Die Stadtverwaltung verspricht Lösungen

Schließung der Stadtteilbüchereien am 22. Dezember:

Seniorenbeirat soll Lieferservice für Senioren ausweiten / Künftig 40 Stunden geöffnet

JaK Siegen. Bis am ersten Februarwochenende die neue Zentralbibliothek im »KrönchenCenter« in der Siegener Oberstadt öffnet, steht den zwölf Mitarbeitern noch einiges an Arbeit ins Haus. Zwischen 70000 und 80000 Medien, meist von den Standorten Weidenau und Haus Seel, müssen entsprechend einsortiert werden. Verwaltung und Politik hatten den Umzug stets als Meilenstein gepriesen. Schließlich gebe es an einem zentralen Standort völlig neue Möglichkeiten. Diese Meinung teilen beileibe nicht alle Siegener Bürger. Besonders sind es die älteren Menschen, die sich in den vergangenen Wochen aufgrund des Rückzugs aus der Fläche bei der Siegener Zeitung meldeten und ihren Unmut über die Schließung der Stadtteilbüchereien bekundeten. Während der Recherchen der SZ reagierten Politik und Verwaltung entsprechend und haben nun bereits erste Lösungsvorschläge im Köcher.

Bei einem Besuch der SZ in den Stadtteilbüchereien wurde eines schnell deutlich: Derzeit scheint es schwer, unter den Nutzern der Filialen einen Befürworter der künftigen Lösung zu finden. Deutliche Worte findet Gerd Walter Steinseifer aus Eiserfeld, dessen Familie aus drei Generationen besteht – allesamt fleißige Nutzer der Eiserfelder Teilbücherei: »Da die Siegener Stadtverwaltung, allen voran ihr oberster Dienstherr, gerne gegen den Strich bürstet, lässt man eben die Bürger hinter den Büchern herfahren.« Er steht mit seiner Meinung im Siegener Süden nicht alleine da. »Ein spontaner Besuch der Bücherei ist für mich in Zukunft kaum noch möglich«, ist Marianne Adler traurig darüber, dass »ihre« Bücherei in der alten Eiserfelder Schule bald schließen wird. Nachdem ein Leserbrief der 86-Jährigen in der Siegener Zeitung abgedruckt worden war, bekam sie sofort einen Anruf aus der Nachbarkommune Wilnsdorf: »Die haben mich eingeladen, doch mal bei ihnen vorbeizuschauen. Da ist das Angebot sogar kostenlos.« Dabei gehe es ihr gar nicht um die Nutzungsgebühr. Vielmehr schätzte sie bislang das Angebot in unmittelbarer Nähe zu ihrem Wohnsitz. In die Nachbarkommune zieht es in den nächsten Tagen auch Inge König, die jahrelang die bislang größte Bücherei Siegens an der Weidenauer Straße nutzte: »Ich schaue mir mal das Angebot in Kreuztal an und entscheide dann, wo ich in Zukunft meine Bücher ausleihen werde.«

Inge König ist mobil. Doch was ist mit Menschen, die kein eigenes Auto haben oder schlecht zu Fuß sind? Stadtrat Steffen Mues verspricht in einer Stellungnahme gegenüber der Siegener Zeitung, dass es eine Lösung geben werde: »Um älteren Menschen aus den Siegener Stadtteilen, die Schwierigkeiten haben, die zukünftige Zentralbibliothek im KrönchenCenter zu erreichen, trotzdem mit der gewünschten Lektüre zu versorgen, plant die Stadt einen Bücherlieferservice.« Dieser Lieferservice, der von einem Mitarbeiterteam des Seniorenbeirats betreut wird, habe sich bereits in der Vergangenheit darin bewährt, Menschen zu versorgen, die das Haus nicht verlassen können. »In der Vergangenheit ist das ein wenig eingeschlafen«, gibt Ulrich Vollmer, Leiter der Bibliothek, zu. Nach dem Rückzug aus der Fläche solle dieser Service jedoch forciert werden. Auch die Politik hat den Gedanken aufgegriffen – unter anderem HansGünter Bertelmann (UWG), der die Probleme als Vorsitzender im Geisweider Bezirksausschuss zum Thema machen wird.

Eine Lösung, die Gerd Walter Steinseifer nur bedingt akzeptiert: »Es geht nicht nur um alte Leute, sondern auch um Kinder und Jugendliche. Ich habe das Gefühl, dass das KrönchenCenter Stötzels Hobby-Shop ist.« Doch auch für die jungen Bibliotheks-Nutzer will sich die Verwaltung einsetzen. Eine engere Vernetzung der »großen« Bibliothek mit den kleinen Ablegern in jeder einzelnen Siegener Schule soll den Nachwuchs auch vor dem Hintergrund der PISA-Studie an das Angebot heranführen. »Wir müssen den Bürgern verdeutlichen, dass wir nicht nur eine Unterhaltungs-, sondern auch eine Bildungseinrichtung sind«, betont Ulrich Vollmer.

Unter das Motto Qualitätsverbesserung stellt darum auch Mues die damalige Entscheidung: »Aufgrund der bekannten angespannten Finanzlage der Stadt Siegen war von Anfang an klar, dass dieser Schritt nur durch eine Konzentrierung und Neustrukturierung des Angebotes der Stadtbibliothek möglich sein würde.« Zudem sei die Entwicklung im Falle der Büchereien Geisweid und Eiserfeld stark negativ gewesen. Gegenüber dem Jahr 1996 (14265) sei die Zahl der Ausleihen in Eiserfeld im Jahr 2005 (7900) um 45 Prozent zurückgegangen. Noch dramatischer, so Mues, sei die Entwicklung in Geisweid verlaufen: Hier wurden 2005 nur noch 2670 Ausleihen (1996: 12450) verzeichnet – das entspricht einem Rückgang um satte 79 Prozent.

Um den potenziellen Nutzern in den Stadtrandlagen das künftige Angebot schmackhaft zu machen, steht übrigens bereits eine Erweiterung der Öffnungszeiten von 32 auf 40 Wochenstunden fest. Demnach soll die Bibliothek in der Oberstadt dienstags bis freitags von 10 bis 19 Uhr geöffnet sein. Neu ist zudem die Öffnungszeit am Samstag, wenn Medienfreunde von 10 bis 14 Uhr im KrönchenCenter vorstellig werden können. Montags bleibt die Einrichtung geschlossen.

Übrigens: Nach jetzigem Stand der Dinge sollten die Nutzer alle ihre ausgeliehenen Medien bis zum 22. Dezember in die »alten« Stadtteilbüchereien zurück gebracht haben. Dann wird in den Stadtrandlagen die »letzte Schicht gefahren«.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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