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Corona sorgt für mehr Abfall
"Die Müllabfuhr kommt"

Nach Angaben des Kreises Siegen-Wittgenstein und der Entsorgungsunternehmen gibt es bislang keine Probleme bei der regelmäßigen Abfuhr des Mülls.
  • Nach Angaben des Kreises Siegen-Wittgenstein und der Entsorgungsunternehmen gibt es bislang keine Probleme bei der regelmäßigen Abfuhr des Mülls.
  • Foto: AWG Wuppertal
  • hochgeladen von Sarah Panthel (Redakteurin)

sp Siegen/Bad Berleburg. Er gehört zur kritischen Infrastruktur: der Müll-Sektor. Auch in der Corona-Krise soll gewährleistet werden, dass Abfall und Wertstoffe weiterhin abgeholt, entsorgt bzw. wiederverwertet werden – und die Menge nimmt derzeit zu. Das zumindest stellt Klaus Remm, Betriebsleiter des Olper Entsorgungszentrums, fest. In dem Kompostwerk des Unternehmens landet der Biomüll, damit er zu Kompost umgewandelt werden kann. Etwa 30.000 Tonnen Grünabfälle, Essensreste und Co. sind es aus dem Kreis Siegen-Wittgenstein pro Jahr. Und weil die Menschen im Moment mehr Zeit hätten und zu Hause seien, falle auch mehr Abfall an, sagt Remm: „Die Leute fangen an aufzuräumen oder gehen in den Garten. Das schöne Wetter kommt noch hinzu.

sp Siegen/Bad Berleburg. Er gehört zur kritischen Infrastruktur: der Müll-Sektor. Auch in der Corona-Krise soll gewährleistet werden, dass Abfall und Wertstoffe weiterhin abgeholt, entsorgt bzw. wiederverwertet werden – und die Menge nimmt derzeit zu. Das zumindest stellt Klaus Remm, Betriebsleiter des Olper Entsorgungszentrums, fest. In dem Kompostwerk des Unternehmens landet der Biomüll, damit er zu Kompost umgewandelt werden kann. Etwa 30.000 Tonnen Grünabfälle, Essensreste und Co. sind es aus dem Kreis Siegen-Wittgenstein pro Jahr. Und weil die Menschen im Moment mehr Zeit hätten und zu Hause seien, falle auch mehr Abfall an, sagt Remm: „Die Leute fangen an aufzuräumen oder gehen in den Garten. Das schöne Wetter kommt noch hinzu.“

Müllnotstand wäre der schlimmste Fall

Der Betriebsleiter betont, dass das Entsorgungszentrum weiterlaufen müsse, eben weil es zur systemrelevanten Infrastruktur gehöre: „Wir dürfen nicht zumachen, folglich haben wir uns zu organisieren.“ Wenn der Biomüll nicht abgeholt und entsorgt würde, dann könne es im schlimmsten Fall zum Müllnotstand kommen. Das wolle der Gesetzgeber mit dem Sonderstatus verhindern. Remm erklärt, dass verschiedenste Vorsichtsmaßnahmen gegen das Coronavirus getroffen worden seien. Im Notfall könne es passieren, dass nur noch der kommunale Abfall angeliefert werden dürfe. Die Tore für Garten- und Landschaftsbauer oder für private Kunden müssten dann geschlossen werden. Man wolle den normalen Betrieb aufrecht erhalten, solange es geht, sagt Remm.

Zutritt zu Deponien beschränkt

Auch das Kreisumweltamt in Siegen-Wittgenstein sorgt vor. Zum Schutz der Mitarbeiter ist der Zutritt zurzeit zu den beiden Deponien in Siegen (Fludersbach) und Herzhausen (Winterbach) stark beschränkt, sagt der zuständige Dezernent Arno Wied. Auf den Deponien wird der von den Städten und Kommunen eingesammelte Restmüll (42 000 Tonnen im Jahr), Biomüll (29 000 Tonnen im Jahr) sowie Sperrmüll (10 000 Tonnen im Jahr), umgeladen. Mit großen Fahrzeugen und Containern geht es eben nach Olpe zum Biomüllkompostwerk oder in die Verbrennungsanlage nach Wuppertal oder Herten.

Drei Schwachstellen könne es in diesem sensiblen System geben, so Wied. „Davon sind wir noch ganz weit weg“, aber es könnte starke Verzögerungen beim Einsammeln des Rest- oder Bioabfalls in den Haushalten geben – um diese Situation im Notfall aufzufangen, werde der Sperrmüll vorerst bis zum 30. April nicht mehr geholt (die SZ berichtete).

