Handwerk: Auswirkungen der Pandemie ziemlich unterschiedlich
Ein Drittel in der Existenz bedoht

Die Kosmetiker-Branche gehört sicherlich zu den Verlierern in der Pandemie.
  • Die Kosmetiker-Branche gehört sicherlich zu den Verlierern in der Pandemie.
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  • hochgeladen von Marc Thomas

pm/sz Siegen. Zuhören, verstehen, handeln – und natürlich helfen: So beschreiben die Handwerkskammer Südwestfalen und die Kreishandwerkerschaften im Kammerbezirk ihre derzeitige Leitschnur im Kontakt mit den von der Coronakrise betroffenen Betrieben. Viele Erkenntnisse über Probleme sowie wichtige Anregungen der Handwerksunternehmen brachte jetzt die jüngste Umfrage unter den südwestfälischen Unternehmen, an der mehr als 27 Prozent der Betriebe online teilgenommen haben. Dabei wurde deutlich: Die Auswirkungen der Pandemie fallen ziemlich unterschiedlich aus.

„Die Antworten waren sicher teils zu erwarten, teils wurden weitere Facetten sichtbar. Besonders die Freitextantworten geben einen tiefen Einblick in die Stimmungslage und wertvolle Hinweise für unser weiteres Handeln“, sagt Kammerpräsident Jochen Renfordt. Mehr als ein Drittel der Betriebe gab an, stark bis hin zu existenzbedrohend betroffen zu sein. Gleichzeitig meldeten 41,5 Prozent der Betriebe, gar nichts bzw. nur wenig zu verspüren.

Handwerk zeigt seine Widerstandsfähigkeit

Mit einem erstaunlich hohen Anteil von beinahe zwei Dritteln der teilnehmenden Betriebe zeigt das Handwerk in vielen Berufen seine Widerstandsfähigkeit gegen die krisenbedingten Beeinträchtigungen. Diese rührt vor allem daher, dass Unternehmen ihre Geschäftsmodelle entsprechend fortentwickeln konnten und die industrienahen Gewerke vom Wiedererstarken der dortigen Nachfrage profitieren, heißt es von der Handwerkskammer.

Deutlich hervor sticht der unterschiedliche Grad der Betroffenheit nach Gewerken und – zum Teil – Regionen. „Bau- und Ausbauhandwerke sind bislang recht gut durch die Pandemie gekommen. Die größten Verlierer sind die Friseure, Kosmetiker, Nagelstudios und Fotografen. Auch die Lebensmittelhandwerke mit Vor-Ort-Verzehr oder Cateringangeboten hatten deutliche Einbußen“, erklärte Markus Kluft, Pressesprecher der Handwerkskammer, auf SZ-Nachfrage.

Ungleiche Umsatzentwicklungen

Insbesondere die Unternehmen, die stark von den Auswirkungen der Pandemie betroffen sind, müssten in den Fokus der Politik gerückt werden. „Ein drohender Aderlass von so vielen Betrieben würde die Versorgungssicherheit der Bevölkerung und der Wirtschaft mit handwerklichen Waren und Dienstleistungen nachhaltig gefährden“, fürchtet Kammerpräsident Renfordt. Bestätigt wird die auseinandergehende Betroffenheit des südwestfälischen Handwerks durch die ungleichen Umsatzentwicklungen in den zurückliegenden zwölf Monaten. Während fast 40 Prozent der Betriebe ihre Umsätze mit mindestens 90 Prozent des Vorjahres angeben, sank der Umsatz bei mehr als einem Drittel der Befragten im Vergleich zum Jahr vor der Pandemie auf unter 50 Prozent.

Einher gingen die Erlösverluste mit einem Abbau von Beschäftigung, der durch die geltenden Regelungen zum Kurzarbeitergeld aber weitgehend aufgefangen werden konnte. Trotzdem: Ohne den Zugriff auf betriebliche und private Rücklagen und ohne die Hilfspakete von Bund und Land wären viele von ihnen wahrscheinlich schon nicht mehr am Markt.

Einzelkämpfer besonders schwer

Besonders schwer haben es viele Einzelkämpfer wie die bereits erwähnten Fotografen oder Kosmetiker. Das erklärt auch, warum nur 32 Prozent der teilnehmenden Betriebe das Instrument der Kurzarbeit nutzen konnten. Die verschiedenen Hilfspakete beantragt haben rund 48 Prozent der Umfrageteilnehmer, von denen lediglich 13 Prozent bislang keine Zahlungen erhalten haben. Erfreulich dabei ist, dass 65 Prozent der Befragten die Antragstellung als „einfach“ bezeichnen.

Aktuell zeichnet sich das Problem ab, dass mehr als 44 Prozent der Umfrageteilnehmer erhaltene Hilfen zumindest teilweise zurückzahlen müssen. Nach Auffassung der Handwerksorganisation in Südwestfalen müsen Politik und Verwaltung hier dringend nachsteuern.

Autor:

Pascal Mlyniec (Redakteur) aus Siegen

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