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Coronavirus-Epidemie: Heimische Wirtschaft hat enge Verbindungen nach China
Die Sorge treibt die Unternehmen um

Ausgesprochen ernst wird die Problematik des Coronavirus bei der SMS group mit Stammsitz in Dahlbruch genommen.
  • Ausgesprochen ernst wird die Problematik des Coronavirus bei der SMS group mit Stammsitz in Dahlbruch genommen.
  • Foto: Christian Schwermer (Archiv)
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cs/hobö/ihm/js/sos/tile/vö Siegen/Olpe. Ganz erhebliche Auswirkungen hat die Coronavirus-Epidemie in China auf die Geschäfte der Heinrich Georg Maschinenfabrik GmbH mit Sitz in Buschhütten. Bernd Josef Leistenschneider, der General Manager von Georg in China, berichtete der SZ von drei Projekten, die man in der Nähe von Wuhan vorantreibe. Die Anlagen liegen in den Städten Zhengzhou, Xi’an und Nanyang, am Rande des Sperrgebiets rund um Wuhan, aber nicht im Sperrgebiet selbst. In Zhengzhou hat Georg eine Roboteranlage zur Bearbeitung von Blechen gebaut. Sie stehe unmittelbar vor der Inbetriebnahme. Diese verzögere sich nun – wie lange, sei nicht zu sagen. Die chinesischen Mitarbeiter und Angestellte aus Taiwan könnten derzeit nicht in die Region reisen.

cs/hobö/ihm/js/sos/tile/vö Siegen/Olpe. Ganz erhebliche Auswirkungen hat die Coronavirus-Epidemie in China auf die Geschäfte der Heinrich Georg Maschinenfabrik GmbH mit Sitz in Buschhütten. Bernd Josef Leistenschneider, der General Manager von Georg in China, berichtete der SZ von drei Projekten, die man in der Nähe von Wuhan vorantreibe. Die Anlagen liegen in den Städten Zhengzhou, Xi’an und Nanyang, am Rande des Sperrgebiets rund um Wuhan, aber nicht im Sperrgebiet selbst. In Zhengzhou hat Georg eine Roboteranlage zur Bearbeitung von Blechen gebaut. Sie stehe unmittelbar vor der Inbetriebnahme. Diese verzögere sich nun – wie lange, sei nicht zu sagen. Die chinesischen Mitarbeiter und Angestellte aus Taiwan könnten derzeit nicht in die Region reisen.
Nicht reisen kann auch der Manager selbst. Er ist wegen der Ferien zum Neujahrsfest am 23. Januar von seinem Wohnsitz Peking nach Frankfurt geflogen, um am 2. Februar wieder zurückzukehren. Das werde wohl nicht möglich sein, sagte Leistenschneider. Er lebt mit Ehefrau und Kind in Peking und in Frankfurt. Man habe der Familie schon mitgeteilt, dass die deutsche Schule in Peking vorerst geschlossen bleibe. Leistenschneider: „Wie lange, wissen wir nicht. Wenn da eine Welle von Erkrankungen durchs Land rollte, werden wir das erst in zwei bis drei Wochen wissen.“ Damit spielte er auf die zweiwöchige Inkubationszeit für das Coronavirus an.
Die Firma Georg hat in China 30 Mitarbeiter beschäftigt – allerdings alles Einheimische. Bernd Josef Leistenschneider ist der einzige Mitarbeiter des Unternehmens, der dauerhaft aus Deutschland vor Ort ist. Projektbezogen reisen dann Monteure aus Deutschland nach China, wenn es notwendig ist. „Es stehen in den kommenden Wochen ganz, ganz wichtige Meetings an“, berichtete Leistenschneider über die Planungen. „Da geht es um millionenschwere Aufträge.“ Es sei ganz bitter, dass die Verhandlungen nun in Frage stünden.

