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Meyer, Ox, Split & Co.
Diskotheken-Betreiber: Diskussion über 2G, 3G oder "3G light"

Ein Fallbeispiel fürs Siegerland? In der Großraum-Disko von Maik Henning in Hagen werden alle Besucher – geimpft, genesen oder getestet – im hauseigenen Testzentrum vor Einlass von den Mitarbeitern noch einmal getestet.
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  • Ein Fallbeispiel fürs Siegerland? In der Großraum-Disko von Maik Henning in Hagen werden alle Besucher – geimpft, genesen oder getestet – im hauseigenen Testzentrum vor Einlass von den Mitarbeitern noch einmal getestet.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

sabe Siegen. Sie haben ihre Diskotheken in Testzentren oder Kinderspielparadiese verwandelt, haben abgewartet, renoviert, demonstriert, gekämpft und wieder von vorne angefangen. Die Geschichten von heimischen Nachtclub-Besitzern wie Karl Quante (Ox Diskothek Freudenberg) oder Pablo Ruhr und Daniel Benken (Meyer Siegen) hat die SZ von Anfang an begleitet. Jetzt stehen seit Ende August wieder einmal Öffnungsperspektiven im Raum. Es gibt neue Beschlüsse, die sich weg von einem starren Schwellenwert bewegen, dafür aber das Hygienekonzept und die 3-G-Regel schärfer ins Auge fassen wollen. Dazu gehören Sonderregelungen, die nicht nur die Gäste ziemlich teuer zu stehen kommen könnten.

sabe Siegen. Sie haben ihre Diskotheken in Testzentren oder Kinderspielparadiese verwandelt, haben abgewartet, renoviert, demonstriert, gekämpft und wieder von vorne angefangen. Die Geschichten von heimischen Nachtclub-Besitzern wie Karl Quante (Ox Diskothek Freudenberg) oder Pablo Ruhr und Daniel Benken (Meyer Siegen) hat die SZ von Anfang an begleitet. Jetzt stehen seit Ende August wieder einmal Öffnungsperspektiven im Raum. Es gibt neue Beschlüsse, die sich weg von einem starren Schwellenwert bewegen, dafür aber das Hygienekonzept und die 3-G-Regel schärfer ins Auge fassen wollen. Dazu gehören Sonderregelungen, die nicht nur die Gäste ziemlich teuer zu stehen kommen könnten.

Nur mit PCR-Test darf man in die Disco

Zulässig vorm Türsteher sind nämlich für Getestete nur negative PCR-Tests (für Geimpfte und Genesene gibt es keine Einschränkungen), die nicht älter als 48 Stunden sind. Ein negativer Schnelltest, wie er beispielsweise für einen Besuch in der Innengastronomie benötigt wird, reicht hier nicht aus. Die NRW-Landesregierung begründet das damit, dass die Clubs und Diskotheken zu den Bereichen „mit besonders hohem Risiko für Mehrfachansteckungen“ gehören.

Pablo Ruhr und Laura Lensing vom Musikclub „Meyer“

Erste Siegener Clubs wie das Split (Geisweid) sind den Öffnungsschritt bereits gegangen. Auf Facebook-Mitschnitten sieht man, wie maskenlose Menschen tanzend und feiernd die Pandemie-Sorgen zu vergessen suchen. Andere hingegen zögern noch. Das Wolkenkuckucksheim oder das Meyer in Siegen, das Ox in Freudenberg. Zu abrupt seien mal wieder die neuen Beschlüsse der Regierung gekommen, bemängelt Ox-Betreiber Karl Quante – der Nachtclub steckt noch mitten in Renovierungsarbeiten. Außerdem drücken Debattenschlachten um weitere Forderungen die Öffnungseuphorie: Aus einigen Reihen wird gefordert, die Getesteten ganz von der Gästeliste zu streichen, um Geimpften und Genesenen den alleinigen Eintritt zu lassen.

