm Kerstin Löbnitz mit ins Tierheim des Vereins in Breitscheidt, wo der Tierarzt den OP schon geblockt hatte, um im Akkord Katzen zu kastrieren. Klaes klapperte in der Zwischenzeit die Bauernhöfe im Wildenburger Land ab. Denn im Tierheim konnten die Katzen nicht lange bleiben. „Die gingen die Wände rauf und runter“, berichtet Löbnitz: „Die Tiere sind einfach wild. Deshalb konnten wir sie auch nicht vermitteln: Die beißen und kratzen.“

In dieser Woche brachte Löbnitz die letzten beiden Katzen nach Friesenhagen; damit hat Klaes für die Hälfte der Tiere eine neue Bleibe auf den Gehöften im Wildenburger Land gefunden. Den Rest hat der Verein Karibu in seinem Umfeld vermittelt. Unter anderem nach Horhausen, also auf die ganz andere Seite des Landkreises. Das hören die Anlieger am Krängel gerne: „Horhausen? Das ist schön, denn das ist weit weg.“

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