Ein Fest der Farbe

Doris Rüstig-Ladewig zeigt in der Art-Galerie Siegen „Schlei-Impressionen“ – hier das Triptychon „Meerfrauen“. Foto: ne
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ne Siegen. Ein bisschen versteckt im heißen Sommerloch präsentiert die engagierte Galeristin Helga Oberkalkofen eine beeindruckende Künstlerin mit Persönlichkeit: Die 1926 in Berlin geborene Malerin „alter Schule“, Doris Rüstig- Ladewig – sie hat unter anderem fünf Jahre an der legendären Hochschule für bildende Künste in Berlin studiert, und zwar beim „Brücke-Expressionisten“ Karl Schmidt-Rottluff – ist durch die Kunst jung geblieben, spricht mit Leidenschaft über Malerei und vermag ihre Schüler (sie unterrichtet nach wie vor) wie die Besucher der aufschlussreich gehängten Schau für die Kunst zu faszinieren.

Rüstig-Ladewigs Stil zeichnet sich durch expressiven, souverän geführten Pinselstrich aus: Mit Verve weiß die seit 20 Jahren in Schleswig-Holstein lebende Künstlerin Farbentscheidungen zu treffen, aus neoexpressionistischer Buntheit Tiefenwirkungen zu entwickeln. Ihre Kompositionen sind kräftig, die Motive Akt oder Landschaft gleichermaßen aus der Bewegung der Farben gedacht, die Arbeiten insgesamt Manifest einer Künstlerin, die ihr Metier beherrscht.

Entschieden gekonnt sind auch ihre hingetuschten Aktzeichnungen: Bewegungsstudien, die vom Licht leben, die Körperlichkeit feiern aus Schatten und Kontur – und damit über bloße Vorstudien zu Gemälden hinausgehen, eigene qualitative Autonomie einfordern. Rüstig-Ladewig zeichnet am Objekt, also zum einen nach Modell, und durchreist, erlebt die Landschaften, die dann Kunst werden. „Schlei-Impressionen“ betitelt sie die Ausstellung. Die großformatigen Arbeiten in Öl zeugen von einem intensiven Farberleben der Flusslandschaft im Holsteinischen.

Ein paar Blumenaquarelle und Porträts reizen zum Vergleich: Hier wie da behandelt die Künstlerin das Motiv als Persönlichkeit, entwickelt aus der flüchtigen Aquarellfarbe singuläre Charaktere, denn sowohl Pflanzen als auch Menschen erscheinen ihr als Individualität, die durch Lebensumstände, also Umwelt, geprägt und gezeichnet werden. Eine Hierarchie ihrer Motivik lässt die Malerin nicht zu: Primär geht es ja ohnedies um bildkünstlerische Aussagen, eben um Malerei, um Form und Komposition, um das Mit- und Gegeneinander, das Spiel der Farben.

Ihr pädagogisches Engagement hat Doris Rüstig-Ladewig 2003 in einer nach ihr benannten Stiftung institutionalisiert: So kann sie mit Freunden und Förderern gemeinsam ihren unglaublich vielseitigen Erfahrungsschatz der nachfolgenden Generation weitergeben. Ein Gewinn.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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