„Die Rache ist eine Krankheit“

 Die Tätowierungen am ganzen Körper konnten nicht davon ablenken, dass der Anti- Gewalt-Trainer The Scary Guy heute tatsächlich ein netter Kerl ist. Foto: Björn Weyand
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bw - Harte Schale, weicher Kern! Nie war dieser Spruch treffender als im Falle von The Scary Guy, der vor einigen Tagen bereits am Siegener Berufskolleg zu Gast gewesen war (s. gesonderten Bericht mit Video). In sich gekehrt, ruhig und entspannt saß der US-Amerikaner am Donnerstagmorgen hinter der Bühne im Berleburger Bürgerhaus, während sich im Saal rund 250 Schüler einen Platz suchten. Wie die Jugendlichen hier sind, wollte The Scary Guy im kurzen Plausch vor dem Beginn seiner Show wissen. In Ordnung, lautete die Antwort. The Scary Guy hakte aber noch nach: Ob vielleicht Mörder unter ihnen seien? „Nein, wir sind hier doch nicht in Chicago.“ Vielleicht nicht, aber Chicago, das machte der Mann mit seinen Tätowierungen am ganzen Körper gleich deutlich, Chicago sei letztlich überall.

Mucksmäuschenstill waren die Schüler, als The Scary Guy in den Saal des Bürgerhauses kam. Zuvor hatten sie in einem Video zu lauter Musik schockierende Bilder gesehen und Schlagzeilen über Gewalttaten und Selbstmorde durch Mobbing gelesen. Zwischendurch sprach The Scary Guy, der auch ganz offiziell so heißt, seitdem er seinen alten Namen Earl Kenneth Kaufmann abgelegt hat. In den USA ist so etwas möglich. Und offenbar ist dort nichts unmöglich – auch nicht, dass Jugendliche mit Waffen hantieren, andere Jungen und Mädchen töten oder sie in den Selbstmord treiben, wie es in den Schlagzeilen zu lesen ist. Was in den USA allzu oft geschieht, ist indes auch in Deutschland schon passiert. Chicago ist eben überall. „Someone always hates someone“ dröhnte es aus den Lautsprechern – etwas freier übersetzt: Hass ist allgegenwärtig.

Und Earl Kenneth Kaufmann war selbst nicht frei von Hass: Die ersten 43 Jahre seines Lebens habe er damit verbracht, andere Menschen niederzumachen und sie zu beleidigen, erzählte The Scary Guy. Als aber ein Konkurrent des Tätowierers eine ganzseitige Anzeige in der Zeitung schaltete, die ihn als schlechten Menschen darstellte, änderte sich sein Leben von Grund auf. Zunächst habe er noch darüber nachgedacht, dessen Hund zu überfahren. „Die Rache ist aber eine Krankheit auf diesem Planeten“, erkannte der Motivationstrainer.

Sein Leben habe sich verändert, er stellte sich einer Sieben-Tage-Herausforderung: So lange wollte er keinen anderen Menschen mehr beleidigen und mit Worten verletzen. „Ist es möglich, nicht gemein und garstig zu werden? Ist es möglich, einfach den Mund zu halten, wenn Du beleidigt wirst?“ Diese Fragen habe er sich gestellt und er stellte sie auch den Schülern von der Realschule und von der Rothaarsteig-Schule Erndtebrück, von der Städtischen Realschule Bad Berleburg und vom Gymnasium Schmallenberg. „Hier werdet ihr heute wachgerüttelt“, meinte The Scary Guy.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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