SMS nimmt die Problematik äußerst ernst

Ausgesprochen ernst wird die Problematik des Coronavirus bei der SMS group mit Stammsitz in Dahlbruch beobachtet. Die betroffene chinesische Region Wuhan sei für den Anlagenbauer wichtig, der dort eine Gesellschaft betreibe, berichtete Unternehmenssprecher Thilo Sagermann. Wegen der Neujahrsferien sei diese zwar nicht geöffnet, zurzeit seien aber auch drei Mitarbeiter aus Deutschland vor Ort. Momentan werde daher geprüft, ob diese Kollegen über das Auswärtige Amt in die Heimat zurückgeführt werden könnten.
An alle Mitarbeiter weltweit seien Hygienevorschriften herausgegeben worden. Die SMS group orientiere sich an den Empfehlungen von Weltgesundheitsorganisation und Robert-Koch-Institut. Zudem habe das Unternehmen eine weltweite Arbeitsgruppe zusammengetrommelt, die sich täglich über die aktuelle Lage austausche und die Nachrichtenlage im Blick habe. „Wir haben alles in die Wege geleitet, was notwendig ist“, so Thilo Sagermann. Das Interesse am Wohl der Mitarbeiter sei extrem groß, habe daher besondere Priorität.

Zurückhaltung in Freudenberg

Die Albrecht Bäumer GmbH & Co. AG aus Freudenberg äußerte sich zurückhaltend zur Thematik. Das Thema sei natürlich bekannt, besondere Maßnahmen habe man aber gegenwärtig noch nicht ergriffen, teilte eine Sprecherin kurz und knapp mit. Der Hersteller von Anlagen, Maschinen und Software zum Schneiden sowie Bearbeiten von Schaumstoffen unterhält laut Angaben auf der Unternehmenshomepage seit dem Jahr 2009 die Tochtergesellschaft Bäumer of Shanghai Machine Trading Co. Ltd.
Ähnliches ließ die Klein Anlagenbau AG mit Sitz in der Oberen Hommeswiese verlauten. Zwar unterhalte man eine Partnergesellschaft im Reich der Mitte, eigene Mitarbeiter befänden sich aktuell jedoch nicht in China. Für die nähere Zukunft sei ein Besuch der chinesischen Kollegen in Freudenberg geplant gewesen, dieses Vorhaben liege nun erst einmal auf Eis.

"Warten die Weiterentwicklung ab"

Die Gräbener Maschinentechnik GmbH & Co. KG in Werthenbach nimmt das Thema sehr ernst und beobachtet die aktuellen Entwicklungen laufend, so Sabrina Rohde, Unternehmenskommunikation. „In der Region Wuhan haben wir aktuell zwar keinerlei laufende Projekte, dennoch reisen unsere Mitarbeiter regelmäßig nach China, vornehmlich in die Region rund um Shanghai“, heißt es weiter. So seien Anfang Januar noch zwei der Mitarbeiter nach Shanghai geflogen. „Nachdem bekannt wurde, wie brisant das Thema ist, haben wir deren Aufenthalt in der vergangenen Woche jedoch umgehend unterbrochen.“
Alle weiteren geplanten Reisen nach China habe das Unternehmen inzwischen storniert. „Wir warten aktuell die Weiterentwicklung ab und werden die Reisetätigkeit erst dann wieder aufnehmen, sobald Klarheit herrscht und keine direkte Gefahr mehr droht“, so Rohde abschließend.
Auch die Siegenia-Aubi KG mit Hauptsitz in Niederdielfen hat alle Reiseaktivitäten nach und aus China vorerst bis Ende Februar gestoppt. Laut CEO Bernd Peter Dahmen gebe es intern ein „absolutes Reiseverbot“. Man „agiere auf Sicht“, d. h. man beobachte die Situation ganz genau, wenn nötig würde das Reiseverbot verlängert. Grundsätzlich würden bei Siegenia die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes vor jeder Mitarbeiterreise aktualisiert.
Die letzte „Handvoll Mitarbeiter“ der deutschen Standorte sei Anfang vergangener Woche aus China zurückgekehrt. Ob auch jemand aus dem Kreisgebiet unter ihnen war, wollte Dahmen nicht kommentieren. Die Mitarbeiter seien zu keinem Zeitpunkt in der betroffenen Region gewesen, sondern im Werk des Unternehmens im Norden Chinas nahe Peking, über 1000 Kilometer von Wuhan entfernt. Dort arbeiteten 250 einheimische Mitarbeiter. Derzeit sei die Arbeit wegen den Neujahrsfeierlichkeiten ohnehin eingestellt, sodass es aktuell noch keine Auswirkungen auf die Produktion gebe. Die Werksferien seien vorsorglich vom 31. Januar bis zum 10. Februar verlängert worden.
Sollten sich in den nächsten Tagen bei einem der China-Rückkehrer Symptome zeigen, laute die dringende Empfehlung des Unternehmens, sich ärztlich untersuchen zu lassen.

