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Kein Kurzarbeitergeld
Drastisch weniger Geld für AWo-Mitarbeiter

Die Corona-Krise trifft die Beschäftigten in den heimischen AWo-Werkstätten doppelt – das Foto entstand in Schameder. Die Auftragslage ist schlechter geworden und das gilt auch für die Entlohnung der Menschen.
  • Die Corona-Krise trifft die Beschäftigten in den heimischen AWo-Werkstätten doppelt – das Foto entstand in Schameder. Die Auftragslage ist schlechter geworden und das gilt auch für die Entlohnung der Menschen.
  • Foto: SZ-Archiv
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

juka Siegen/Bad Berleburg. Die Corona-Pandemie hat auch für die Beschäftigten mit Behinderung in Werkstätten der Arbeiterwohlfahrt (AWo) in Siegen-Wittgenstein und Olpe drastische Folgen. Denn der Kreisverband kann den rund 900 Betroffenen ab sofort nur noch den gesetzlich vorgeschriebenen Grundlohn von 99 Euro im Monat zahlen. Durch die Betretungsverbote während des Lockdowns der vergangenen Wochen und Monate, den Ausfällen nach positiven Corona-Fällen in den Werkstattbetrieben in Siegen und Deuz sowie der sowieso dünner gewordenen Auftragslage und den eingeschränkten Produktionskapazitäten fehlt das Einkommen. 42 Prozent der Umsätze sind laut des Kreisverbandes weggebrochen. Die Rücklagen sind mittlerweile auch schlicht komplett aufgebraucht.

juka Siegen/Bad Berleburg. Die Corona-Pandemie hat auch für die Beschäftigten mit Behinderung in Werkstätten der Arbeiterwohlfahrt (AWo) in Siegen-Wittgenstein und Olpe drastische Folgen. Denn der Kreisverband kann den rund 900 Betroffenen ab sofort nur noch den gesetzlich vorgeschriebenen Grundlohn von 99 Euro im Monat zahlen. Durch die Betretungsverbote während des Lockdowns der vergangenen Wochen und Monate, den Ausfällen nach positiven Corona-Fällen in den Werkstattbetrieben in Siegen und Deuz sowie der sowieso dünner gewordenen Auftragslage und den eingeschränkten Produktionskapazitäten fehlt das Einkommen. 42 Prozent der Umsätze sind laut des Kreisverbandes weggebrochen. Die Rücklagen sind mittlerweile auch schlicht komplett aufgebraucht.

Rücklagen des AWo-Kreisverbandes waren schnell aufgebraucht

„Für die Auszahlung eines so genannten Steigerungsbetrages, der normalerweise zusätzlich zum Grundlohn ausgezahlt wird, reichen die Erträge leider nicht mehr aus“, erklärte AWo-Geschäftsführer Dr. Andreas Neumann am Mittwoch in einer virtuellen Pressekonferenz. Da bis zum Ende des Jahres nicht mehr mit einer Steigerung des Umsatzes zu rechnen sei, fällt diese Vergütung wahrscheinlich für das komplette Jahr 2021 aus. Für die Betroffenen ein schwerer Schlag. Bereits im November des abgelaufenen Jahres seien dabei die Rücklagen des Kreisverbandes komplett aufgebraucht gewesen. Aus eigenen Mitteln habe man aber auf gewohntem Niveau weiterbezahlt.
„Wir hätten normalerweise damals schon kürzen müssen, wollten das vor Weihnachten aber nicht machen“, so Neumann. Derzeit hofft man noch, das Geld für 60 Tage Betriebsunterbrechung von der Versicherung erstattet zu bekommen. Die stellt sich jedoch quer, die AWo hat mittlerweile Klage eingereicht. „Aber das kann Monate dauern, bis dieses Geld kommt“, befürchtet der Geschäftsführer.
Neben den schwierigen finanziellen Kürzungen für die betroffenen, ohnehin meistens schon nicht gut aufgestellten, Menschen sieht Neumann weitere Probleme. „Der Anreiz, einer Beschäftigung in einer Werkstatt nachzugehen, wird natürlich auch geringer.“ Denn wer keine Erwerbsminderungsrente, auf die Beschäftigte aber erst nach 20 Jahren in der Werkstatt oder aufgrund von vorheriger Erwerbstätigkeit einen Anspruch haben, beziehe, müsse nun zusätzlich Grundsicherung beantragen, um genügend Geld zum Leben zu haben. Trotz der Beschäftigung in der Werkstatt.

AWo will Grundlohn aus Bundesmitteln finanzieren lassen

Besserung ist jedoch in absehbarer Zeit nicht in Sicht, denn auch von der Politik gibt es kaum Hilfen. Das Instrument der Kurzarbeit zieht nicht, da die Beschäftigten nur einen arbeitnehmerähnlichen Status haben und nicht arbeitslosenversichert sind. Auch aus anderweitigen Hilfsangeboten fällt man nach Angaben von Andreas Neumann stets heraus. „Wir gehen Programm für Programm durch, bekommen aber keine Unterstützung“, moniert er. Die Forderungen des Kreisverbandes sind daher klar:
Die Politik soll für die Probleme sensibilisiert werden. Als kurzfristige Lösung schlägt die AWo vor, den Grundlohn aus Bundesmitteln finanzieren zu lassen und das gesparte Geld dann für den individuellen Leistungsbetrag zu verwenden. Auf lange Sicht müsse es aber weiter das Ziel sein, den Mindestlohn auch für solche Werkstätten einzuführen, betont Neumann. Zum anderen wird gefordert, dass die Politik, zumindest für den Zeitraum von Betretungsverboten, finanzielle Entschädigungen für die Beschäftigten gewährt, die momentan, aufgrund des Rechtsstatus, verwehrt bleibt.
Dieser Forderung schließt sich auch der Werkstattrat an. „Die Politik hat uns vergessen“, moniert der Vorsitzende Ulrich Eimermann. „99 Euro für einen Vollzeitjob sind nicht fair. Wir wollen ernstgenommen werden. Denn auch wir arbeiten für die Wirtschaft mit“, betont Eimermann stellvertretend für die knapp 900 Beschäftigten, die nun, wahrscheinlich im kompletten Jahr 2021, jeden Monat auf wichtige Euros verzichten müssen.

So setzt sich der Verdienst der Beschäftigten zusammen Normalerweise setzt sich der Verdienst der Beschäftigen in den Werkstätten der Arbeiterwohlfahrt (AWo) aus dem Grundbetrag, der für 2021 immerhin von 89 auf 99 Euro heraufgesetzt wurde, dem Steigerungsbetrag, der nach der individuellen Arbeitsleistung bemessen wird und maximal 331,50 Euro betragen kann, sowie dem Arbeitsfördergeld in Höhe von 52 Euro zusammen. Hinzu kommt, in manchen Fällen, der Rentenzuschuss. Im Durchschnitt betrug der Bruttolohn im vergangenen Jahr 196,29 Euro. Dieser wird nun, ohne den Steigerungsbedarf, deutlich sinken. „Natürlich wissen wir, dass diese Änderung erhebliche Lohneinbußen, zum Teil bis zu 50 Prozent, für unsere Beschäftigten bedeutet, aber wir sind leider dazu gezwungen und sehen derzeit keine andere Alternative“, erklärt Neumann. Das Arbeitsfördergeld wird hingegen vom Rehabilitationsträger LWL weiterhin gezahlt.
Autor:

Julian Kaiser (Volontär) aus Siegen

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