Einmal Hohenroth und zurück
Die „Stadtradler“ brechen auf zu ihren ersten Touren

Die bundesweite Aktion Stadtradeln legte am Samstag los. Hier bespricht Mobilitätsmanager Janis Dinter noch Details mit Leon Chen (5).
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

goeb Siegen. „Wer von euch hat denn keinen Motor?“, fragt Janis Dinter in die Runde der Radfahrer, die sich an diesem zauberhaften Spätsommersamstagmorgen auf dem Platz vor dem Kreishaus eingefunden hat. Die milde Morgensonne streichelt das Laub der Bäume, es ist fast windstill, Fünf Hände recken sich. Das sind fünf von etwa 35, die sich die 60-Kilometer-Tour zum Forsthaus Hohenroth und zurück vorgenommen haben. „Wir fahren erstmal alle zusammen und entscheiden dann“, schlägt er vor. Dinter trägt das „gelbe Trikot“, wie alle Veranstalter von der Kreisverwaltung – eine handelsübliche Warnweste. Er weiß aus Erfahrung, dass Touren mit E-Bikes und konventionellen Fahrrädern eine Herausforderung für die Teilnehmer darstellen. Die „ohne“ kommen ins Schnaufen, die „mit“ hätten es gern flotter.

Das Rad als echte Alternative zum Auto

Liebling der Truppe, die zur ersten Tour der „Stadtradeln“-Aktion in kleinen Teams zusammengefunden hat, ist der fünfjährige Leon Chen. Er hat sich vor zwei Monaten von seinen Stützrädern verabschiedet, verraten seine Eltern Huan und Hongyu aus Weidenau schmunzelnd. Auch das Ehepaar will zukünftig das Rad als ernstzunehmende Alternative zum Auto testen. Heute wird es wohl nur ein paar Kilometer mit der Gruppe zusammen stadtauswärts gehen.

Bundesweit möchten Kommunen und Vereine den Leuten das Radeln schmackhafter machen. Drei Wochen lang, vom 21. August bis 10. September, sollen möglichst viele Kilometer auf dem Drahtesel zurückgelegt werden, egal, ob „mit“ oder „ohne“. Der Bund schießt jetzt auch mehr Geld in den Radwegebau. Wer radelt, sagen sich die Veranstalter, belastet die Atmosphäre weniger mit CO2. Dinter bittet alle, die spezielle Stadtradel-App zu aktivieren. Sie „trackt“ die gestrampelten Kilometer und verzeichnet sie digital im Kilometerbuch. Es zählen sowohl private als auch berufliche Strecken.

Jede Kommune, die sich beteiligt, kann auch fünf sog. Stars benennen, besondere Botschafter des Radverkehrs, so wie die Klimaschutzmanagerin des Kreises, Yanica Vitt. Auch sie gehört ebenso wie Mobilitätsmanager Dinter und andere zur Stabsstelle des Landrats. Jeden Tag kommt sie von Obersdorf mit dem Rad zur Arbeit. Ist das nicht gefährlich, entlang der Bundesstraße zu fahren? Sie winkt ab. Von der Eremitage an gibt es einen schönen Waldweg. Das ist einer der Vorteile, die Radfahrer haben. Sie gewinnen rasch ungeheure Ortskenntnis durch ihr Hobby.

Beim Radwegebau geht im Siegerland noch einiges mehr

Dinter erklärt kurz den Tourenverlauf. „Also, wir fahren erstmal Richtung Kaan und dann über Feuersbach nach Deuz und Netphen“, beschreibt er. Dann wird’s herausfordernd. Nach der Obernau-Talsperre geht es steil hinauf zum Forsthaus (600 Meter). Dort verschnauft man bei einer Rast, ehe man herrlich rollen lassen kann durch das Siegtal (Walpersdorf, Grissenbach, Nenkersdorf und Deuz). Über einen Schlenker nach Netphen und Dreis-Tiefenbach geht es zurück zur Krönchenstadt. „Dann bin ich ja rechtzeitig zurück zur Sportschau“, bemerkt einer und alles lacht. „Dran bleiben“ am „Haupt-Fahrerfeld“ wollen auf alle Fälle Andreas Kaiser von der Kreisverwaltung und Noah Samuel Rynio (19 Jahre, Jugendparlament Siegen). Sie sind akkulos, aber ehrgeizige Sportskameraden. „Mein Rekord war 125 Kilometer nach Essen in einem Stück“, lässt Rynio nebenbei fallen und schaut Kaiser an. Der schmunzelt.

Wie beurteilen die passionierten Radfahrer das Radwegenetz im Siegerland? Noah Samuel Rynio findet die „Radautobahn“ unter der HTS gar nicht mal so schlecht. Aber danach verließen sie ihn, will sagen: „Man muss sich im dichten Verkehr echt vorsehen. Da geht beim Radwegebau eindeutig mehr.“ Das bestätigt auch 2. Vorsitzender Jens Kremer vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) Siegen-Wittgenstein, der die Aktion unterstützt. „Läuft die App bei allen? Wir sind ja nicht zum Spaß hier“, scherzt Dinter. Und los geht es Richtung Hohenroth – auf dem Verkehrsmittel der Zukunft.

Die bundesweite Aktion Stadtradeln legte am Samstag los. Hier bespricht Mobilitätsmanager Janis Dinter noch Details mit Leon Chen (5).
Das Foto zeigt Jupa-Mitglied Noah Samuel Rynio, der mit konventionellem „Eisenpferdchen“ teilnimmt.
Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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