Keine Stellungnahme von Bombardier

Deutlich zurückhaltender ist die Bombardier Transportation GmbH in Dreis-Tiefenbach: Das Unternehmen wollte bezüglich des Coronavirus keine Aussagen treffen.
Die Achenbach Buschhütten GmbH & Co. KG hat derzeit keine Projekte in der Region im Nahbereich rund um Wuhan, Dr. Gabriele Barten versicherte, man nehme die Fürsorgepflicht für alle Mitarbeiter sehr ernst. Deshalb habe man sämtliche Reisen nach China verschoben. Derzeit befänden sich keine Achenbach-Mitarbeiter aus Deutschland in China. Das Service-Unternehmen in Taicang (bei Shanghai) sei geschlossen – die Neujahrsferien habe man verlängert.
In der Provinz Hubei, in der Wuhan liegt, will die Dango & Dienenthal Maschinenbau GmbH drei Maschinen für einen chinesischen Kunden in Betrieb nehmen, Die Maschinen sind Ende 2019 ausgeliefert worden. Nun waren, wie die Firma mitteilt, „Entsendungen geplant, die wir aufgrund der aktuellen Situation abgesagt und aufgeschoben haben“. Man befolge die Empfehlungen und Warnungen des Auswärtigen Amtes, dabei habe die Vermeidung von Risiken für die Mitarbeiter absoluten Vorrang. Ein Mitarbeiter sei derzeit noch bei einem Kunden in der ostchinesischen Provinz Shandong im Einsatz, auch er werde nun seine Reise beenden. „Wir wünschen uns, dass bald ein Impfstoff gefunden wird und den erkrankten Menschen schnell geholfen werden kann.“

EJOT ergreift Vorsichtsmaßnahmen

Ähnlich wie in anderen Unternehmen gebe es auch bei EJOT Vorsichtsmaßnahmen, erklärte Sprecher Andreas Wolf. Das Wittgensteiner Unternehmen verfügt in China über eine eigene Produktion. „Alle Mitarbeiter bleiben an ihren Standorten“ – vorerst fänden keine Dienstreisen von und nach China statt. Für die Mitarbeiter in Taicang, dem EJOT-Produktionsstandort in China, würden auf dem Betriebsgelände die üblichen Inspektionen durchgeführt, vergleichbar mit den Temperaturmessungen bei den Menschen auf den Flughäfen. Und: „Die heimkehrenden Mitarbeiter sind zudem aufgefordert, sich ärztlich untersuchen zu lassen – das gilt insbesondere auch für Rückkehrer aus der Provinz Hubei.“
Auch der Auer Musikinstrumente-Hersteller Sonor betreibt in China eine eigene Produktion. Derzeit seien aber keine Kollegen aus dem Auer Stammwerk in Fernost unterwegs, erklärte Geschäftsführer Karl-Heinz Menzel. Die Dienstreisen stünden in der Regel im Frühjahr oder Herbst auf der Agenda, dass gelte auch für die Mitarbeiter der gesamten Hohner-Gruppe, zu der Sonor gehört. Und: „Wir haben von unseren Partnern aus China bislang nicht gehört, dass es zu irgendwelchen Problemen gekommen ist.“

