»Du kannst ein Segen sein«

Frauentag in Trupbach sorgte wieder für ein volles Haus / Zu fester Institution geworden

Trupbach. Wenn die Organisatorinnen des Frauentages in Trupbach sich an die Vorbereitungen dieses Tages in der dortigen evangelischen Auferstehungskirche machen, haben sie dabei immer einen Leitgedanken im Kopf: Gibt es derzeit ein aktuelles Thema, bei dem es sich lohnt, dieses einmal näher aus der Perspektive des christlichen Glaubens heraus zu beleuchten? Und wie können wir es vorstellen, dass es möglichst alle Generationen anspricht? Unterstützung holen sie sich dabei in jedem Jahr von kompetenten Referenten. Beim Frauentag handelt es sich um eine Veranstaltung, die in dem westlichen Siegener Stadtteil und in den angrenzenden Ortschaften seit fast drei Jahrzehnten jeweils am ersten Donnerstag im Februar zu einer festen Institution geworden ist.

So auch dieser Frauentag, der unter der Überschrift »Du kannst ein Segen sein« stand. Elfriede Neef und ihre Organisationshelferinnen setzten für dieses Thema auf das Ehepaar Christa und Dirk Lüling aus Lüdenscheid vom dortigen »Team F - Neues Leben für Familien«. Was die beiden Eheleute, selbst Eltern von fünf Kindern, an diesem sonnigen Wintertag in der voll besetzten Auferstehungskirche an Erkenntnissen zu praktischen Lebenshilfen unter dem Leitfaden der Bibel weitergaben, fasste gleichzeitig treffend zusammen, woran derzeit viele Menschen in diesem Land kranken und was letztlich immense Folgekosten im wahrsten Sinne des Wortes in unseren öffentlichen Haushaltskassen verursacht: Das Nicht- oder nur sehr unzulängliche Funktionieren von Familien- und anderen Beziehungen.

Dafür bedurfte es gleich zu Beginn der Ausführungen von Christa Lüling keiner hochtrabenden wissenschaftlichen Psychologieabhandlungen. Stattdessen startete die überzeugte Christin Lüling mit ganz einfachen Fragen: »Wie geht das im Alltag, ganz praktisch, dass Gottes Segen in der Ehe, in der Beziehung zu den Kindern oder zu den Mitarbeitern fußt? Wünschen sich nicht alle Menschen, in gesegneten Beziehungen zu leben? Was will ich demnächst davon umsetzen?« Danach sprach sie über ihre Erfahrungen im »Team F«, bei dem sie es immer wieder mit Menschen zu tun hätten, die sich bis dahin noch nie von Gott gesegnet gefühlt hätten, weshalb Segnungen beim »Team F« einen festen Bestandteil ausmachten. Warum das so sei, dafür gibt es für Christa Lüling einen handfesten Grund: Gott selbst habe die Menschen zum Segnen beauftragt. Dazu verwies sie auf verschiedene Bibelstellen. Danach erwähnte sie so bekannte Personen wie Friedrich Bodelschwingh oder Albert Schweitzer, die für andere Menschen zum Segen geworden seien, bevor sie dann auf die unzähligen Frauen einging, die im Stillen zum Segen geworden seien, ohne dass man je etwas von ihnen gehört habe. Dies gelte nicht zuletzt für die Mütter vieler bedeutender Männer in der Kirchengeschichte, die letztlich durch den starken Glauben ihrer Mütter zu dem geworden wären, was sie später gewesen seien.

Ergänzend dazu zitierte Dirk Lüling die Bibelverse 1. Mose 27, 26 bis 29 aus dem Alten Testament. Dort wird die Geschichte Isaaks erzählt, der vor seinem Tod seinen ältesten Sohn Esau segnen möchte, weshalb sich seine Frau Rebekka einer List bedient, damit auch dem jüngeren Sohn Jakob dieser Segen zuteil wird. Im Anschluss daran gelang es Lüling, vor seinen Hörerinnen den Bogen von diesem alttestamentarischen Segnen zu den heutigen Menschen am Beginn des dritten Jahrtausends zu spannen: Mit dem Segnen werde eine Wertschätzung ausgedrückt, damit der Gesegnete eine Identität erhalte und dass er letztlich somit seine Lebensbestimmung erhalte. Übersetzt in die heutige Sprache heiße das zum Beispiel, dass Eltern ihrem Kind vermitteln »Du bist in Ordnung. Ich akzeptiere dich, so wie du bist«. Dabei kann diese Wertschätzung nach Auffassung von Lüling auch ohne Sprache vermittelt werden, z.B. in einer liebevollen, angemessenen bedeutsamen Berührung. Dazu zählen seiner Meinung nach Dinge wie Hand auf die Schulter legen, Ankuscheln, über den Rücken streicheln oder einen Kuss geben. Auch Ehepartner sollten seiner Ansicht nach im Laufe ihrer Ehe nicht verlernen, solche äußerlichen Zeichen der gegenseitigen Wertschätzung zu vermitteln. Ja, selbst im Umgang mit Mitarbeitern könnte ein aufmunterndes Auflegen der Hand auf die Schulter des anderen viel bewegen, damit der andere sich anerkannt fühle, dass er das Gefühl habe, dass seine geleistete Arbeit in Ordnung sei.

Auch in ihrer Arbeit bei »Team F« erführen sie immer wieder, was es für Menschen zeitlebens bedeute, wenn sie in ihrer Kindheit keine Segnungen, keine Zeichen der Wertschätzung, erfahren hätten, so Lüling weiter. Was solche Menschen auszeichne, sei eine große innere Leere, die sie zeitlebens mit irgend etwas zu stopfen versuchten – sei es mit Süchten wie Ess-, Alkohol- Spiel- und Drogensucht, aber auch dem Aufsitzen von obskuren Sekten usw.

Andererseits dürften solche Berührungen der Wertschätzung nie anderen Menschen aufgezwungen werden. Das gelte ganz besonders für Menschen, die in ihrer Kindheit oder Jugend missbraucht worden seien, aber auch bezüglich des Umgangs mit Menschen, die diese Form der Wertschätzung nicht gewohnt seien. Neben den Vorträgen von Christa und Dirk Lüling standen auch in diesem Jahr gemeinsames Singen, Mittagessen und Kaffeetrinken auf dem Programm. Daneben gab es auch diesmal wieder einen großen Büchertisch. Nicht zuletzt ist der Frauentag aber auch immer ein Tag, an dem ausgiebig miteinander geplaudert wird. Und das generationenübergreifend, weshalb auch in diesem Jahr wieder für eine entsprechende Kinderbetreuung gesorgt wurde. CD’s zum Frauentag können unter Tel. (0271) 371053 bestellt werden.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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