"Größere Einschränkungen" nicht in Sicht

Das Kreisumweltamt hatte mitgeteilt, dass es bei den Dienstleistungsunternehmen, die sich im Auftrag von Kreis und Kommunen um die Sammlung, Anlieferung und auch das Umladen des Mülls auf den Deponien kümmerten, personelle Engpässe gebe. Für die anderen Müllarten gebe es aber genug Kapazitäten. „Dass es da zu größeren Einschränkungen kommt, sehen wir nicht“, betont Wied.

Die zweite Schwachstelle könnten die Transporte von den Deponien zum Kompostwerk bzw. den Müllverbrennungsanlagen sein. Hier könnte es Einschränkungen geben. „Wir versuchen, nach und nach einen Puffer aufzubauen“, erklärt der Dezernent. Der Müll könne dann etwas länger als sonst auf den Deponien bleiben. Und die dritte Schwachstelle seien die Müllverbrennungsanlagen selbst. Es wäre allerdings eine große technische Herausforderung, die Systeme dort abzuschalten, denn sie seien im Dauereinsatz.

Heimischer Müll ins Heizkraftwerk Wuppertal

Ein Teil des Abfalls wird also aus den Haushalten in Siegen-Wittgenstein zum Müllheizkraftwerk in Wuppertal gefahren. Die durch die Verbrennung des Mülls, im Durchschnitt sind es etwa 440.000 Tonnen im Jahr, gewonnene Energie dient der Strom- und Wärmeversorgung in Wuppertal. Das Werk läuft 24 Stunden, jeden Tag. „Mit allen Mitteln werden Vorkehrungen getroffen, damit sich das Personal nicht ansteckt“, sagt Andreas Spiegelhauer, Pressesprecher der AWG Abfallwirtschaftsgesellschaft mbH Wuppertal. Im Moment sei der Betrieb sichergestellt, heißt es auch hier.

Das Unternehmen Remondis, das den „Müll“ recycelt, hat ebenfalls Maßnahmen ergriffen, um Mitarbeiter vor dem Coronavirus zu schützen. Der Dienstleister hat seit dem 1. April den Zuschlag für 6000 Tonnen Papier, Pappe und Kartonagen (kurz PPK) im Kreis Siegen-Wittgenstein. Auf einem Umschlagsplatz der Firma Suez wird das Altpapier zwischengelagert. Von dort geht es zur Verwertung in eine Papierfabrik in Arnsberg. Remondis-Sprecher Michael Schneider sagt, dass es aus aktuellem Anlass zu Einschränkungen oder Verzögerungen kommen könnte, aber er versichert: „Die Müllabfuhr kommt.“

Im Bedarfsfall helfen weitere Standorte aus

Das Unternehmen Suez ist im Kreis Siegen-Wittgenstein im Auftrag der dualen Systeme für die Sammlung von Glas und Leichtverpackungen (gelbe Säcke bzw. Tonne) und darüber hinaus für die kommunale Abfuhr in einigen Städten und Gemeinden des Kreises zuständig sowie für die PPK-Abfuhr in der Stadt Siegen. In Niederschelden betreibt das Unternehmen eine Betriebsstätte mit Fahrzeugen und Personal sowie einen Wertstoffhof, der aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus auf unbestimmte Zeit geschlossen bleibt.

Aktuell gebe es aber keine Ausfälle bei der Abfuhr. „Wir können unseren Aufträgen nach wie vor nachkommen“, heißt es. Suez habe unter anderem einen mehrstufigen Maßnahmeplan erstellt. „Sollte sich die Situation weiter zuspitzen, was aktuell niemand komplett ausschließen kann, können wir im Bedarfsfall auf Ressourcen naheliegender Suez-Standorte zurückgreifen“, so das Unternehmen.

1,2 Millionen Leerungen im Jahr

Fast täglich werden in den Gemeinden und Städten des Kreises Mülltonnen geleert – in der Stadt Siegen beispielsweise sind es rund 1,2 Mill. pro Jahr-, zahlreiche Müllwerker sind im Einsatz. Im Bereich der Abfallentsorgung sind in Siegen 35 Mitarbeiter beschäftigt. Um die Rest- und Bioabfallsammlung sicherzustellen, werden 21 Mitarbeiter benötigt. In Zeiten von Corona kein allzu großer Personalpuffer.

Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

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