SZ

Digitale Uni wegen Corona
Ein Dozent bereitet sich vor

Das Audimax ist verwaist. Hier finden normalerweise große Vorlesungen zum Beispiel in Betriebswirtschaftslehre statt. Daran ist im Augenblick nicht zu denken. Die Professoren müssen sich ganz neue Lehrformate einfallen lassen.
2Bilder
  • Das Audimax ist verwaist. Hier finden normalerweise große Vorlesungen zum Beispiel in Betriebswirtschaftslehre statt. Daran ist im Augenblick nicht zu denken. Die Professoren müssen sich ganz neue Lehrformate einfallen lassen.
  • Foto: Uni Siegen
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

ihm Siegen. Zwei Seminare und eine Ringvorlesung hat Anglistik-Professor Dr. Daniel Stein in diesem Sommersemester vor der Brust. Eigentlich wie immer, aber doch ganz anders als sonst. Daniel Stein richtet sich, wie er im SZ-Gespräch sagt, auf ein digitales Semester ein. Zwar spricht die Hochschulleitung von einer digitalen Phase zunächst nur bis zum 3. Mai, aber ob danach tatsächlich wieder in großem Stil Präsenzveranstaltungen stattfinden können, weiß im Moment niemand.
Mehr Teilnehmer möglich„American cultural history“ und „Graphic women“ sind die Titel der beiden Kurse, die der Anglistik-Professor in diesem Semester anbietet. Normalerweise sind höchstens 35 Studenten pro Kurs zugelassen. „Jetzt habe ich mehr Leute aufgenommen, obwohl die Veranstaltung eigentlich voll war.

ihm Siegen. Zwei Seminare und eine Ringvorlesung hat Anglistik-Professor Dr. Daniel Stein in diesem Sommersemester vor der Brust. Eigentlich wie immer, aber doch ganz anders als sonst. Daniel Stein richtet sich, wie er im SZ-Gespräch sagt, auf ein digitales Semester ein. Zwar spricht die Hochschulleitung von einer digitalen Phase zunächst nur bis zum 3. Mai, aber ob danach tatsächlich wieder in großem Stil Präsenzveranstaltungen stattfinden können, weiß im Moment niemand.

Mehr Teilnehmer möglich

„American cultural history“ und „Graphic women“ sind die Titel der beiden Kurse, die der Anglistik-Professor in diesem Semester anbietet. Normalerweise sind höchstens 35 Studenten pro Kurs zugelassen. „Jetzt habe ich mehr Leute aufgenommen, obwohl die Veranstaltung eigentlich voll war. Es sind jetzt pro Kurs 60 Teilnehmer.“ Da die Studenten ohnehin nicht in einem Raum zusammensitzen, sondern das Seminar virtuell abläuft, spielt die Teilnehmerzahl nur eine untergeordnete Rolle.

Kein Labor nötig

Wie organisiert Stein nun seine Seminare? „Wir haben es ja relativ leicht in der Literaturwissenschaft. Keine Labore, keine Experimente. Die Studenten müssen vor allem lesen.“ Die Lektürelisten werden wie immer verschickt, gelesen wird zu Hause. Wissenschaftliche Aufsätze, die zusätzlich erforderlich sind, kann man zur Zeit nicht in der Bibliothek ausleihen. Deshalb lädt der Dozent die wichtigsten Texte auf der universitären Datenplattform „Moodle“ hoch, die schon länger in Betrieb ist. Hier bekommen die Studenten auch Aufgaben zur Bearbeitung, hier können sie eigene Texte hochladen.
Wenn die Kursteilnehmer zu beliebigen Zeiten auf die Plattform gehen – oder vielleicht gar nicht –, bekommt der Dozent kein direktes Feedback. Daniel Stein: „Das ist schon ein bisschen spooky. Man ruft in den Wald hinein und weiß gar nicht, wer einen hört.“

Unterschiedliche Herangehensweisen

Die Ringvorlesung, die Daniel Stein in diesem Semester zusammen mit Prof. Josef Imorde zum Thema „Superheroes“ veranstaltet, sollte eigentlich ein besonderes Dienstagabend-Event im Museum für Gegenwartskunst in Siegen werden. „Den Referenten, die eingeladen waren, wollten wir auch die Gelegenheit geben, Siegen kennenzulernen – daraus wird ja nun nichts“, bedauert Stein. Die Vorlesung selbst aber soll stattfinden. Die Referenten gehen damit ganz unterschiedlich um. Die einen schicken Videos mit ihrer kompletten Vorlesung, die anderen Texte zum Nachlesen.

