Wegen des Bahnstreiks zu spät zur Arbeit
Diese Regeln gelten für die Beschäftigten

Streik bei der Deutschen Bahn: Beschäftigte müssen trotzdem dafür sorgen, pünktlich zur Arbeit zu kommen, sie tragen das sogenannte Wegerisiko.
  • Streik bei der Deutschen Bahn: Beschäftigte müssen trotzdem dafür sorgen, pünktlich zur Arbeit zu kommen, sie tragen das sogenannte Wegerisiko.
  • Foto: Deutsche Bahn AG / Axel Hartmann
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

sz Siegen/Berlin. Bahnreisende müssen in den kommenden Tagen starke Nerven haben. Ab Mittwochnacht wollen die Lokführerinnen und Lokführer auch den Personenverkehr der Deutschen Bahn bestreiken. 95 Prozent der Mitglieder der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) haben sich in einer Urabstimmung für den Arbeitskampf ausgesprochen. Das gab GDL-Chef Claus Weselsky am Dienstag bekannt.

Das müssen Reisende jetzt wissen

Ab Mittwochmorgen um 2 Uhr müssen Reisende mit Verspätungen und Zugausfällen rechnen. Der Streik ist für 48 Stunden angekündigt. Der Arbeitskampf der GDL stellt auch viele Pendlerinnen und Pendler vor Probleme. Welche Rechte haben sie in dieser besonderen Situation? Und gilt der Streik als Entschuldigung, wenn man es nicht pünktlich ins Büro schafft? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Darf man wegen des Bahnstreiks einfach zu Hause bleiben?
Nein, ohne Absprache geht das nicht. In vielen Berufen ist Home­office eine gute Alternative – durch die Corona-Zeit sind viele Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber da auch flexibler geworden. Es ist aber wichtig, rechtzeitig mit der Chefin oder dem Chef zu sprechen und sich eine Erlaubnis einzuholen. Wenn Home­office nicht möglich ist, können Arbeitnehmer an den Streiktagen eventuell kurzfristig Urlaub nehmen oder Überstunden abbauen.

Darf der Arbeitgeber den Lohn kürzen, wenn man wegen des Bahnstreiks zu spät kommt?
Grundsätzlich gilt erst einmal: ohne Arbeit kein Lohn. Wenn der Beschäftigte nicht arbeitet und nicht krankgemeldet ist oder sich im Urlaub befindet, bekommt er kein Geld. Das gilt ohne Ausnahme, egal ob den Arbeitnehmenden beim Zuspätkommen ein Verschulden trifft oder nicht. Es handelt sich bei einem Ausfall öffentlicher Verkehrsmittel aufgrund eines Streiks ebenso wie bei widrigen Witterungs­verhältnissen wie Glatteis oder Schnee um ein sogenanntes Wegerisiko, das der Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin zu tragen hat. Das heißt, es liegt in seiner oder ihrer Verantwortung, pünktlich zur Arbeit zu kommen.

Kann man die verpasste Arbeitszeit einfach nachholen und länger bleiben?
Auf das Nachholen der verpassten Arbeitsstunden haben Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer keinen gesetzlichen Anspruch. Es sei denn, das ist in Tarifverträgen, Betriebs­vereinbarungen oder mit mündlichen Abmachungen so geregelt.

Kann der Arbeitgeber bei einer Verspätung mit einer Abmahnung drohen?
Hier kommt es, anders als bei der Kürzung des Lohns, auf die Frage des Verschuldens an. Sprich: Kann man dem Arbeitnehmer oder der Arbeitnehmerin einen Vorwurf machen? Hat er oder sie beispielsweise den Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin nicht informiert oder sich nicht ausreichend darum gekümmert pünktlich zur Arbeit zu kommen? „Wenn ich nichts für die Verspätung kann, kann mir weder eine Abmahnung noch eine Kündigung ins Haus flattern“, sagt der Berliner Arbeitsrechtler Alexander Bredereck dazu. Er empfiehlt, den Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin bei einer Verspätung unverzüglich zu informieren wie bei einer Erkrankung auch. Es reiche nicht aus, darauf zu verweisen, dass der Streik in der Zeitung angekündigt wurde.

Und wann ist der Arbeitnehmer bei einem Bahnstreik schuld am Zuspätkommen und wann nicht?
Das kommt immer auf die jeweilige Situation an. Wenn die Arbeitnehmerin oder der Arbeitnehmer nichts von einem geplanten Streik mitbekommen hat, weil es der erste Streik nach einer langen Zeit ist, dann kann man ihr oder ihm dafür in der Regel keinen Vorwurf machen. Es ist etwas anderes, wenn man sich im Dauerstreik befindet und die Arbeits­niederlegung nicht überraschend stattfindet.

Generell sollte man sich so verhalten, dass einem nichts vorgeworfen werden kann. Das heißt, man muss zumutbare Anstrengungen unternehmen, um pünktlich ans Ziel zu gelangen, sich also beispielsweise früher auf den Arbeitsweg machen oder aufs Auto umsteigen. Aber auch hier gibt es Grenzen: Nicht zumutbar ist es, schon einen Tag vorher zur Arbeit zu fahren oder Kosten für eine Taxifahrt zu zahlen, deren Höhe in keinem Verhältnis zum Gehalt steht.

Autor:

Redaktion Siegen aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

13 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen