Eigene Entführung vorgetäuscht

Ein 17-Jähriger soll seine eigene Entführung vorgetäuscht und so seinen Vater erpresst haben. Foto: Archiv
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damo - Hans-Jürgen E. (Namen geändert) hat im Februar 2014 in seinem E-Mail-Postfach eine Nachricht von „die_entfuehrer@yahoo.com“ gefunden. Unter dem Betreff „Ihr Sohn“ wurde dem Mann aus der Verbandsgemeinde Betzdorf folgendes mitgeteilt: „Wir haben Ihren Sohn in unserer Gewalt ... Wir sind Profis, machen das nicht zum ersten Mal. Unsere Nummernschilder sind geklaut ... und wir hinterlassen nicht einmal unsere DNA ... Unsere Bedingungen sind unverhandelbar.“ Dann folgte die Forderung der vermeintlichen Entführer: Hans-Jürgen E. sollte 500 Bitcoins, eine virtuelle InternetWährung im Gegenwert von damals rund 300.000 Euro, auf ein Nummernkonto überweisen. Und zwar zügig: Jeder Tag Verzögerung koste ihn weitere 50 Bitcoins – und seinen Sohn zwei Finger.

Hans-Jürgen E. zahlte nicht, denn er glaubte nicht an eine Entführung. Und seine Zweifel waren begründet: Sein damals 17-jähriger Sohn Mike hatte sich praktisch selbst entführt. Sein Kumpel Martin U. hatte ihn nach Berlin gefahren, dort war er bei einem Bekannten von Martin U. untergetaucht, und von dort aus war die Erpresser-E-Mail abgeschickt worden. Bis hierhin hatte der Plan der jungen Männer funktioniert – aber fortan ging alles gründlich daneben.

Als Mike E.s Vater nämlich die Polizei eingeschaltet hatte und die Fahndungsmaschinerie angelaufen war, wurde den jungen Männern die Sache offensichtlich zu heiß. Mike E. stellte sich in Berlin der Polizei. Und so endete die Geschichte nicht wie geplant mit einer Bitcoin-Überweisung und einer spektakulären Freilassung des Entführten in Polen, sondern am Frankfurter Hauptbahnhof. Die Berliner Polizisten hatten den 17-Jährigen in den Zug nach Frankfurt gesetzt, und dort nahm ihn sein Vater in Empfang – und zwar denkbar schlecht gelaunt.

Am Donnerstag nun hat der Epilog dieser obskuren Geschichte begonnen, und zwar vor dem Betzdorfer Jugendschöffengericht. Dort müssen sich die vier Männer für ihre Tat verantworten. Zwei von ihnen sollen gemeinsam mit Mike E. die Tat geplant und durchgeführt haben: Den drei Männern, die heute allesamt zwischen 20 und 23 Jahre alt sind, wird versuchte räuberische Erpressung vorgeworfen. Dem vierten im Bunde, dem Besitzer der Berliner Wohnung, legt die Staatsanwalt Beihilfe zur Last.

Am Donnerstag haben sich drei der vier Angeklagten zu den Tatvorwürfen geäußert; Martin U., der das vermeintliche Entführungsopfer mitten in der Nacht nach Berlin gefahren hatte, schwieg beharrlich. Aber auch ohne seine Aussage wurden im Laufe des ersten Verhandlungstages mehr als genügend verschiedene Versionen der Geschichte erzählt. Die Aussagen der Angeklagten standen nicht nur untereinander in Kontrast. Auch zwischen dem, was die Angeklagten bei der Polizei berichtet hatten, und ihren Aussagen von gestern klaffen teils gewaltige Lücken.

Der Prozess wird in der kommenden Woche fortgesetzt.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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