Monteure von Waldrich arbeiten aktuell in China

14 Monteure der Firma Waldrich Siegen in Burbach arbeiteten derzeit auf vier Baustellen in China, teile ein Unternehmenssprecher mit. Keine davon liege in einem gefährdeten Gebiet. Von den auftraggebenden Firmen seien Maßnahmen ergriffen worden: Die chinesischen Mitarbeiter, die aus dem Urlaub zurückkehrten, dürften die Firmen nicht betreten, da sie innerhalb Chinas gereist seien bzw. die Provinz verlassen hätten. Das gefährde den Fortschritt der Projekte. „Unsere Monteure arbeiten dennoch an unseren Aufträgen vor Ort weiter so gut es geht. Bei manchen Projekten steuern wir aber ,erzwungenermaßen’ auf einen Baustopp zu.“
Ferner bemühe man sich, die Monteure nach Hause zu holen. Nicht aufgrund einer Gefahrenlage, sondern weil auch die Waldrich-Mitarbeiter nicht mehr auf die Baustellen gelassen würden. „Wir stehen täglich telefonisch mit unseren Kollegen in China in Kontakt und beobachten weiterhin die Informationen und Reisehinweise des Auswärtigen Amtes und der WHO“, heißt es. Derzeit sei man zurückhaltend und schicke keine weiteren Arbeiter nach China. Damit handle man entsprechend der Vorgabe.
Das weltweit agierende Unternehmen Kirchhoff Automotive aus Attendorn/Iserlohn betreibt in China je ein Werk in Suzhou, Shenyang und Chongqing. Daher hat man sich in dem mit 9000 Mitarbeitern größten Bereich der Kirchhoff-Gruppe (13 000 Mitarbeiter) selbstredend mit dem neuen Coronavirus und dessen Verbreitung beschäftigt. „Aufgrund der fortschreitenden Verbreitung des Coronavirus im chinesischen Wuhan wird es bis auf Weiteres keine Dienstreisen mehr nach China geben. Dies gilt für alle Kirchoff-Automotive-Standorte weltweit“, teilte Andreas Heine, zuständig für Unternehmenskommunkation und Marketing, mit. Das Team in China bestehe aus chinesischen Kollegen. Da es zurzeit keine Dienstreisen aus anderen Standorten nach China gebe, setze das Unternehmen „verstärkt auf Meetings über multimediale Kanäle“. Nach Anordnung der chinesischen Regierung, die Neujahrsferien zu verlängern, habe auch Kirchhoff Automotive die Ferien im Werk in Suzhou verlängert. „Das Werk bleibt somit als Vorsichtsmaßnahme noch mindestens bis zum 8. Februar geschlossen“, so Heine.

Auch die Krah Grup streicht Dienstreisen nach China

Das Unternehmen Krah Group aus Drolshagen beschäftigt fast ein Drittel seiner rund 2100 Mitarbeiter in China. Auch hier, versicherte Reimund Wurm, zuständig für den Vertrieb Industrie der Krah Group auch in Asien, würden zurzeit keine Dienstreisen nach China unternommen. Das weitere Vorgehen diesbezüglich werde sehr sorgfältig entsprechend der weiteren Entwicklung geprüft.
Dr. Helmut Limberg, CEO der SSI Schäfer Gruppe in Neunkirchen, teilt mit: „Zurzeit gibt es bei SSI Schäfer keine Berührungspunkte zum Coronavirus. Es sind keine Informationen bekannt über erkrankte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im In- oder Ausland, auch nicht in China selbst. Eine Rückholaktion ist daher zurzeit weder notwendig noch geplant.“ Nichtsdestotrotz habe man intern eine weltweite Reisewarnung für Reisen nach China und generell in den asiatischen Raum ausgegeben. Mitarbeitende, die unbedingt reisen müssen, erhielten ein Travel Kit mit Maske, feuchten Einmaltüchern, antibakterieller Lotion und einem Inforflyer mit Empfehlungen, wie die Ansteckungsgefahr minimiert werden könne.
Die Mitarbeitenden in den asiatischen Niederlassungen seien aufgefordert, sofort einen Arzt aufzusuchen, wenn sie Symptome einer Grippe zeigen. Erst nach einer entsprechenden ärztlichen Bescheinigung bzw. Freigabe, dass keine Infektion vorliegt, könnten die betroffenen Personen wieder zur Arbeitsstätte zurückkommen. „In China selbst bleiben die SSI-Schäfer-Büros bis 10. Februar auf Anweisung der chinesischen Regierung geschlossen. Unsere lokalen Health & Safety Officers halten darüber hinaus in den Büros ad-hoc Schulungen zum Thema Coronavirus ab. Auch die Möglichkeit, von zu Hause zu arbeiten, wurde großzügig erweitert.“

Autor:

Redaktion Siegen aus Siegen

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