Eigentlich hätte es immer so weitergehen können

Ein kulturelles Rundum-Verwöhnangebot für Augen und Ohren: die »Wiener Johann Strauß Walzer-Gala« in der Siegerlandhalle

aww Siegen. Millionen von Menschen in der ganzen Welt hat der »Walzerkönig« Johann Strauß (Sohn) mit seinen unvergleichlichen Melodien Freude gebracht. Auch heute noch ist die Popularität seiner großen Erfolge ungebrochen, und gerade zu Beginn eines neuen Jahres gehören die Werke des Wiener Komponisten traditionell zum Standardprogramm in vielen Konzertsälen. Umso erstaunlicher, dass die »Wiener Johann Strauß Walzer-Gala« am Dienstagabend in der Siegerlandhalle nur vergleichsweise wenig Publikumsinteresse fand.

Unverdienterweise, um es vorweg zu nehmen, wurde doch in allen Belangen Hochklassiges geboten: Die Wiener Johann-Strauß-Philharmonie unter der musikalischen Leitung von Wilhelm Keitel sowie die Mezzosopranistin Krisztina Nèmeth sorgten dafür, dass es klanglich jederzeit ums Beste bestellt war, und die drei jungen Tanzpaare des Wiener Johann-Strauß-Balletts mit ihren prächtigen Kostümen boten beeindruckende Performances fürs Auge. Nicht zuletzt war die Halle abgedunkelt und die Bühne stimmungsvoll ausgeleuchtet worden, und auch der Bühnenhintergrund, dessen Zentrum das güldene Konterfei eines Geige spielenden Johann Strauß zierte, präsentierte sich hübsch ausstaffiert. Zu alledem versorgte Wilhelm Keitel, Dirigent und Moderator in Personalunion, das Publikum bei seiner Reise durch Musik und Leben von Johann Strauß mit einigem Wissens- und Schmunzelnswertem.

In der Summe heißt das: Alles passte, nur hätten eben die Reihen im Zuschauerraum ein wenig besser gefüllt sein können. Die paar hundert Zuhörer/innen allerdings, die gekommen waren und nach dem rund zweieinhalbstündigen Konzert ihrer Begeisterung laut applaudierend Ausdruck gaben, dürfen sich glücklich schätzen, einen Abend mit unvergessenen Melodien von Johann Strauß (Sohn) – aber auch anderen Komponisten wie Johann Strauß (Vater) oder Franz Lehár – erlebt zu haben. Einen Abend mit berühmten »Hits« und weniger bekannten »Schätzchen«, einen Abend zwischen schmissigen Marschklängen, mitreißenden Operetten-Auszügen und reinster Walzerseligkeit.

Dass der jüngere Johann Strauß nicht nur ein Meister des Walzers, des Marsches, der Polka war, ließ das trotz verhältnismäßig kleiner Besetzung sehr dicht und voluminös klingende Orchester bei den Ouvertüren zu den Operetten »Die Fledermaus« und »Der Zigeunerbaron« hören, mit denen die beiden Konzertteile eröffnet wurden. Spritzig und heiter kam die erstere so recht Strauß-typisch daher, während letztere zunächst mit ungewohnt düsteren, fast dramatischen Klängen einen interessanten Kontrast bildete – bis sich auch hier freilich wieder der fröhliche Dreivierteltakt Bahn brach.

Viele folkloristische Einflüsse waren an diesem Abend zu hören – arabische im »Egyptischen Marsch« op. 335 (bei dem die Philharmoniker auch lautstark ihre Sangeskünste bewiesen), orientalische im »Persischen Marsch« op. 289, osteuropäische im »Russischen Marsch« op. 426 und in dem von peppigen Tanzchoreografien begleiteten »Eljen á Magyár« (Hoch auf die Ungarn) op. 332. Beim rasanten »Perpetuum Mobile« op. 257 demonstrierten sowohl Orchester als auch die sich sehr schön synchron bewegenden Tänzer/innen ihre Virtuosität, bevor sich die Ballett-Mitglieder zu den Klängen des Marsches »Freiwillige vor« sechs Besucher/innen aus den Publikumsrängen heraussuchten. Denen brachte Dirigent Keitel erst einmal die Trillerpfeifen-Töne bei – als es dann mit dem gemeinsamen Einsetzen und wieder Aufhören einigermaßen klappte, durften die sechs mit ihren »Instrumenten« kräftig das Orchesterstück »Vergnügungszug« verzieren. Ein schriftliches Diplom war den Tapferen für ihre für ihre tolle Leistung gewiss.

Für weitere Farbtupfer im Programm sorgte Sängerin Krisztina Nèmeth mit klarer, kräftiger Stimme und gelungenen Liedbeiträgen – sei es bei der anspruchsvollen, mit Koloraturen angereicherten »Czardas« aus der »Fledermaus«, dem sanften, lyrischen Vilja-Lied aus der »Lustigen Witwe« von Franz Lehár, dem dramatischen »De Jô is lenne...« aus Emmerich Kálmáns »Gräfin Mariza« oder auch dem hochmelodischen Schmachtfetzen »Meine Lippen, sie küssen so heiß«.

Und dann natürlich die Essenz: die Walzer von Johann Strauß (Sohn). Mit »Rosen aus dem Süden« op. 338 und dem »Kaiserwalzer«, bei denen die Tanzpaare nur so über die Bühne wirbelten, sowie dem weltberühmten »An der schönen blauen Donau« waren drei herausragende Beispiele ihrer Gattung im Programm. Verständlich, dass das Publikum so schnell nicht genug bekommen konnte. Bei der Zugabe kam dann auch Johann Strauß (Vater) zu Ehren: Dessen »Radetzky-Marsch« hat sicher einen ebenso festen Platz in der Musikgeschichte eingenommen, wie die bekanntesten Werke seines Sohnes. Ganz zum Schluss war noch einmal das »Perpetuum Mobile« zu hören. Und eigentlich hätte es immer so weitergehen können...

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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