Ein Abend mit Poe

Uwe Sommerlad war Edgar Allen Poe und inszenierte, gekonnt lesend, zwei „seiner“ Erzählungen. Foto: gmz
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gmz Weidenau. Die Ingredienzien für ein gepflegtes Eintauchen in ein wohliges Gruseln waren perfekt: Auf dem Tisch thronte der unvermeidliche Totenschädel, dessen Grinsen ebenso sardonisch schien wie das des Vorlesers (und Autoren) Uwe Sommerlad aus Frankfurt. Auf den (hoffentlich) staubbedeckten Spinnweben auf dem schwarzen Tischtuch stand ein fast blinder Spiegel und blitzte hin und wieder im Lichtschein auf, geheimnisvolle Folianten hüteten ihr Geheimnis, eine (nur von „Geisterhand“ zu betreibende) Lampe zeichnete einen spannenden Lichtkegel in die Dunkelheit des Raumes im Medienzentrum der Universität Siegen. Einen Lichtkegel, in dem die in totenschwarz gehüllten Figuren mit dem irrsinnigen Lächeln kurz auftauchten, um sich dann sich wieder vom Dunkel verschlingen zu lassen.

Sogar Edgar Allan Poe höchstselbst, ein Wegweiser der modernen Literatur, der modernen Kurzgeschichte vor allem, war erschienen, um zwei seiner Geschichten zu lesen. Er wurde extra von den Studenten des Seminares „Organisation eines Literaturfestivals“ unter der Leitung von Natasza Stelmaszyk „geholt“, um diesen „Abend mit dem Meister des Grauens“ zu gestalten.

Die inszenierte Lesung fügt sich ein in ein dreitägiges „Literaturfestival Siegen“ unter dem Motto „Bücher Siegen“, das von den Studenten organisiert wurde, mit Bücherständen, einer Märchenfahrt im Hübbelbummler, einer Lesung mit Helmut Höge und einer mit Thomas Gsella. Uwe Sommerlad las, nein: spielte, fast ist man sogar versucht zu sagen „lebte“ Poe – mit „Das Fass Amontillado“ und „Das verräterische Herz“ hat er zwei Erzählungen ausgesucht, die in ihrer Beschreibung des Grauens und der existenzbetäubenden Angst eben genau auf all die offensichtlichen und altbewährten Horrorszenarien verzichteten, die ausgebreitet waren, auch wenn natürlich der Amontillado nicht ohne den Salpeter auskommt, der sich an jeder Buchseite ablagert.

Poe holt eben nur das Grauen hervor, das in den Gedanken eines jeden Menschen versteckt ist. Der „Wahnsinn ist der wahre Schrecken“, formuliert es „Poe“ selbst in der „Fragestunde“ des Publikums. Effektvoll verstärkt wurde die Lesung durch eine Geräuschkulisse, die das Tropfen des Salpeter-Wassers plastisch werden ließ, das Kratzen der Mauerkelle oder das Klopfen des „verräterischen Herzens“. „Das war ein wirklich guter Spaß“, kann man am Ende des Abends, frei nach Poe, festhalten und das Lachen gefriert bei der Erinnerung an den Kontext des Zitats.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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