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Feuerwehr, Hausbesitzer, Talsperren
Diese Gefahren bringt die arktische Kälte mit sich

„Batterien gehen bei der Kälte gern in die Knie“, sagt A.T.U- Filialleiter Frank Klemenz.

rege Siegen. Die sibirische Kältepeitsche lässt die Region seit Sonntag bibbern. Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt sorgen in der Natur zwar für schöne Anblicke, bringen aber auch Gefahren mit sich. Gefahren für Menschen, Gefahren für Gebäude, Gefahren für Autos. Die Siegener Zeitung hörte sich um, wem die arktische Kälte besonders zu schaffen macht und was man beachten sollte, um sich in den nächsten Tagen keine Frostbeulen zu holen – weder am Körper noch im übertragenen Sinne …
Der Feuerwehr dürfen die Schläuche nicht...

rege Siegen. Die sibirische Kältepeitsche lässt die Region seit Sonntag bibbern. Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt sorgen in der Natur zwar für schöne Anblicke, bringen aber auch Gefahren mit sich. Gefahren für Menschen, Gefahren für Gebäude, Gefahren für Autos. Die Siegener Zeitung hörte sich um, wem die arktische Kälte besonders zu schaffen macht und was man beachten sollte, um sich in den nächsten Tagen keine Frostbeulen zu holen – weder am Körper noch im übertragenen Sinne …

Der Feuerwehr dürfen die Schläuche nicht einfrieren

Abgesehen davon, dass sich vor allem auf der Eisenstraße und in den Höhenlagen des südlichen Siegerlandes einige Bäume von der Senkrechten in die Waagerechte begeben haben und teilweise immer noch die Straßen blockieren (SZ berichtete), hat Kreisbrandmeister Bernd Schneider noch keine besonderen Vorkommnisse zu vermelden. Sollte es in den nächsten Tagen zu einem Brand kommen, müssen die Männer mit der Spritze aber einiges beachten. „Wenn es jetzt zu einem Einsatz mit Löschwasser kommt, müssen wir aufpassen, dass das Wasser immer läuft. Wenn kein Durchfluss da ist, frieren uns die ausgerollten Schläuche ein, und dann haben wir Stangeneis. Zudem müssen wir den Streudienst dabei haben, ansonsten wird es schlagartig spiegelglatt, sobald Wasser austritt.“

Wasserinstallationen sind kälteanfällig

Die Wasserleitungen der SVB sind bisher kälteresistent, und Bernd-Dieter Ferger, der technischer Prokurist der Siegener Versorgungsbetriebe, ist guter Dinge, dass sich daran auch die nächsten Tage nichts ändern wird. „Wir haben bisher noch keine einzige Schadensmeldung, und in Volnsberg waren es schon über 14 Grad minus. Vor 20 Jahren hätte ich gesagt: Meine Güte, da kommt was Dickes auf uns zu. Da gab es bei jeder Erdbewegung ruckzuck einen Rohrbruch. Inzwischen werden aber andere Materialien verwendet, und die Rohre sind viel elastischer. Ich hoffe, dass wir von Schäden verschont bleiben.“ Noch weniger Sorgen bereiten ihm die Gasleitungen: „Im Gasbereich haben wir Power ohne Ende, da haben wir schon andere Temperaturen hinter aus.“
SVB-Tipps für Hauseigentümer: Aus Versorgersicht somit alles im „grünen Bereich“, für die heimischen Anschlüsse ist wiederum jeder Hauseigentümer selbst verantwortlich. „Wasserinstallationen sind kälteanfällig, vor allem, wenn sie sich im Außenbereich (Garten) oder in unbeheizten Räumen (Keller) befinden und müssen daher ganz gezielt geschützt werden. Denn ist die Wasserleitung im Keller oder im Garten erstmal geplatzt, kann es teuer werden. Das Wasser in den Leitungen kann einfrieren und diese zum Platzen bringen. Oftmals übernimmt die Hausratversicherung nicht alle Kosten, die durch einen solchen Schaden entstehen. Frost sollte daher erst gar keine Chance erhalten“, appelliert Ferger an die Hausbesitzer das Thema „Frost“ nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Für die Ummantelung von Außenwasserleitungen empfiehlt er handelsübliches Isoliermaterial aus Schaumstoff. In nicht beheizten Räumen, wie z.B. Keller, Waschküchen, Anbauten, Garagen oder Schuppen sollten Fenster und Türen während der kalten Jahreszeit möglichst geschlossen bleiben.

