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Ein Gefühl für erste Hilfe bekommen
DRK zeigt Herzdruckmassage & Co.

Petra Trogisch (l.) zeigt Swetlana Schoyda-Löwen, wie man im Ernstfall einen Menschen wiederbelebt.

ap Siegen. „Wir müssen die Leute regelrecht zwingen“, murmelt Petra Trogisch, während sie auf ein junges Paar in der Fußgängerzone vor der City-Galerie zugeht. „Haben Sie Lust, mal eine Herz-Lungen-Wiederbelebung an unserer Puppe auszuprobieren?“ – „Keine Zeit“, „Keine Lust“ oder „Neulich erst einen Kurs gemacht“ hören die stellvertretende Kreisrotkreuzleiterin und ihr Kollege nicht nur heute häufig als Antwort. Die beiden DRKler haben einen Informationsstand aufgebaut, wollen erklären, aufklären und den Siegenern die Angst nehmen, in einem Notfall etwas falsch machen zu können. „Man bekommt bei dieser Übung ein gutes Gefühl dafür, wie fest der Druck bei einer Herzmassage sein muss.

ap Siegen. „Wir müssen die Leute regelrecht zwingen“, murmelt Petra Trogisch, während sie auf ein junges Paar in der Fußgängerzone vor der City-Galerie zugeht. „Haben Sie Lust, mal eine Herz-Lungen-Wiederbelebung an unserer Puppe auszuprobieren?“ – „Keine Zeit“, „Keine Lust“ oder „Neulich erst einen Kurs gemacht“ hören die stellvertretende Kreisrotkreuzleiterin und ihr Kollege nicht nur heute häufig als Antwort. Die beiden DRKler haben einen Informationsstand aufgebaut, wollen erklären, aufklären und den Siegenern die Angst nehmen, in einem Notfall etwas falsch machen zu können. „Man bekommt bei dieser Übung ein gutes Gefühl dafür, wie fest der Druck bei einer Herzmassage sein muss. Und man ist dann im Ernstfall vielleicht auch etwas gelassener“, meint der DRK-Ausbildungsleiter bei der Aktion am Freitag. Wegschauen dürfe man nicht – weder aus moralischer, noch aus gesetzlicher Sicht. So besagt Paragraf 323 des Strafgesetzbuches: Man ist zum Helfen verpflichtet. Um Ersthelfer auf einen Notfall bestmöglich vorzubereiten, bietet das Rote Kreuz auch Kurse an.

Erste-Hilfe-Kurs selten freiwillig

Jedes Jahr seien es rund 8500 Teilnehmer, die dieses Angebot wahrnehmen, viele davon würden aber von Unternehmen dazu verpflichtet. Oft seien es auch Mitglieder aus Sportvereinen. „Nur 5 Prozent unserer Kursteilnehmer machen das freiwillig“, erzählt Wißmann. Das könne damit zu tun haben, dass die Kurse mittlerweile kostenpflichtig sind. 55 Euro müssen für das eintägige Seminar bezahlt werden. Im Gegenzug lernt man, Verbände anzulegen, Wunden zu versorgen oder Stauchungen zu behandeln.
Zurück zum Stand vor der City-Galerie: Passanten wechseln absichtlich die Straßenseite, um der direkten Konfrontation aus dem Weg zu gehen. Viele seien einfach sehr unsicher, erzählt Trogisch. Zu Unrecht – denn: „Man kann nichts falsch machen, außer man macht nichts“, darauf weist auch ihr Kollege Boris Wißmann immer wieder hin. So sei den Opfern schon sehr geholfen, wenn man in einer Notsituation für sie da ist, sie nicht alleine lässt. „Und einen Anruf tätigen, das kann doch wirklich jeder“, fügt er hinzu. In den vergangenen Jahrzehnten habe die Hilfsbereitschaft aus seiner Sicht trotz vieler Unsicherheiten zugenommen.

Wie geht Reanimation

Und so kommen nach einer Weile auch ein paar Neugierige mit ihren Fragen gezielt zu dem kleinen DRK-Stand in der Siegener Innenstadt. „Wie genau führt man eine Reanimation durch, und was muss man dabei beachten?“, ist wohl die am häufigsten gestellte Frage.
„Ein Puls ist nicht das, wonach man zuerst schauen sollte“, klärt das Team Swetlana Schoyda-Löwen auf. Stattdessen müsse die Atmung kontrolliert und bei einem Stillstand direkt mit den Reanimationsmaßnahmen losgelegt werden. Die 40-Jährige hört genau zu, bevor sie sich selbst an der Modellpuppe versuchen darf. Ihr letzter Erste-Hilfe-Kurs sei schon lange her, erzählt sie. „Ich glaube, der war beim Führerschein.“ Nach über zwanzig Jahren kommt ihr diese Auffrischung also gerade gelegen. „Für solche Fälle bieten wir übrigens auch Fresh-Up-Kurse an“, informiert Wißmann die neugierigen Passanten.

Was im Notfall zu tun ist

Petra Trogisch zeigt der Freiwilligen Schritt für Schritt, was sie im Notfall zu tun hat: Neben die betreffende Person knien, beide Hände übereinander auf die Brust legen, Arme richtig durchstrecken und das Brustbein mindestens vier Zentimeter eindrücken. Aufrecht müsse man sitzen und aus den Schultern arbeiten, „sonst hält man nicht lange durch“. Eine Beatmung sei erst einmal nicht erforderlich, da der Rettungsdienst meist zügig eintreffe.

Es geht um Leben und Tod

Mittlerweile hat sich eine kleine Menschentraube neben der silbernen Rettungsdecke gebildet. Neugierige Blicke, die Hälse werden gestreckt. Es geht hier schließlich um Leben und Tod. „Pumpen, Pumpen, Pumpen!“, ruft Trogisch energisch. „Keine falsche Scheu. Die Rippen können dabei brechen, aber das muss man in Kauf nehmen, das ist nicht schlimm.“

Defibrillator hilfreich

Zur Routine werde ein solcher Einsatz aber auch für die erfahrenen Helfer nicht. „Auch als Profi-Retter fühlt man sich ohne Hilfsmittel nackt. Uns geht es dann ganz genauso wie jedem anderen auch“, versichert Boris Wißmann. Oftmals befinde sich aber ein Defibrillator in der Nähe – beispielsweise in Sporthallen, Banken und anderen öffentlichen Gebäuden. „Der spricht übrigens mit einem und gibt genaue Anweisungen, was zu tun ist. Hierbei kann man wirklich nichts falsch machen.“
Um beim Nachwuchs erst gar keine Unsicherheiten aufkommen zu lassen, gebe es regelmäßig Veranstaltungen in Kindergärten und Grundschulen. „Eine Heranführung an Notfallsituationen schon im jungen Alter kann die Angst fürs spätere Leben nehmen“, da ist sich das Team sicher.

Autor:

Alexandra Pfeifer

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