Ein „Blind Date“ mit Fragezeichen

 „Der Name ist Programm“, sagt Eigentümer Thomas Heeder über das „Blind Date“. Es werde aber in dem gastronomischen Betrieb nicht zu sexuellen Handlungen kommen. Foto: Martin Völkel
  • „Der Name ist Programm“, sagt Eigentümer Thomas Heeder über das „Blind Date“. Es werde aber in dem gastronomischen Betrieb nicht zu sexuellen Handlungen kommen. Foto: Martin Völkel
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vö - Gut möglich, dass der Dorfverein Aue-Wingeshausen auf seiner Internetseite in Kürze neben Wisent-Wildnis, Kletterfelsen, Wanderwegen und Skilift eine weitere Attraktion bewerben kann: das „Blind Date“ in der Auer Ortsmitte. Doch Spaß beiseite, vielen Menschen in Aue und Wingeshausen ist angesichts der jüngsten Entwicklung im früheren „Bier-Eck“ offenbar das Lachen vergangen. Denn seit die Beschilderung am Gebäude angebracht wurde und seit die Werbung im Internet auf Touren läuft, ist für einige Anwohner die Sache klar: In der Auer Ortsmitte entstehe ein Bordell, zumindest aber ein Swinger-Club. Schaulustige berichteten der SZ davon, dass bei den Renovierungsarbeiten in den vergangenen Wochen „bereits die Plüsch-Ecken eingerichtet wurden“.

„Stimmt nicht, hier ist ein Hype in den Ortschaften entstanden, der völlig in die falsche Richtung geht“, sagte Thomas Heeder am SZ-Telefon. Der Dachdeckermeister aus Kirchhundem-Rahrbach hat die Immobilie in bester Lage vor einigen Wochen von Michael Burkert gekauft und möchte dort nach eigener Aussage „eine Kennenlern-Bar“ eröffnen. Hier hat der Unternehmer klare Vorstellungen: „Wir bieten top Musik und eine top Location. Es wird aber definitiv keine sexuellen Handlungen und auch keine professionellen Damen geben.“ Das sei nicht zuletzt in der Hausordnung klar geregelt. Thomas Heeder war sich sicher, „dass sich die Gemüter auch wieder beruhigen werden, wenn wir einmal an den Start gegangen sind“. Er peile mit seiner Mannschaft in Aue eine professionelle Gastronomie an, Musik sei sein Hobby, „ich lege schon lange als DJ auf“.

Dass der Name des gastronomischen Betriebes („Blind Date – No Limits“) durchaus etwas provokant gewählt sei, räumte der Unternehmer ein: „Der Name ist Programm.“ Zudem dürfte der Internet-Auftritt zu den eingangs beschriebenen Irritationen in der Bevölkerung beigetragen haben. Dort lädt nämlich der Veranstalter „Erotik-Events“ am Samstag, 21. Januar, ab 20 Uhr zu einer so genannten Preview-Party an die Kappelstraße ein – „für maximal 60 Personen in geschlossener Gesellschaft“. Konkret werde die gesamte Location einem Testlauf unterzogen, „von Heizung, Lüftung, Licht und Kühlmaschinen bis hin zum Dancefloor“. Denn, so heißt es im Internet: „Wichtig für uns als zukünftiger Gastgeber ist, dass alles reibungslos funktioniert und wenn nicht, dass wir es im Vorfeld bis zur großen Eröffnungsparty beheben können. Unser Ziel ist es, für euch eine rundum Wohlfühl-Oase zu schaffen.“

Von den Gästen der Party erwarte man unverblümte Kritik und konstruktive Verbesserungsvorschläge „wie auch Lob, wenn wir es verdient haben“. Alle Anmeldungen gingen vorab auf die bekannte Warteliste und würden im Zuge einer Auslosung am, 10. Dezember freigeschaltet. Anonymisierte Anmeldungen würden nicht berücksichtigt. Interessant in diesem Zusammenhang die „Los-Varianten“: „20 Paare, 10 Solofrauen, 10 Soloherren.“ Gäste der Preview-Party seien mit einem Kostenbeitrag von 25 Euro dabei. Regina Linde, Pressesprecherin der Stadt Bad Berleburg, sagte auf SZ-Anfrage, dass die Stadtverwaltung bislang noch keine Konzession vergeben habe. Fakt sei allerdings, dass eine Verlängerung der Konzession aus der vorherigen gastronomischen Nutzung nicht mehr in Frage komme, weil das Gebäude zu lange leer gestanden habe.

Richtig sei, dass der neue Eigentümer des Gebäudes ein Vorgespräch im Rathaus geführt und dort „eine normale Musikkneipe“ angekündigt habe, die er im früheren „Bier-Eck“ plane. Von einem gastronomischen Betrieb mit Verköstigung sei dort die Rede gewesen. Wenn man sich nun allerdings die Werbung im Internet genauer ansehe, „muss man zu dem Schluss kommen, dass es eine gewisse Diskrepanz gibt zwischen dem, was uns angekündigt wurde und dem, was dort genau umgesetzt werden soll“. Anders ausgedrückt: Es sei ziemlich offensichtlich, dass es sich nicht um eine normale Musikkneipe handele.

Die Sprecherin der Stadtverwaltung räumte allerdings ein, dass es sich bei dem Standort um ein Mischgebiet aus Wohnbereich und gewerblicher Nutzung handele „und dort nicht willkürlich Planungen abgelehnt werden können“. Um die Konzession zu bekommen, müsse der Eigentümer jedenfalls noch Unterlagen nachreichen. Der ist aber mit Blick auf das Gesamtprojekt guter Dinge: Mitte Februar solle das „Blind Date“ endgültig an den Start gehen. Bis dahin sei im Gebäude noch einiges zu erledigen. Die Räumlichkeiten würden im Vergleich zum früheren „Bier-Eck“ definitiv „weitreichend verändert“.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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