Verwaltungen und Schulen wegen Pandemie zur Umstellung gezwungen
Digitalisierung startet im Corona-Turbo durch

Die Südwestfalen-IT (SIT) begleitet als Zweckverband 71 Kreise, Städte und Gemeinden zwischen Burbach und Lippstadt sowie auch Schulen in rund 30 Verbandskommunen bei der Digitalisierung (Symbolfoto).
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tile Siegen/Olpe. Gerne wird die Corona-Pandemie als Brandbeschleuniger der Digitalisierung bezeichnet, als Chance, auf den Datenautobahnen endlich durchzustarten. Die spontane Umstellung von analogen und auf Präsenz ausgelegten Strukturen auf digitale und virtuelle Prozesse stellt u. a. die öffentliche Hand sowie die Schulen vor immense Aufgaben. Die Südwestfalen-IT (SIT) begleitet als Zweckverband 71 Kreise, Städte und Gemeinden zwischen Burbach und Lippstadt sowie Schulen in rund 30 Verbandskommunen bei dieser Transformation.

Homeoffice war die erste Herausforderung

Für die Verwaltungen bestand die erste Herausforderung darin, Homeoffice zu ermöglichen. „Seit März gibt es einen breiten Bedarf am mobilen Arbeiten. Dafür mussten wir sichere Zugriffsverbindungen herstellen“, erklärt SIT-Mitgeschäftsführer Thomas Coenen im SZ-Gespräch. Darüber hinaus galt es, Mitarbeiter mit Endgeräten zu versorgen oder private PCs, Laptops und Tablets über sogenannte „Secure Sticks“ sicher zu vernetzen. Diese Alternative hat Kosten gesenkt, Lieferengpässe bei den Endgeräten wurden umgangen.

„Behördengang“ im Internet wird wichtiger

„Im Verwaltungsumfeld sind wir heute weiter, als wir es vor Corona gedacht hätten: Homeoffice, Dokumentenmanagement, digitaler Zugriff auf Unterlagen“, beschreibt Thomas Coenen eine Beschleunigung der Entwicklung. Der „Behördengang“ im Internet werde wichtiger, um die notwendige persönliche Vorsprache in den Rathäusern auf ein Minimum zu reduzieren. „Aber da ist noch viel zu tun, bis alle Dienste und Services auf Basis des Onlinezugangsgesetz (OZG) digitalisiert sind.“ Neben lokaler und regionaler Anstrengungen bedürfe es hier u. a. des Aufbaus von Landesportalen sowie der Erarbeitung digitaler Prozesse.

Südwestfalen-IT betreut 14.000 Endgeräte

Mit der Schließung der Schulen und dem einsetzenden Distanzunterricht folgte ein weiterer großer Schritt in Richtung Digitalisierung. Die SIT kümmert sich mit den Schulträgern um die Beschaffung von Endgeräten und richtet diese ein. Neben dem in NRW an den Schulen vorgeschriebenen Medienbeauftragten (First Level Support), in der Regel ist das eine Lehrkraft, übernimmt der Zweckverband die technische Wartung, Hilfe bei Störungen und Ferndiagnosen (Second Level Support). Derzeit werden so 14.000 Endgeräte über die SIT betreut, „bis zum Ende der Förderprogramme im Sommer werden es rund 25.000 sein“, sagt Thomas Coenen.
Mehr Geräte bedeuten höhere Zugriffszahlen. Diese konzentrieren sich auf die üblichen Büro- und Schulzeiten. Die hohe Gleichzeitigkeitsrate erhöht die Gefahr der Systemüberlastung. Coenen: „Wenn morgens überall gleichzeitig Videokonferenzen einberufen werden, kommt die Bandbreite schnell an ihre Grenzen. Die Last auf die Systeme muss verteilt werden.“
Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung sei das 2019 formulierte Ziel, bis 2025 flächendeckend eine 1-Gigabyte-Versorgung zu erreichen, „nicht großzügig genug“ kalkuliert. „Das ist dann vielleicht das, was wir gerade brauchen.“

„Die Komplexität ist gestiegen“

Neben dem technischen Support berät die SIT Schulen bei der Erstellung von Medien- und Entwicklungsplänen, plant die Infrastruktur (Server-Raum, WLAN-Ausleuchtung), informiert über Förderprogramme, bereitet Ausschreibungen vor. „Die Komplexität ist gestiegen, ebenso die Anforderungen. Und bei allem muss die Wirtschaftlichkeit im Blick behalten werden“, sagt Thomas Coenen.
In der Corona-Krise suchte jede Schule für sich eine praktikable und schnelle Lösung, etwa bei der Frage, über welche Plattform man mit Kollegen, Schülern und Eltern kommunizieren will. „Man ist durch die Pandemie getrieben, irgendwie Unterricht durchführen zu können“, so der SIT-Geschäftsführer. Mittel- und langfristig sei es sinnvoller, Standards zu schaffen – aus Gründen des Datenschutzes, der Wirtschaftlichkeit, des technischen Supports.

„Smart City“ steckt allenfalls in Kinderschuhen

Derzeit seien noch alle Kräfte darauf ausgerichtet, den Betrieb aufrechtzuerhalten, analysiert Thomas Coenen. Um jedoch die Möglichkeiten der Digitalisierung nach Corona voll auszuschöpfen, „muss jetzt eine gesellschaftliche Diskussion einsetzen“. In den Verwaltungen steckt die Idee der „Smart City“ („intelligente Stadt“) allenfalls in den Kinderschuhen. Verkehrsleitung, Parkleitsysteme, Informationskanäle (z. B. für Kulturangebote) etc. würden auch für kleine, ländliche Kommunen wichtiger. Für das Lehren und Lernen im digitalen Kontext müssten andere Konzepte her. Von der Art der Lehrer-Aus- und -Fortbildung bis zur Erstellung interaktiver Unterrichtsmaterialien.
Präsenz erhalte im digitalen Raum eine neue Bedeutung. In der Schule ebenso wie im Arbeitsleben. „Wir schöpfen die hohe Flexibilität noch nicht aus. Digitale Formate ermöglichen andere Arbeitsweisen“, regt Thomas Coenen einen Grundsatzdiskurs an und fragt: „Welche veränderten Sicht- und Arbeitsweisen für die Zukunft nehmen wir aus der Corona-Zeit mit?“

Die Südwestfalen-IT (SIT) begleitet als Zweckverband 71 Kreise, Städte und Gemeinden zwischen Burbach und Lippstadt sowie auch Schulen in rund 30 Verbandskommunen bei der Digitalisierung (Symbolfoto).
Thomas Coenen, Geschäftsführer Südwestfalen IT.
Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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