Die vier Großen der Barock-Musik

ars Weidenau. Im Verein mit der Camerata Instrumentale Siegen lieferte der Kammerchor Weidenau am Sonntag unter der Leitung von Helga Maria Lange wieder einmal einen Nachweis seines Könnens in einem gehaltvollen Konzert in der St.-Joseph-Kirche ab. Auf dem durchdachten, in sich stimmigen Programm standen acht Vertonungen der vier Großen der späten Barock-Musik: Vivaldi, Telemann, Händel und Bach.

Das gut besuchte Konzert begann mit angenehmen Streicherklängen, die sich im Kirchenschiff eindrucksvoll entfalteten. Georg Philipp Telemanns Sonate D-Dur für Streicher und Continuo, gespielt von der Camerata Instrumentale Siegen und Michael Grütz, ließ weltlich gedachte Musik erklingen, die besinnlich und nachdenklich stimmte, die sehr gut das klanglich Angenehme in kirchlicher Umgebung zu Gehör brachte. Besonders das eindringlich-zerdehnte Grave hätte ebenso Teil einer sakralen Komposition sein können. Dieser Aspekt der Verbindung, ja, des atmosphärischen Ineinandergehens von weltlichen und religiösen Ausdrucksformen machte den besonderen Reiz des Abends aus, der Psalmvertonungen mit teilweise sehr melodischem, vitalem Duktus mit weltlicher Musik mit Tiefgang kombinierte. Telemanns Vertonung des 17. Psalms „Laudate Jehovam omnes gentes“ konkurrierte auf spannungsvolle Weise mit der thematisch gleichen Vertonung von „Laudate Dominum omnes gentes“ durch Antonio Vivaldi. Eine reife und schöne Chorleistung machte den Vergleich zweier betont jubelnder, rhythmisch-vitaler Kompositionen zur berühmten Qual der Wahl: Beide Versionen, wie auch die vorwärts drängende Vertonung von Psalm 121, „Laetatus sum in his“, durch Vivaldi, gaben einen sehr guten Eindruck von einer vergangenen Kirchenmusik, die die Gläubigen durch Wohlklang, schöne Harmonien und Lebensbejahung fesselte.

Vivaldis Konzert in C-Dur für Oboe und Streichorchester, eine herzerfrischende Musik, passend zum Frühlingswetter, setzte umgekehrte Akzente: In der Verpackung der höfischen Form Concerto stellt Vivaldi die pastorale Situation einer friedvollen Idylle in unschuldiger Natur gekonnt vor das geistige Auge. Im abschließenden Allegro verlängert er diese utopische Stimmungskulisse ins festliche Beisammensein einfacher Menschen. Die Oboe, trefflich und meisterhaft gespielt von Patrick Federhen, ist in dieser Komposition Träger des Humanen, beobachtend, begleitend, melancholisch, aber immer wieder auch wie befreit aufspielend im dissonanzlosen Einklang mit dem Ganzen.

Die konturenreiche Interpretation von Bachs Praeludium und Fuge D-Dur BWV 532 durch Helga Maria Lange rückte die festliche Polyphonie der anspruchsvollen Partitur ins rechte Licht, ließ auch dieses Orgelwerk Exempel sein für die erstaunliche Durchdringung des Sakralen und des Weltlichen bis hin zum eine große Zuversicht ausstrahlenden Finale.

Die Altistin Verena Allertz verlieh den zwei erklingenden Werken von Georg Friedrich Händel Glanz durch ihre textverständliche, frische und ungekünstelte Stimme. Zuerst sang sie, nur von Oboe und Continuo begleitet und alle Aufmerksamkeit auf sich ziehend, die Solo-Arie „Das zitternde Glänzen der spielenden Wellen“. Schwieriger wurde es für sie, beim „Te Deum laudamus“ für Queen Caroline mit dem Kammerchor und der Camerata immer stimmlich Schritt zu halten, obwohl wahrlich nicht mit einem schwachen Stimmchen ausgestattet.Abgesehen von der verbesserungswerten Balance an einigen Tutti-Stellen gefiel der ganze Abend und überzeugten alle Solisten, die präzise Leitung durch Helga Maria Lange, der Chor und die Camerata auf ganzer Linie.

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