Möglichst niederschwellig anlegen

Die Methode, die Vorlesungen und Seminare am direktesten digital abbildet, ist die Live-Videokonferenz mit Referent und Zuhörern bzw. Dozent und Seminarteilnehmern. Die große Frage, welches Video-Konferenz-Tool dafür genutzt wird, ist an der Hochschule noch nicht endgültig beantwortet. Es scheint derzeit auf „Zoom“ hinauszulaufen, aber Datenschutzprobleme sind noch nicht alle gelöst.
Ohnehin glaubt Daniel Stein, dass Echtzeit-Videostreams hohe Anforderungen an die Studenten und deren technische Möglichkeiten stellen. Immerhin müssten sie sich dann in Live-Veranstaltungen verschiedener Dozenten, womöglich mit unterschiedlichen Videotools, einwählen. Ob die Internetverbindungen dafür überall stabil genug laufen? „Man sollte das Ganze möglichst niederschwellig anlegen, wenig technische Voraussetzungen, nicht dauernd zu einem bestimmten Zeitpunkt alle zusammenschalten.“ Das hat Daniel Stein auch aus Erkenntnissen amerikanischer Wissenschaftler gelernt – und die USA gelten in diesem Punkt nicht gerade als rückständig.

Videoschalten für lebendige Diskussion

Verloren geht bei zeitversetzter Lehre natürlich der direkte Austausch. „Für die Studenten ist es ja auch wichtig, auf Englisch miteinander zu diskutieren und auch mich als Dozenten sprechen zu hören.“ Daniel Stein plant deshalb, wenigstens zwei- oder dreimal im Semester in Gruppen von 15 oder 20 Studenten solche Videoschalten zustande zu bringen, auf denen man auch miteinander diskutiert.
Eine Form der Kommunikation gewinnt übrigens in diesen Zeiten wieder an Relevanz: das gute alte Telefon. Sprechstunden, zu denen die Studenten sonst in die Uni kommen, werden jetzt telefonisch abgewickelt. Einfacher und schneller als Mail-Austausch ist das allemal.
Daniel Stein wüsste übrigens ganz gern, wie seine Kollegen mit der Situation zurechtkommen. Man könne sich sicher den ein oder anderen Tipp geben. „Aber ich weiß das nicht, man begegnet sich ja nicht mehr auf dem Flur.“

Prüfungen In der Regel stehen zum Semesterende Hausarbeiten oder Klausuren für die Studenten an. Hausarbeiten sind natürlich kein Problem, „Heimklausuren“ aber wären für Daniel Stein und seine Studenten Neuland. Dass Seminarteilnehmer zu Hause unter Klausurbedingungen eine Arbeit schreiben, ist wohl machbar, „aber da muss ich mich erst mal mit befassen“, so der Professor. Auf der Homepage der Universität ist vermerkt, dass ab dem 23. April Prüfungen mit bis zu fünf Personen als Präsenz-Prüfungen durchgeführt werden können.
Das Audimax ist verwaist. Hier finden normalerweise große Vorlesungen zum Beispiel in Betriebswirtschaftslehre statt. Daran ist im Augenblick nicht zu denken. Die Professoren müssen sich ganz neue Lehrformate einfallen lassen.
Anglistik-Professor Daniel Stein.
Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

11 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige
Die Pizzeria da Pino in Geisweid wird 30 Jahre alt. Das Team freut sich über und mit seinen Gästen.
3 Bilder

"Unsere Gäste haben zu uns gehalten"
Pizzeria da Pino feiert Geburtstag

In diesem Jahr wird die Pizzeria da Pino an der Röntgenstraße 9 in Geisweid 30 Jahre alt und hat das mit Gästen und Freunden in geselliger Runde gefeiert. „Wir sind einfach froh und dankbar, dass unsere Kunden und ihre Kinder und Enkelkinder uns so lange die Treue gehalten haben und immer noch halten”, sagt Maria Giannetti. "Unsere Gäste haben zu uns gehalten"„Gerade die zurückliegenden Monate der Pandemie waren für uns alles andere als einfach. Aber umso mehr haben wir uns darüber gefreut,...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen