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Bunker an der Burgstraße
Ein dunkles Kapitel in Siegens Stadtgeschichte

Das harte Licht der LED-Taschenlampe erhellt die Koksöfen, mit denen der fünfgeschossige Stahlbetonbau „geheizt“ wurde.
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  • Das harte Licht der LED-Taschenlampe erhellt die Koksöfen, mit denen der fünfgeschossige Stahlbetonbau „geheizt“ wurde.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

ch Siegen. Ein düsterer Ort. Es riecht muffig, Regenwasser tröpfelt hörbar durch die undicht gewordene, meterdicke Decke die Treppe des Hochbunkers an der Burgstraße hinab. Erst geht es in den Keller der 1940 auf dem Siegberg errichteten Anlage; das harte Licht der LED-Taschenlampe erhellt die Koksöfen, mit denen der fünfgeschossige Stahlbetonbau „geheizt“ wurde, fällt kurz auf das Notstromaggregat. „Acht, zehn Stunden konnten die Systeme am Laufen gehalten werden, länger nicht“, sagt Katrin Bückmann. Die Stadtführerin aus Leidenschaft – seit knapp drei Jahrzehnten übermittelt sie Besuchern der Krönchenstadt Bilder und Botschaften aus vergangenen Tagen – huscht weiter.

ch Siegen. Ein düsterer Ort. Es riecht muffig, Regenwasser tröpfelt hörbar durch die undicht gewordene, meterdicke Decke die Treppe des Hochbunkers an der Burgstraße hinab. Erst geht es in den Keller der 1940 auf dem Siegberg errichteten Anlage; das harte Licht der LED-Taschenlampe erhellt die Koksöfen, mit denen der fünfgeschossige Stahlbetonbau „geheizt“ wurde, fällt kurz auf das Notstromaggregat. „Acht, zehn Stunden konnten die Systeme am Laufen gehalten werden, länger nicht“, sagt Katrin Bückmann. Die Stadtführerin aus Leidenschaft – seit knapp drei Jahrzehnten übermittelt sie Besuchern der Krönchenstadt Bilder und Botschaften aus vergangenen Tagen – huscht weiter.

Führung im Bunker

Die Gäste der Bunkerführung, Auswärtige, ein Siegener Ehepaar, eine Studentin mit ihren Eltern, folgen ihr. Durch die Zeit, zurück zum Zweiten Weltkrieg. Vorbei an verrosteten Stahltüren. Hier der Ordnerraum, in dem der zivile Bunkerwart über Einlass oder Draußenbleiben und damit über Leben oder Tod entschied. Dort die „Aborte“. Zwei Toiletten für die Frauen, zwei für die Männer, plus ein paar Urinale. Bückmann: „Der Bunker war für 650 Personen ausgelegt. Es war aber immer zu voll, ob beim ersten Bombenabwurf auf Siegen am 2. Oktober 1942 oder beim schwersten Luftangriff am 16. Dezember 1944. Rund 1000 Menschen suchten jeweils Schutz!“ Und fanden ihn.

Das Werk von Alfred Fißmer

Ohne geschichtliche Schelte, ob er überzeugter Nazi oder ein erzwungener Mitläufer im Dritten Reich war, erklärt Bückmann das Werk Alfred Fißmers. Maßgeblich verantwortlich für den Bau des Komplexes an der Burgstraße war der Oberbürgermeister in seiner Funktion als örtlicher Luftschutzleiter. Die Krönchenstadt gehörte zu den wichtigsten Luftschutzorten, ein Standort kriegswichtiger Rüstungsindustrie, Garnisonsstadt, und damit potenzielles Ziel von Luftangriffen. Im Stadtgebiet wurden deshalb 1940 elf Hochbunker und ein Tiefbunker errichtet, fünf davon allein auf dem Siegberg.
Bot ein Bunker – wie hier an der Burgstraße – mehr als 300 Menschen Platz, dann musste ein Brunnen vorhanden sein. Bückmann: „Auch gegen Gasangriffe sollten die Mauern schützen, es gab autarke Luft-Reinigungsanlagen.“ Zwei Eingänge samt Gas-Schleusen waren vorgeschrieben, falls einer verschüttet werden sollte.

Viele Hochbunker in Siegen

„Warum so viele Hochbunker im Stadtbild?“, kommt die Frage aus der Runde. Das erklärt sich mit dem harten Untergrund: „Der Boden besteht zumeist aus Grauwacke, einem sehr harten Gestein. Da hieß es, lieber in Höhe bauen“, antwortet Bückmann. Sie hastet weiter. Nach oben, gen Dachgeschoss. In den Turm, in dem Kinder der Hitlerjugend als Flakhelfer versuchten, den Feind vom Himmel zu holen. Ihnen offenbarte sich der Blick auf’s Hüttental, auch heute kann er in die Ferne schweifen. Allerdings frei und ungehindert. „Ja, dieser Ort erzählt ein dunkles Kapitel unserer Stadtgeschichte. Es ist ein deprimierender Ort, der zugleich aber Hoffnung machte. Wer hier Schutz suchte und um sein Leben bangte, konnte letzteres immerhin behalten. Im Dezember 1944 lebten rund 50.000 Menschen in der Siegener Innenstadt. Bei dem nur wenige Minuten andauernden Bombardement wurde die Altstadt beinahe völlig zerstört, und 348 Menschen starben. Eine Tragödie. Aber die meisten hatten überlebt – weil es Fißmers Bunker gab!“

Bunker als außerschulischer Lernort

Diese Geschichte würde Bückmann gerne öfter wiederholen. Allerdings haben die Bunkerführungen in diesem Jahr ein Ende. Derzeit wird geprüft, ob bis zum Umbau der Anlage zur Erweiterung des Museums im Oberen Schloss Schulklassen durch den Stahlbetonbau geschleust werden können. Bückmann: „Das wäre einmal ein echter außerschulischer Lernort. Einer zum Anfassen und Anteilhaben!“

Autor:

Christian Hoffmann (Redakteur) aus Siegen

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