Discounter: Rauswurf wegen ein Paar Socken

pebe Siegen. Ein Paar Socken, das nicht auf dem Bon des Personaleinkaufs stand, spielte gestern vor der 1. Kammer des Siegener Arbeitsgericht eine wichtige Rolle. Denn auf diesen Strümpfen fußte die fristlose Kündigung, die ein großer Textildiscounter seiner 42-jährigen Mitarbeiterin ausgesprochen hatte. Sie habe die Socken unterschlagen, so der Vorwurf der Firma. Zudem sei ein weiterer Artikel falsch ausgezeichnet gewesen.

Gegen dieses Vorgehen zog die Frau vor Gericht. Gestern trafen sich beide Seiten zum Gütetermin vor Richter Holger Perschke. Vor einer Woche war die ebenfalls fristlose Kündigung der Kollegin, die beim in Rede stehenden Personalkauf an der Kasse gesessen hatte, in eine ordentliche Kündigung umgewandelt worden.

„Ich hatte kurz vor Feierabend die Tüte mit dem Personaleinkauf vor die Eingangstür gestellt, wie wir das immer machen sollen“, erklärte die 42-Jährige dem Richter. Dann sei die Bezirksleiterin zur Kontrolle gekommen. Sie als die seinerzeit Verantwortliche sei zur Überprüfung vor Ort geblieben, die Kollegin sei nach Hause gefahren. Beim Personalkauf habe sich dann herausgestellt, dass ein Paar Socken zu wenig abgerechnet worden war. „Obwohl ich ihr alles erklärte, glaubte sie mir nicht.“ Sie habe sofort gewusst, dass diese Tatsache wie ein Diebstahl aussehen werde, sagte die Klägerin.

Rechtsanwalt Jörg Becker skizzierte aus Sicht seiner Mandantin die weiteren Ereignisse. Die Klägerin sei vier Tage später in die Filiale einbestellt worden. Dort habe sie auf einem vorgedruckten Formular „Schuldanerkenntnis/Geständnis“ schreiben und unterschreiben müssen, dass die den Discounter um einen Betrag „in Höhe von 1,50 Euro geschädigt“ und die Socken freiwillig wieder abgegeben habe. Das sei ihr vom Verkaufsleiter „diktiert“ worden, referierte Becker.

Der Verkaufsleiter habe einen weiteren Vordruck für „fristlose Kündigung“ genommen, „darauf musste man nur noch ankreuzen oder durchstreichen“, unter anderem „Bargeldunterschlagung“ oder „Warenunterschlagung“. Eine Gelegenheit zur Stellungnahme habe die 42-Jährige nicht erhalten. „Sie bestreitet die Absicht, dem Unternehmen Schaden zuzufügen.“Richter Perschke wandte sich an Jörg Kuhlmann, Referent für Arbeitsrecht im Firmensitz bzw. der Europazentrale des Discounters am Rande des Ruhrgebiets: „Handelt es sich um eine Tatkündigung oder eine Verdachtskündigung?“, wollte er wissen. Darauf gab Kuhlmann keine ganz klare Antwort, meinte aber, dass es sich um einen Diebstahl geringwertiger Sachen handele und in jedem Fall das Vertrauensverhältnis zerstört sei.„Können Sie denn ausschließen, dass es sich um ein Versehen gehandelt hat?“, fragte der Richter weiter. Kuhlmann nickte: Nach Aussagen der Filialleiterin schon, meinte er. Auf die Frage nach einer gütlichen Einigung signalisierte Becker grundsätzliche Zustimmung, verlangte aber eine ordentliche Kündigung zum 30. April, bis dahin die zustehende Bezahlung, ein korrektes Arbeitszeugnis und die Erklärung, dass die Vorwürfe nicht aufrecht erhalten blieben. Letzterem aber konnte der Firmenvertreter nicht zustimmen.Der Richter bot an, einen eigenen Vergleichsvorschlag vorzulegen, setzte aber vorsichtshalber den Kammertermin für den 24. August an. Bis dahin solle die Klägerin die Beweise für die Geschehnisse an den Tagen des Vorkommnisses und der Kündigung antreten. Die Firma solle bis dahin klären, ob es sich um eine Verdachts- oder eine Tatkündigung handele.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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