Ein enger Freund von Rau

Vollblutpolitiker: Loke Mernizka.  Foto: hb

sz Geisweid. Seinen 70. Geburtstag feiert am heutigen Mittwoch der ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete Loke Mernizka. Er hat sich aus diesem Anlass für einige Tage in den sonnigen Breisgau zurückgezogen. Nicht zuletzt, um ungestört ein Arbeiter- und Politikerleben Revue passieren zu lassen, bei dem es immer um drei Dinge ging: Menschen, Mächte, Mitbestimmung. Seine knappe und klare Sprache mit dem „rollenden R“, das ihn bis zu den deutschen Grenzen als Siegerländer, darüber hinaus aber eher als Engländer oder US-Amerikaner auswies, bezeichnete die Wochenzeitschrift „Der Spiegel“ einmal als „Hochdeutsch mit Knubbeln“. Dem NRW-Landtag hat Loke Mernizka über vier Legislaturperioden von 1980 bis zur Jahrtausendwende angehört. Dabei errang er immer das Direktmandat im Wahlkreis 146. Jugend-, Wirtschafts- und Europapolitik waren in Düsseldorf Mernizkas Arbeitsschwerpunkte. Als stellv. Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses und der Landtagsfraktion konnte er viel für die heimische Region tun.

Eine besonders herzliche Freundschaft pflegte Loke Mernizka zu Johannes Rau, der ihm sowohl in seiner Zeit als Ministerpräsident wie zuletzt auch als Bundespräsident regelmäßig persönlich zum Geburtstag gratulierte. In einem dieser Schreiben brachte Johannes Rau zum Ausdruck, „wie froh ich darüber bin, dass zwei so unterschiedliche Menschen sich auf allen Wegstrecken so gut verstanden haben“. Johannes Rau fungierte gemeinsam mit Siegfried Dreher auch als Trauzeuge bei Mernizkas zweiter Eheschließung im Geisweider Rathaus. Heute ist es um den einstigen Vollblutpolitiker, der immer ein Mann mit Ecken und Kanten war, ruhiger geworden. Seine Ratschläge für die große und kleine Politik, die er jeden Morgen beim Treffen der „Geisweider Geheimräte“ im Café Römer von sich gibt, zeigen jedoch: Loke Mernizka nimmt noch rege Anteil am politischen Geschehen. Was Fernsehen und Tagespresse an aktueller Berichterstattung zu bieten haben, studiert er bereits vor dem Morgenkaffee. Lesen bildet, das weiß Loke Mernizka von Kindesbeinen an. Damals hat er Bücher schon regelrecht verschlungen. Atlas, Lexikon und Duden lagen immer bereit, wenn der junge Volksschüler aus Dillnhütten Reiseberichte aus aller Herren Länder studierte. „Der frisst Bücher statt Brot“, hieß es in der Schule.

Die Karriere des „praktizierenden Arbeiters“ begann 1954 mit dem Eintritt in die IG Metall, der 1966 der Eintritt in die SPD und 1974 die Wahl in den Betriebsrat der Stahlwerke Südwestfalen folgten. Freigestelltes Betriebsratsmitglied, Vorsitzender der IGM-Vertrauensleute und Aufsichtsratsmitglied der Fried. Krupp AG in Essen gehörten zu seiner gewerkschaftlichen Arbeit, während er in seiner politischen Arbeit neben seiner Tätigkeit in Düsseldorf besondere Akzente im Rat der Städte Hüttental und Siegen (1969 bis 1997) setzte, wo er von 1977 bis 1990 SPD-Fraktionsvorsitzender war. Auch als Mitglied im Ausschuss der Regionen der Europäischen Gemeinschaft (1995 bis 2000) und Vizepräsident der Vereinigung der Europäischen Stahlregionen in der EU (CASTER) setzte Loke Mernizka Akzente.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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