AstraZeneca und die Nebenwirkungen (Update)
Die Verunsicherung ist groß

Die Diskussionen um den AstraZeneca-Impfstoff reißen nicht ab.

+++ Update 19 Uhr +++

ap Siegen. Die Debatte rund um die Corona-Schutzimpfung reißt nicht ab. Und die Verunsicherung ist groß: In den vergangenen Tagen hat die SZ mehrfach über den AstraZeneca-Impfstoff – und insbesondere über die mit ihm einhergehenden Impfreaktionen und Nebenwirkungen bis hin zu Krankschreibungen – berichtet. Dabei kann der kleine Piks unzählige Leben retten, wie Dr. Michael Klock noch einmal betont.

Arzt: Nebenwirkungen sind eine Immunantwort

„Lassen Sie sich impfen“, lautet der eindringliche Appell des Allgemeinmediziners. Ein Schutz von 60 bis 80 Prozent sei schließlich besser als keiner. „Die Reagibilität, also die Probleme nach einer Impfung, sind zwar höher als beispielsweise beim Grippeimpfstoff“, räumt der Geisweider Arzt ein, „aber die Beschwerden sind nach ein bis zwei Tagen auch wieder vorbei.“

Zweifel an AstraZeneca-Impfstoff

Zudem dürfe man diese nur begrenzt als unerwünschte Nebenwirkung betrachten. „Das ist eine Immunantwort“, erklärt Klock, wegen der man auch nach nur einer Impfung von einem „gewissen Schutz“ ausgehen könne. Zumindest sei der Krankheitsverlauf im Falle einer Corona-Infektion bei Geimpften deutlich milder und weniger potenziell tödlich. „Deshalb rate ich dringend davon ab, eine Impfung auf die lange Bank zu schieben“, resümiert Klock.

Regierungskonzept: Impfen beim Hausarzt

Um möglichst vielen Personen ein Impfangebot zu ermöglichen, arbeitet die Bundesregierung derweil an einem Konzept, das schon bald in Kraft treten soll: Ab April sollen Impfungen auch in den rund 100.000 Arztpraxen in Deutschland möglich sein – vorausgesetzt es gibt genügend Dosen. Damit könnten fünfmal mehr Menschen pro Woche von ihrem Hausarzt geimpft werden als in den bundesweit 400 Zentren.
„Gegen ein solches Modell ist nichts einzuwenden“, sagt Dr. Thomas Gehrke, Leiter des Eiserfelder Impfzentrums. Er selbst habe auch schon oft über Möglichkeiten nachgedacht, das Impfszenario zu flexibilisieren. „Man muss sich dabei nur die Frage stellen, wie das logistisch gestemmt werden kann.“

Gehrke gegen Schwerpunktpraxen

Aus seiner Sicht sollte der Impfstoff weiterhin in die Zentren bestellt und von dort aus an die einzelnen Hausärzte weitervermittelt werden. „Irgendwo muss die Kontrolle bleiben“, findet Gehrke.
Auch der Hausärzteverband Westfalen-Lippe empfiehlt eine enge Zusammenarbeit sowie Schwerpunktpraxen – aber genau darin sieht Gehrke eine gewisse Problematik. „Dadurch entsteht eine Konkurrenzsituation unter den Hausärzten“, konkretisiert der Mediziner seine Bedenken. „Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass man den Impfstoff jedem Hausarzt an die Hand geben wird.“ Praxen, in denen AstraZeneca verimpft werden würde, hätten folglich einen gewissen Wettbewerbsvorteil.

Landrat Melcher: „Ich lasse mich impfen“ Im Kreis Olpe ist die Situation, dass im Impfzentrum der für die Über-80-Jährigen verwendete Impfstoff von Biontech und Pfizer nicht schnell genug geliefert werden kann, das Vakzin von AstraZeneca indes quasi zum Ladenhüter wird. Andreas Sprenger, Organisatorischer Leiter des Impfzentrums des Kreises Olpe in Attendorn, berichtet, der AstraZeneca-Impfstoff werde von der Zielgruppe nicht angenommen. Eine weitere große Lieferung sei angekündigt, „das verstärkt das Problem. Eine erstaunliche Zurückhaltung gibt es auch in der Ärzteschaft, was die Bereitschaft angeht, sich damit impfen zu lassen. Aber es gibt keine Wunschliste. Wer unter 65 ist, bekommt AstraZeneca. So ist die Erlasslage.“ Landrat Theo Melcher appelliert, die Chance einer Impfung nicht aus Angst vor dem Impfstoff verstreichen zu lassen: „Ich werde mich, sobald ich an der Reihe bin, impfen lassen, und auch mit AstraZeneca, wenn das dann für mich vorgesehen ist.“ Seit Jahren ließen sich Millionen von Deutschen mit Grippeimpfstoffen spritzen, die eine niedrigere Immunisierungsquote aufwiesen als das AstraZeneca-Vakzin, „und damit hat niemand ein Problem. Das ist rational nicht erklärbar“.
Autor:

Alexandra Pfeifer

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