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Corona als Brandbeschleuniger
Dunkles Jahr für Automobilzulieferer

Corona hat die Autozulieferer zur Unzeit getroffen – schließlich steht die Branche ohnehin vor großen Herausforderungen.
  • Corona hat die Autozulieferer zur Unzeit getroffen – schließlich steht die Branche ohnehin vor großen Herausforderungen.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

damo Siegen/Olpe/Betzdorf. „Corona hat wie ein Brandbeschleuniger gewirkt“: Mit diesem Satz bringt Klaus Gräbener das Dilemma der Autozulieferer auf eine einfache Formel. Denn die Pandemie hat die Branche zu einem Zeitpunkt erwischt, als ohnehin die Herausforderungen gewaltig waren, ruft der Hauptgeschäftsführer der IHK Siegen in Erinnerung. Wer sich um die Zukunft des Verbrennungsmotors sorgen und zugleich die Digitalisierung in den Fokus nehmen muss, hat genug zu tun – auch ohne Lockdown.
Ernste LageAber: Gräbeners Fazit fällt bei Weitem nicht so negativ aus wie eine aktuelle Pressemitteilung von PricewaterhouseCoopers. Die PwC-Wirtschaftsprüfer mahnen, dass bei vielen Autozulieferern die Liquiditätspuffer aufgebraucht seien.

damo Siegen/Olpe/Betzdorf. „Corona hat wie ein Brandbeschleuniger gewirkt“: Mit diesem Satz bringt Klaus Gräbener das Dilemma der Autozulieferer auf eine einfache Formel. Denn die Pandemie hat die Branche zu einem Zeitpunkt erwischt, als ohnehin die Herausforderungen gewaltig waren, ruft der Hauptgeschäftsführer der IHK Siegen in Erinnerung. Wer sich um die Zukunft des Verbrennungsmotors sorgen und zugleich die Digitalisierung in den Fokus nehmen muss, hat genug zu tun – auch ohne Lockdown.

Ernste Lage

Aber: Gräbeners Fazit fällt bei Weitem nicht so negativ aus wie eine aktuelle Pressemitteilung von PricewaterhouseCoopers. Die PwC-Wirtschaftsprüfer mahnen, dass bei vielen Autozulieferern die Liquiditätspuffer aufgebraucht seien. Und da die Branche erst 2023 auf Absatzmengen wie vor der Krise hoffen dürfe, sei die Lage sehr ernst.

Kleine Verbesserung zu erkennen

Natürlich spricht auch Gräbener von dramatischen Umsatzeinbußen – wen wundert’s, wenn im Frühsommer die Bänder praktisch aller großen Autokonzerne gestanden haben? Aber er sieht eben auch, dass die vergangenen zwei, drei Monate deutlich besser waren – das jedenfalls sei die Botschaft, die er zuletzt immer wieder im Dialog mit den regionalen Unternehmen aus der Automotive-Branche gehört habe. Speziell im September und Oktober seien die Umsätze bei vielen Betrieben in Südwestfalen deutlich gestiegen. „Gemessen an dem, was im Frühjahr zu erwarten war, ist das sehr positiv“, meint Gräbener im Gespräch mit der SZ.

Jedes Prozent zählt

Diese Einschätzung bestätigt auch Christian Herrmann, Geschäftsführer der Firma Krah in Drolshagen, die 70 Prozent ihres Umsatzes in der Automotive-Sparte generiert. „Ja, die Situation ist besser geworden“, sagt er, schränkt aber ein: „Mittlerweile freut man sich über jedes Prozent, dass man nicht so tief rutscht, wie man es im Frühjahr befürchtet hat.“Denn unter dem Strich stehe im Jahr 2020 wohl ein zweistelliges Umsatzminus.

Branche unter Druck

Und so geht es vielen Betrieben, pflichtet ihm Werner Schmidt bei. Als Geschäftsführer des Verbunds Innovativer Automobilzulieferer in Südwestfalen (VIA) kann Schmidt für viele Betriebe aus der Region sprechen – und es klingt wenig Optimismus an. „Die Branche steht massiv unter Druck“, sagt er, die Umsatzeinbußen aus dem ersten Lockdown seien schlichtweg kaum zu kompensieren. Und was der neue „Lockdown light“ bedeute, sei zwar noch nicht spruchreif, aber absehbar: Denn auch, wenn die Industrie weiter laufe, müsse man mit einer Verunsicherung in der Bevölkerung rechnen – und die bremse den Konsum.

Kapital für Forschung und Investition

In der Summe führe all das zu genau den Liquiditätsengpässen, auf die PwC hingewiesen habe – und sie träfen die Branche zur Unzeit. „Liquidität ist genau das, was man braucht, um den Wandel voranzutreiben“, sagt er mit Blick auf die viel zitierte Transformation der Branche. Gerade wenn Unternehmen auf Themen wie E-Mobilität oder Digitalisierung reagieren müssten, benötigten sie Kapital für Forschung und Investition: „Und das wird von Corona aufgezehrt.“

Probleme auch bei Zulieferern der Zulieferer

Vor diesem Problem stehen beileibe nicht nur die großen Player, gibt Oliver Rohrbach zu bedenken. Im SZ-Gespräch weist der Geschäftsführer der IHK Altenkirchen darauf hin, dass Umsatzeinbußen bei den Autozulieferern einen Rattenschwanz nach sich ziehen: „Da hängen ja noch die vielen Zulieferer der Zulieferer dran.“ Und gerade diese Kleinunternehmen, oft nur zehn bis 15 Mitarbeiter zählend, hätten weder eine Forschungsabteilung noch Rücklagen, die große Investitionen in die Zukunft zulassen.

Marathon statt Kurzstrecke

Und der Blick voraus? Erahnen die Akteure vor Ort denn zumindest Licht am Ende des Tunnels? Wenn, dann nur sehr dezent. Gräbener spricht von „einem Marathonlauf, nicht von einer Kurzstrecke“, Christian Hermann teilt die Einschätzung der Unternehmensberatung PwC, dass wohl auch 2022 keine Konsolidierung bringen wird: „Ich rechne frühestens 2023 mit einer Rückkehr zum Vorkrisenniveau.“
Grund genug für Dr. Hanni Koch, Mitglied der VIA-Geschäftsleitung, eindringlich davor zu warnen, die ohnehin schon angespannte Situation der Branche zusätzlich zu verschärfen. Adressat dieses Appells ist die IG Metall. „Sorge bereitet mir schon jetzt, dass die IG Metall deutliche Lohnerhöhungen fordert. Das stellt die Unternehmen vor große Fragen.“
Wünschenswert wäre aus Sicht der Branche vielmehr ein Stück Verlässlichkeit, was Regeln und Auflagen angeht. Und: Dass der Abgesang auf den Verbrennungsmotor nicht künstlich befeuert wird, mahnt Christian Hermann. Oliver Rohrbach springt ihm zur Seite: „Der Motor ist zugleich Motor der deutschen Wirtschaft. Wir sollten nicht alle an diesem Ast herumsägen.“

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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