Ein Baby-Schrei rettete Leben

Gestern erinnerte die Kranzniederlegung am Dicken Turm an den 71. Jahrestag der Bombardierung der Stadt Siegen. Foto: kalle
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kalle - Vor 71 Jahren erlebte die Stadt Siegen ihr größtes Unglück. Alliierte Flugzeuge ließen am 16. Dezember 1944 ihre fürchterliche Bombenfracht über der Stadt niedergehen. Die Stadt war danach zu großen Teilen zerstört. Daran erinnerte die traditionelle Kranzniederlegung, die Siegens Bürgermeister Steffen Mues und seine beiden Stellvertreter, Angelika Flohren und Jens Kamieth, vollzogen. Bürgermeister Steffen Mues in seiner kurzen Begrüßungsrede: „Wir stehen immer noch fassungslos vor den verheerenden Folgen des nur siebenminütigen Angriffs auf Siegen. 348 Menschen starben. Sie bleiben lebendig in unserem Gedächtnis und sind uns Mahnung: Ein solcher Tag darf sich niemals wiederholen, weder hier, noch irgendwo sonst auf der Welt!“

nja - Den 16. Dezember 1944, jenen traurigen Tag vor nunmehr 71 Jahren, an dem weite Teile Siegens in Schutt und Asche bombardiert wurden, werden die Zeitzeugen von damals ihr Leben lang nicht vergessen. Helmut Schröers aus Eichen war in gewisser Weise ein solcher Zeitzeuge, kann sich aber, aus verständlichen Gründen, nicht erinnern – war er damals doch gerade einmal drei Monate und zwölf Tage auf der Welt. Und doch weiß er – aus Erzählungen seiner Mutter – Berührendes über jenen Tag zu berichten.

Sein Zuhause war damals die Hundgasse in der Siegener Oberstadt. Eigentlich, so verriet er der Siegener Zeitung, sei er ein sehr ruhiges Kleinkind gewesen. „Wenn ich aber mal geschrien habe, packte mich meine Mutter aus Angst, die alliierten Flieger könnten kommen, in ein Körbchen und eilte mit mir in den Schutzbunker beim Kaufhof.“ So auch am 16. Dezember 1944. Der Vater war als Soldat an der Front; Sohn Helmut erhob seine Stimme – die Mutter packte ihn samt einem Fläschchen Milch in besagten Korb und eilte Richtung Bunker. Das Duo hatte nicht mehr als 150 Meter zurückgelegt, so weiß der Eichener Rentner aus Erzählungen, „da stand unser Haus nicht mehr. Eine Bombe hatte es getroffen“.

Das Zuhause war verloren – zwei Leben aber gerettet. Doch wo sollten sie nach Abzug der Flieger nun unterkommen – fürderhin leben? Das wenige verbliebene Hab und Gut und auch Sohn Helmut fanden Platz in einem Bollerwagen. Mit ihm zog die Mutter Richtung nördliches Siegerland und über die Krombacher Höhe bis nach Stachelau ins elterliche Haus. Das Sauerland wurde zur neuen Heimat.

Helmut Schröers erzählt dies in Dankbarkeit für die glückliche Fügung, dass Mutter und Sohn die heimischen vier Wände rechtzeitig verlassen hatten und zudem nicht in der Fremde Sicherheit und Unterschlupf finden mussten, sondern in familiären Strukturen Geborgenheit fanden: Ein versöhnliches Ende eines traurigen Kapitels, das sich viele der heutigen Flüchtlinge sicherlich auch wünschen würden.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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