Drei Kandidaten mit drei Profilen

 Die drei Bewerber in der SPD für die Nachfolge von Willi Brase stellten sich am Dienstagabend den Genossen in Bad Berleburg vor: Heiko Becker, Tim Bernshausen und Silke van Doorn (v.l.). Foto: Björn Weyand
  • Die drei Bewerber in der SPD für die Nachfolge von Willi Brase stellten sich am Dienstagabend den Genossen in Bad Berleburg vor: Heiko Becker, Tim Bernshausen und Silke van Doorn (v.l.). Foto: Björn Weyand
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bw - Die SPD hat bald die Wahl in Siegen-Wittgenstein: Die Parteibasis muss einen Kandidaten bestimmen, der in die nicht gerade kleinen Fußstapfen von Willi Brase treten und im kommenden Jahr in den Bundestag einziehen soll. Die drei Bewerber für diesen Job stellten sich am Dienstag in Schwarzenau dem SPD-Stadtverband Bad Berleburg vor – und hier präsentierten sich den Genossen durchaus unterschiedliche Persönlichkeiten.

Der gebürtige Womelsdorfer Heiko Becker, als Wittgensteiner mit einem kleinen Heimvorteil, stellte eher den Realpolitiker dar, der gleich in der Vorstellungsrunde in die konkrete Politik ging. Mit Blick auf die „Route 57“ schoss er direkt gegen Volkmar Klein (CDU), der sich nie so sehr für diese Ortsumgehungskette eingesetzt habe wie ein Willi Brase. Und: Es könne auch nicht sein, dass es der Burbacher Bundestagsabgeordnete als Erfolg darstelle, die „Route 57“ in den erweiterten Bedarf gebracht zu haben. Becker forderte mehr Geld für die Infrastruktur, bessere finanzielle Ausstattung für die Kommunen, ein Netzwerk zur Suche nach Lösungen gegen den demographischen Wandel. Der frühere SPD-Fraktionschef im Erndtebrücker Rat, seit 2009 auch im Kreistag aktiv, hat als Mitarbeiter der Olper Bundestagsabgeordneten Petra Crone schon Einblick in die Bundespolitik. Und er meinte zum Antrieb seiner Bewerbung: „Es entsteht immer der Eindruck, die SPD reagiert nur auf Situationen. Die SPD muss wieder mehr Mut haben, zu agieren.“

Das sah seine Mitbewerberin Silke van Doorn ganz ähnlich. Die Siegenerin sieht die sozialdemokratische Politik in der Großen Koalition „verwässert“. Die gebürtige Bochumerin, vierfache Mutter, arbeitet als Schulreferentin der Kirchenkreise Siegen und Wittgenstein und hat den SPD-Stallgeruch von ihren Großvätern geerbt. Silke van Doorn wählte einen ganz anderen Ansatz als Heiko Becker, packte in der Vorstellungsrunde eher große Zusammenhänge denn konkrete Politik an. In der Gesellschaft seien Gräben spürbar und es hätten viele Menschen das Gefühl, zu kurz zu kommen. Daher sei es Aufgabe der Politik, Brücken zu bauen. Die SPD habe die Tradition, sich auf die Seite derjenigen zu stellen, die keine Stimme hätten. „Es ist an der Zeit, das Sozialdemokratische wieder zu befördern“, forderte die Pfarrerin, die an der Realschule und an der Hauptschule in Bad Berleburg unterrichtet hat. Zudem gelte es, den Generationvertrag zu erneuern. Und: Vor Ort schlage zwar das Herz, aber das Denken müsse weiter reichen.

Gegen den Vertrauensverlust der Bürger gegenüber der Politik möchte der Hilchenbacher Tim Bernshausen ankämpfen. Es gelte, verlorene Glaubwürdigkeit wieder zurück zu gewinnen. „Politiker dürfen nicht immer nur das sagen, was die Leute hören wollen“, sagte das frühere Ratsmitglied in Hilchenbach, der hervorhob, seine Doktorarbeit selbst geschrieben zu haben – das müsste ja heutzutage klargestellt werden. Der Hilchenbacher ist für die Kölner Außenstelle des Bundesfamilienministeriums tätig und weiß aus Erfahrung: „Wir müssen mehr Geld in die Bildung investieren. Das ist der Schlüssel für den sozialen Aufstieg.“ Wichtig ist ihm zudem die Flüchtlingspolitik. Diese Herausforderung „hätten wir besser lösen können – dabei haben wir einen schlechten Job gemacht“, kritisierte der Hilchenbacher, der als wichtigste Baustellen die Bildung, die Sprachförderung und den Wohnungsbau nannte. Bernshausen forderte zudem, dass der Bund die Kommunen besser ausstatten müsse: „Der Bund hat genug Geld.“

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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