Der ADAC hat alle Hände voll zu tun

Dauerfrost in ganz Westfalen, Schnee im Ruhrgebiet, die Autobahnen stundenlang dicht – klar, dass momentan viel mehr Autos schlapp machen als gewöhnlich und die „Gelben Engel“ im Dauereinsatz sind. Im Großraum Siegen-Wittgenstein/Olpe rückten die Pannenhelfer am Montag insgesamt zu 130 Einsätzen aus, am Dienstag wurden sie bis mittags um 12.30 Uhr 70-mal zur Hilfe gerufen. „Wegen der extremen Winterverhältnisse und der eisigen Temperaturen haben die Pannenhelfer des ADAC im gesamten Bereich Westfalen aktuell deutlich mehr Einsätze als gewöhnlich. Der ADAC hat die Kapazitäten aufgestockt und hilft den Menschen rund um die Uhr“, versichert ADAC-Pressereferentin Anne-Sophie Barreau.

"Batterien gehen bei der Kälte in die Knie"

Nicht selten ist eine defekte Batterie Auslöser für einen Hilferuf an den ADAC sein. Das deckt sich mit den Schilderungen von Frank Klemenz, der als Filialleiter bei A.T.U an der Eiserfelder Straße arbeitet: „Batterien gehen bei der Kälte gern in die Knie. Die laufen momentan von morgens bis abends, viel mehr als sonst.“ Doch nicht nur die Batterien müssen Schnee und Eis Tribut zollen. „Scheibenwischer werden gerne als Schneeschieber benutzt. Dann reißen die Gummis, und es müssen neue her“, benennt Klemenz ein weiteres Produkt, das das Geschäft zurzeit ankurbelt. Dazu gehört ferner typisches Winterzubehör. „Scheibenabdeckungen, Halbgaragen und Enteiser waren in allen Filialen innerhalb von einem Tag komplett leer, und auch Frostschutz ist heiß begehrt“, zählt Klemenz die aktuellen Verkaufshits der Meisterwerkstatt auf.

Wohnungslose trifft die Kälte besonders hart

Was für den Normalbürger schon unangenehm ist, kann für einen Menschen ohne Obdach schnell zur tödlichen Gefahr werden. Die Wohnungslosenhilfe der Diakonie in Südwestfalen hilft laut Pressemitteilung, wo sie nur kann. Doch es gibt ein Problem, wie Fachleiter Dirk Strauchmann ausführt: „In den vergangenen Jahren waren wir immer sehr dankbar für Sachspenden wie etwa warme Winterkleidung. Aufgrund von Corona können wir diese Kleiderspenden derzeit aber leider nicht entgegennehmen.“ Dennoch werde Unterstützung benötigt: „Wer trotzdem helfen möchte, kann uns gern warme Decken, Schlafsäcke und Isomatten spenden oder auch gezielt für unsere Kältehilfe Spenden zukommen lassen, sodass wir konkret Menschen in Not unterstützen können“, sagt Strauchmann.

Betreten der Eisflächen auf Talsperren ist lebensgefährlich

Je dicker das Eis, desto verlockender die Gelegenheit, die Schlittschuhe aus dem Dornröschenschlaf zu holen. So groß die Verlockung während des Lockdowns aber auch ist, es ist Vorsicht geboten. Darauf weist auch der Wasserverband Siegen-Wittgenstein hin, der in den nächsten Tagen mit einem (teilweise) Zufrieren der Trinkwassertalsperren rechnet. „Das Betreten der Eisflächen ist aufgrund der geringen Festigkeit ebenso wie das Schlittschuhlaufen auf der Obernautalsperre mit den Vorsperren Obernauer Weiher und Nauholz sowie die Breitenbachtalsperre lebensgefährlich und daher verboten ist. Grundsätzlich ist der Bruch einer Eisfläche bei jedem See möglich. Bei Talsperren ist jedoch die Besonderheit vorhanden, dass unter der Eisfläche das Rohwasser für Trinkwasseraufbereitungszwecke entnommen wird und so Hohlräume entstehen können. Aufgrund dieses schwankenden Wasserspiegels reißt die Eisschicht immer wieder auf“, hat der Wasserverband einen Warnhinweis an die Presse versandt. Zudem ist das Betreten der Schutzzone I zum Schutz der Trinkwassertalsperren zwischen Randweg und Gewässerufer grundsätzlich nicht erlaubt.

Autor:

René Gerhardus (Redakteur) aus Siegen

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