BIS AUF WEITERES
Drei Nüsse

SZ-Redakteur Andreas Goebel.
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Mein Lieblingsfilm an Heiligabend ist „Drei Nüsse für Aschenbrödel“, die tschechisch-ostdeutsche Kultproduktion von 1973. Ohne die bezaubernde Libuse Safránková und ihre Mitspieler gesehen zu haben, packe ich kein Geschenk aus. Der Film zieht mich stets aufs Neue in seinen Bann und er enthält manch ungelöste Frage. Zum Beispiel diese: Warum in Gottes Namen hat sich Aschenbrödels Vater (†) mit dieser Schabracke, Aschenbrödels Stiefmutter, eingelassen? Auch die gemeinsame Tochter, Dorchen... ein Biest ist das. Darüber kann ich, Spekulatius knabbernd, stundenlang nachdenken. Vor drei Jahren bin ich im Winter mal auf Schloss Moritzburg bei Dresden gewesen und habe mir die Original-Schauplätze angesehen. Drinnen gibt es eine Ausstellung, und auf der Schlosstreppe befindet sich ein goldener Schuh, den Aschenbrödel verliert, als sie vom Ball wegläuft.
Ich liebe an diesem Film alles, die Musik von Svoboda, die Kulissen, die Kostüme, die Dialoge. „Wie ich sehe, kannte ich bisher den Geschmack des Prinzen gar nicht“, raunt der König der Königin zu, als der Prinz sich auf dem Ball widerwillig eine Tanzpartnerin nimmt. Herrlich! Oder der König zum Präzeptor, als der Prinz mit seinen Freunden wieder mal davongeritten ist: „Sofort auffinden, zurückbringen und scharf rügen!“
Achten Sie mal auf die Jagdszenen. Jemand schießt also den Fuchs. Schnitt. Der Jäger hebt ihn auf, der Fuchs ist plötzlich steifgefroren wie ein Brett. Auch Rosalies Flugakrobatik am Nylonfaden ist Kult. Und wenn Sie noch einmal grüne, borkenkäferfreie Fichten sehen wollen, schalten Sie ein.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Schlussszene, wo der Prinz und Aschenbrödel in der Totale über das Schneefeld reiten und der Wind durch ihren Schleier und sein Gewand geht, eine Hommage an den Film Lawrence von Arabien mit Peter O’Toole ist. Ich freue mich schon sehr auf gleich, wenn es wieder heißt: „Die Wangen sind mit Asche beschmutzt, aber ein Schornsteinfeger ist es nicht...ein Hütchen mit Federn, die Armbrust über der Schulter, aber ein Jäger ist es nicht... ein silbergewirktes Kleid mit Schleppe zum Ball, aber eine Prinzessin ist es nicht, mein holder Herr.“
a.goebel@siegener-zeitung.de

Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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