Große Verzweiflung bei Betreibern von Clubs und Diskotheken

Deshalb will Quante „wohl noch bis Anfang Oktober“ warten. Schnellschüsse, das hat man aus 1,5 Jahren Sisyphusarbeit rund um Schwellenwerte und Schutzverordnungen gelernt, sind nicht nur schwer zu stemmen, sondern vor allen Dingen existenzbedrohend. „Die Schausteller- und Disko-Branche, das muss man ganz klar sagen, die haben die A-Karte gezogen.“
Einer, der das trotz aller Widrigkeiten und bereits im großen Stil macht, ist Quante-Freund und Disko-Betreiber Maik Henning aus Hagen. Ein Fallbeispiel fürs Siegerland?

Öffnet das Ox wohl erst im Oktober: Karl Quante.

Hagen als Vorbild für das Siegerland?

Erst dieses Wochenende war es, als in der Nachbarstadt im „Capitol“ mit 1000 Leuten als Testdurchlauf gefeiert wurde – eigentlich dürften doppelt so viele Menschen rein. Aber, so sagt es der Club-Besitzer, das wäre unter diesem organisatorischen Aufwand überhaupt nicht möglich gewesen. „Das ist hier wie am Flughafen“, sagt er – um dann aufzuzählen, was es alles braucht, bis die Club-Besucher endlich auf die Tanzfläche dürfen.

Keine Chance fürs Nachtleben

Es ist ein aufwendiger „Check-In“, für dessen Nachzeichnung Henning einiges an Atem braucht. Erklären, wie wenig wirtschaftlich das Ganze eigentlich ist, braucht er allerdings nicht – dazu reicht die Szenerie: 30 Mitarbeiter kümmern sich in Hagen allein darum, alle Gäste (Geimpfte, Genesene wie die PCR-Test-Getesteten) im hauseigenen Testzentrum nochmals mit einem Schnelltest zu versorgen. Doppelt hält besser: „Damit das Virus auch wirklich nicht ins Haus kommt, die Gäste keine Angst haben müssen und sich beim Feiern fallen lassen können.“

Eine 2-G-Regelung hingegen sieht der Hagener genau wie Kollege Karl Quante kritisch: „Dann wird eine ganze Branche nicht überleben“, sagt er mit Blick auf das überwiegend junge Publikum, dessen Durchimpfungsrate noch weit von dem geforderten RKI-Wert liege und die dann mit Henning nicht nur als Gäste exkludiert würden, sondern auch als potentielle Geldgeber entfielen.
Hennings Beobachtungen vom Wochenende bestätigen die enge Verzahnung von Impfquote und Wirtschaftlichkeit: Zwischen den vielen Impfpässen habe es mindestens genau so viele PCR-Bescheide zu überprüfen gegeben. „Bei einer 2-G-Regelung fällt die Hälfte der Kundschaft weg.“

PCR-Test kostet locker 80 bis 100 Euro pro Person

Ein ähnliches Problem sieht er im Übrigen, sollte die PCR-Testpflicht für die Getesteten bleiben. Nicht nur komme der Disko-Besuch die ungeimpften Nachtschwärmer so reichlich teuer zu stehen (PCR-Tests kosten zurzeit gut und gerne um die 80 bis 100 Euro pro Person) – die Entscheidung, feiern zu gehen, sei für viele auch eine spontane Geschichte, die man nicht eine Woche vorher plane. Und wo bekomme man dann so schnell einen PCR-Test her? „Dafür haben wir doch die Infrastruktur überhaupt nicht.“
Henning hat mit Quante dagegen via Eilantrag eine Klage beim Oberverwaltungsgericht eingereicht. Das fast überall der Schnelltest reiche, der Clubbranche es aber „mal wieder besonders schwer gemacht wird“, empfindet er als „ungleichmäßig, ungerecht“. „Wieso“ fragt sich Henning deshalb, „organisiert man das Ganze nicht so, wie wir es jetzt schon handhaben: mit einem Schnelltest direkt vor der Tür?“

Ein Fallbeispiel fürs Siegerland? In der Großraum-Disko von Maik Henning in Hagen werden alle Besucher – geimpft, genesen oder getestet – im hauseigenen Testzentrum vor Einlass von den Mitarbeitern noch einmal getestet.
Öffnet das Ox wohl erst im Oktober: Karl Quante.
Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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